Gaby Schneider

Herr Natrup, was macht ein Kantonsplaner?
Wilhelm Natrup: Einerseits ist es seine Aufgabe, Entscheide für die Politik vorzubereiten, anderseits auch, Leute zusammenzubringen und Themen öffentlich zu machen, welche die Entwicklung des Kantons und die Baukultur betreffen. Mein Ziel ist, die Diskussion zwischen Regionen und Kanton zu fördern. Am linken Zürichseeufer haben wir eine Region, in der andere Leute Ferien machen würden. Hier sollte man auf Qualität setzen, nicht nur auf Quantität.

Das Land wird zur Stadt, die Gemeinden wachsen zusammen: Reichen die gesetzlichen Instrumente aus, damit der Raum Zürichsee nicht zu einem gesichtslosen Siedlungsbrei wird?
Natrup: Ich denke, wir haben ausreichende Instrumente zur Steuerung der Siedlungsentwicklung. Ziel ist, die Siedlungsentwicklung nach innen zu konzentrieren. Dazu ist ein Abstimmungsprozess mit den Regionen und Gemeinden zwingend.

Letzthin wurde gefordert, die Regionen sollten mehr Rechte in der Planung haben. Was meinen Sie?
Natrup: Gesetzlich ist es so geregelt, dass der Regierungsrat die regionalen Richtpläne beschliesst. Und das soll auch so bleiben, damit übergeordnete Ziele nichtregional unterlaufen werden. Wünsche werden selbstverständlich im Einzelfall diskutiert.

Wünsche sind beispielsweise, das Gewerbe an die Autobahn zu verlegen und das Wohnen an den See, eine Entmischung.
Natrup: Diesen Vorschlag müssen wir zum Beispiel mit der Region Zimmerberg diskutieren, letztendlich legen wir vom Kanton ja nicht scharf fest, wo was passieren muss. Das ist Aufgabe der Region.

Nachdem die Agglomeration immer mehr verstädtert, wäre es nicht sinnvoll, die Erdgeschossnutzung in den Zentren städtischen Verhältnissen anzupassen, also keine Wohnungen im Erdgeschoss, dafür Werkstatt, Kleingewerbe und Büros?
Natrup: An Publikumslagen, wo hohe Fussgängerfrequenzen sind, ist Einzelhandel sinnvoll. Da muss man auch den Schnauf haben, das durchzuhalten. Das kann auch für die Grundeigentümer bedeuten, dass das beispielsweise aus den Erträgen fürs Wohnen quersubventioniert wird.

Um Leben in die Zentren zu bringen, braucht es Kleingewerbe im Zentrum; kann man da mit planerischen Instrumenten Weichen stellen?
Natrup: Raumplanerisch haben wir ganz klare Ziele: Wir wollen die regionalen Zentren im Gebiet Zimmerberg erhalten und stärken, besonders vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Der Anteil der Bevölkerung, die kurze Wege braucht, wird grösser. Gleichzeitig haben wir im Handel immer mehr Anbieter mit grossem Flächenbedarf, wie Gartenzentren oder Baumärkte, die in die gewachsenen Orte schwer zu integrieren sind. Es ist die Aufgabe der Region, den Detailhandel in den Zentren nicht durch Entwicklungen an den Autobahnauffahrten zu schwächen.

Mit welchen planerischen Massnahmen könnte man einen Seeuferweg von Oberrieden bis nach Zürich realisieren?
Natrup: Es ist ein klares Ziel, langfristig eine durchgehende Verbindung am See zu haben. Er muss nicht immer am Wasser entlang führen - wir haben auch ökologische Gegebenheiten wie Schilfgürtel zu berücksichtigen. Da, wo es unverhältnismässig wäre, in privates Eigentum einzugreifen, muss man andere Lösungen suchen.

Was zum Beispiel?
Natrup: Einen Weg, der in der Nähe des Ufers verläuft. Oder einen Steg bauen. Es braucht viel Durchhaltevermögen und Ideen.

Billige Wohnungen für Familien gehen mehr und mehr verloren, die soziale Durchmischung damit auch.
Natrup: Eigentlich haben das alle Gemeinden in ihren kommunalen Leitbildern.

Ein frommer Wunsch?
Natrup: Da kann der Kanton mit der Richtplanung wenig bewirken. Aber wir haben ein grosses Interesse daran, dass die Gemeinden ihre Möglichkeiten ausschöpfen, um zu einer sozialen Durchmischung beizutragen. Die Gemeinden haben die Möglichkeit, zum Beispiel mit ihrer Bodenpolitik, Einfluss zu nehmen, wenn sie Land verkaufen, dies mit Auflagen zu verbinden oder Genossenschaften einzubeziehen.