Maultier
«Zeigen, was das Gymnasium alles leistet»

Thomas Multerer übernimmt ab dem neuen Schuljahr das Amt des Präsidenten der Konferenz der Schulleitungen der Berner Gymnasien. Der Co-Rektor des Gymnasiums Oberaargau tritt dieses Präsidium in einer Zeit an, in der die Schweizer Gymnasien vermehrt unter Druck stehen.

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Solothurner Zeitung

Quentin Schlapbach

Nicht weniger als fünf Motionen, welche diesen Sommer im Grossen Rat behandelt werden, beinhalten Zukunftsfragen der gymnasialen Bildung. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Gymnasien stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gekommen sind. Nicht zuletzt deshalb erklärte sich Thomas Multerer bereit, ab dem neuen Schuljahr das Präsidium der Konferenz der gymnasialen Schulleitungen des Kantons Bern für die nächsten drei Jahre zu übernehmen. «Wir müssen uns in der Öffentlichkeit besser darstellen, zeigen, was das Gymnasium alles leistet», sagt er. Es sei wichtig, aktiv an diesem öffentlichen Dialog teilzunehmen, um die eigene Sicht der Dinge besser in die politischen Entscheidungen mit einbringen zu können.

Eine jener zentralen Fragen, die aktuell im Raum stehen, ist die des neunten Schuljahres. Ein Teil der zukünftigen Maturandinnen und Maturanden bestreitet dieses Schuljahr bereits im Gymnasium, ein anderer Teil in der Sekundarschule. «Das führt zu einem Strukturproblem», stellt Multerer fest. «Es ist unser Ziel, dass alle Schülerinnen und Schüler, welche die Matur machen wollen, das neunte Schuljahr im Gymnasium absolvieren.»

Für strenge Zulassungsbedingungen

Die Hauptaufgaben der Konferenz der gymnasialen Schulleitungen sind die Koordination zwischen den 16 verschiedenen Berner Gymnasien sowie die Vertretung derer Anliegen bei der Erziehungsdirektion. Als Präsident dieser Konferenz nimmt Thomas Multerer vor allem organisatorische Tätigkeiten wahr. So leitet er durch die Sitzungen, setzt deren Schwerpunkte und repräsentiert das Gremium gegen aussen. Diese Funktion stellt für Multerer, der neben seiner Tätigkeit als Co-Rektor des Gymnasiums Oberaargau in Langenthal auch Deutschunterricht erteilt, ein zwanzig Prozent-Pensum dar.

Dass er diesen zusätzlichen Arbeitsaufwand überhaupt bewältigen kann, verdankt er auch der Tatsache, dass das Rektorat des Gymnasiums Oberaargau auf zwei Posten verteilt ist. Dementsprechend erklärt Multerer das Co-Rektorat denn auch als Erfolgsmodell. Im Gegenzug beendet der Jeremias Gotthelf-Spezialist jedoch sein vierjähriges Engagement als Leiter einer Arbeitsgruppe, die in Lützelflüh ein Zentrum über das Lebenswerk Gotthelfs errichten will, um das Schaffen des Schweizer Schriftstellers zu würdigen und dessen Bedeutung in der deutschsprachigen Literatur zu untermauern.

Eine zentrale Aufgabe in seinem neuen Ehrenamt sei auch der Austausch mit den Universitäten und Hochschulen, sagt Multerer. Letztlich müssten die Maturandinnen und Maturanden das notwendige Bildungsniveau erreichen, um an einer Universität studieren zu können. «Bei solchen Schnittstellen muss immer wieder überprüft werden, ob die Anforderungen für eine bestandene Matur noch zeitgemäss sind», hält Multerer fest. «Die Feedbacks, die wir sowohl von den Universitäten wie auch von ehemaligen Gymnasiasten bekommen, sind allgemein gut.»

Deshalb erachtet er es auch als richtig, dass die Zulassungsbedingungen für den Eintritt in ein Gymnasium relativ streng sind. Die Gymnasialquote der Schweiz sei zudem nur schwer mit jener anderer Länder vergleichbar, da nur wenige die Berufslehre kennten und die Anforderungen für eine bestandene Matur in der Schweiz wesentlich höher seien als im Ausland.

Bildungssystem diskriminiert Knaben

Auch in Zukunft werden, so ist Multerer überzeugt, viele Strukturwandel auf die Schweizer Gymnasien zukommen. Der Lehrermangel, der vielerorts an Schweizer Schulen vorherrscht, gehe auch an den Gymnasien nicht spurlos vorbei. «Das Prestige von Gymnasiallehrern ist zwar immer noch hoch, aber es gibt tatsächlich einen Mangel an Physik- und Mathematiklehrern», bestätigt Multerer. Den Grund dafür sieht er hauptsächlich darin, dass sich immer weniger junge Leute für ein Studium der Naturwissenschaften entscheiden.

Ein gesellschaftliches Phänomen stellt Multerer zudem bei der Schülerschaft fest: Bereits heute seien drei von fünf Gymnasiasten Frauen und die Tendenz sei steigend. «Unser Bildungssystem bevorzugt Schüler, die ordentlich, pflichtbewusst und lieb sind. Schülerinnen und Schüler, die zwar begabt sind, aber diese Attribute nicht so ausgeprägt aufweisen, bleiben daher oft auf der Strecke. Davon sind vor allem die Knaben betroffen», bilanziert Multerer.

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