Haus

Zelgli-Quartier: Jedes Haus hat eine Geschichte

Die Häuser an der Oberholzstrasse im Zelgli-Quartier in der Zeit nach 1907. (Sammlung Stadtmuseum)

Zelgli, Museum

Die Häuser an der Oberholzstrasse im Zelgli-Quartier in der Zeit nach 1907. (Sammlung Stadtmuseum)

Das Stadtmuseum Schlössli Aarau veröffentlicht am Samstag, 8. August, eine Sammlung von «Hausgeschichten» aus dem Zelgli, die ein farbiges Bild des Quartiers in den letzten 100 Jahren zeichnet.

Philipp Muntwiler

Die Häuser im Zelgli-Quartier wurden fast alle zwischen 1907 und 1920 gebaut. Viele davon waren über mehrere Generationen im Besitz derselben Familie oder sind es immer noch. Daher sei jedes dieser Häuser ein spannender Schauplatz und habe eine interessante Geschichte, sagt Dominique Frey, Kuratorin des Stadtmuseums Aarau. Aus diesem Grund wurden im Frühling die Quartierbewohner im Zelgli dazu aufgerufen, ihre «Hausgeschichten» zu verfassen und dem Stadtmuseum einzuschicken.

Das Echo auf diesen Aufruf habe sie überrascht, sagt Frey. «Wir verlangten schliesslich von den Menschen, dass sie eine fixfertige Geschichte aufs Papier bringen. Das ist ja nicht gerade jedermanns Sache. Aber wir haben 21 unterschiedliche Geschichten zugeschickt erhalten.»
Kindheitserinnerungen, Beschreibungen der Hausarchitektur und humorvolle Anekdoten - eine Vielfalt an einzigartigen und individuellen Geschichten, die in Form einer Zeitung für die Öffentlichkeit aufbereitet werden. Die Zeitung wird so gestaltet, dass sie auch als Karte für einen Quartierrundgang dienen kann.
Die Zeitung mit den Hausgeschichten aus dem Zelgli wird zum ersten Mal am Samstag, 8. August, erhältlich sein. Dazu organisiert das Stadtmuseum einen Quartierrundgang, der um 16.30 Uhr vor der Neuen Kantonsschule beginnt.
Eines Tages habe sie auch ein Mail aus den USA erreicht, sagt Frey. «Irgendwie gelangte unsere Karte per Mail an jemanden, der im Zelgli aufgewachsen und dann nach Texas ausgewandert ist.» Das freue sie ausserordentlich, denn sowohl aktuelle wie auch ehemalige Quartierbewohner haben ihren Teil zur Stadtgeschichte beigetragen und können viel über die Häuser erzählen.
Die ganze Aktion habe im Quartier einiges ausgelöst, berichtet Frey. Jetzige und frühere Besitzer seien miteinander ins Gespräch gekommen. Und es sei interessant festzustellen, wie viel die früheren Besitzer noch über ihr Haus informiert seien, auch wenn der Verkauf schon Jahrzehnte her sei.
Ueli Halder ist an der Schanzmättelistrasse 37 aufgewachsen. Er erkundigte sich einmal bei den jetzigen Besitzern der Liegenschaft, Inge und Markus Meier, ob mit den Kaminen alles in Ordnung sei. Die beiden konnten sich zunächst keinen Reim darauf machen. Stück für Stück erzählte ihnen Halder von einem Bügeleisen, das sich in einem Kamin verkeilt hatte.
Die Familie Halder wollte die Fernsehantenne im Estrich mit dem Gerät in einem der Zimmer verbinden. Dazu wollten sie einen unbenutzten Kaminzug als Kabelkanal verwenden. Zum Beschweren des Kabels diente ein altes Bügeleisen, das dann auf Nimmerwiedersehen im Kamin verschwand. Jahre später präsentierte ein Kaminfeger Inge und Markus Meier ein verrusstes Ding - das Bügeleisen.
Herman Schmidt berichtet in seiner Geschichte von einem seltsamen Fund in seinem Garten an der Oberholzstrasse 30: «Wir fanden dort in der Hecke eine merkwürdige, seit vielen Jahren nicht mehr gebrauchte Holzkonstruktion. An einen Kompostbehälter oder etwas Ähnliches dachten wir. Vom Nachbarn erfuhren wir, dass ein früherer Mieter sich dort einen Aussichtssitz gebaut hatte, von dem aus er beobachten konnte, wer unten auf der Strasse von Schönenwerd nach Aarau oder umgekehrt ging oder fuhr.»

Die Sammlung der Hausgeschichten steht im Zusammenhang mit der Ausstellung «Ihre Geschichten sind uns nicht egal», die mit den Erinnerungen der Quartierbewohner im Scheibenschachen an das Hochwasser von 2007 begonnen hat. «Als Stadtmuseum sammeln wir nicht nur Objekte, sondern auch Geschichten - von Menschen, von besonderen oder alltäglichen Ereignissen», sagt Frey. «Sie sind Stadtgeschichte und ein Stück Heimat.» Für den Herbst seien weitere Expeditionen in den Quartieren vorgesehen. Eine davon wird in das «unbekannte Rohr» führen.
Begleitete Rundgänge am Samstag, 8.8., 16.30 Uhr, und Dienstag, 25.8., 18.30 Uhr. Treffpunkt ist jeweils vor der Neuen Kantonsschule.
Die Zeitung kann im Stadtmuseum bezogen werden.

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