Wald
Zehn Prozent Naturwald als Ziel

Beim Naturschutz im Wald gehört der Aargau laut WWF-Studie zu den Pionieren und den besten Kantonen. Darüber freut sich Heinz Kasper, Leiter der Abteilung Wald. Wichtig ist ebenso eine nachhaltige Holzproduktion.

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Wald im Aargau

Wald im Aargau

Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Naturschutz im Wald ist ein zweischneidiges Schwert, das die Besitzer schöner Baumbestände durchaus schmerzhaft treffen kann. Mit 49 000 Hektaren hat der Wald im Aargau eine grosse Bedeutung, die grüne Lunge bedeckt 35 Prozent der Kantonsfläche. Das ist überdurchschnittlich viel. Schon 1996 hat Kantonsoberförster Heinz Kasper eine Ökologisierung eingeläutet, der er aber auch klare Grenzen setzt: «Das langfristige Ziel sind 10 Prozent Naturwald, nicht weniger, aber wir wollen später auch keine Aufstockung dieser Flächen», stellt Kasper deutlich klar.

Kein Einsatz von Chemie

Der Einsatz von chemischem Pflanzenschutz ist im hochkomplexen Ökosystem Wald grundsätzlich verboten. Nur noch selten setzen die Sägereien Schutzmittel auf Lagerplätzen ein, wenn das Holz länger liegen bleibt. Zur Debatte steht ein völliger Verzicht auf Hilfsmittel, nach einer Übergangsfrist von 5 Jahren. (lü.)

Sieben Prozent als Reservate

Es geht um klare Konzepte, gestützt auf die Strategie «Waldentwicklung Aargau», und nicht um einen Salami-Naturschutz, der immer neue Flächen abschneidet. Die 10 Prozent teilen sich so auf: 7 Prozent sind Naturschutz-Reservate oder Altholzinseln; hier werden keine Bäume gefällt. Bei 3 Prozent geht es um die Förderung von Orchideen oder Tieren durch mehr Licht. Dazugezählt werden nur jene Flächen, bei denen die Besitzer einen Vertrag über 50 Jahre unterzeichnen und sich verpflichten, auf die Holznutzung teilweise zu verzichten. Der Kanton kann das nicht einfach verfügen, der Verzicht muss entschädigt werden. «Das Loslassen tut weh, die emotionale Komponente ist so wichtig wie das Geld.» Will heissen: Grosse Sorgfalt und ein sensibler Umgang mit den Besitzern sind wichtig.

Bis heute sind 4,6 Prozent als Naturwald ausgeschieden. Weil im Aargau zwei Drittel des Waldes den Ortsbürgergemeinden gehören und 7 Prozent dem Kanton, stösst der Schutzgedanke auf mehr Sympathie. Bisher hat der Grosse Rat alle Gelder bewilligt, vor Jahresfrist 7,6 Millionen Franken für die 3. Etappe (bis 2013) des Programms Naturschutz Wald.

Holznutzung im Zentrum

Reservate und WWF-Lob in Ehren, «aber unser Kerngeschäft ist die nachhaltige Nutzung, auch dabei können wir für die Ökologie sehr viel tun», betont Heinz Kasper. Auch bei der Zertifizierung für eine sinnvolle Nutzung gehörte der Aargau zu den Pionieren, heute sind Zertifikate fast zum Normalfall geworden - die Diskussion dreht sich höchstens über deren Unterschiede. Im Mittelland wachsen die Waldbäume rasch in den Himmel, mit Holznutzungen von 450 000 Kubikmetern pro Jahr wird fast der gesamte Zuwachs geerntet. In den Boomjahren 2007 und 2008 hat die Nutzung zum Erstaunen der Fachwelt nicht stark zugenommen. Trotz sinkenden Preisen und Wirtschaftsflaute ist bisher kein Rückgang oder gar Einbruch zu verzeichnen. Durch eine Steigerung der Effizienz habe die Waldwirtschaft ihre Hausaufgaben gemacht. Dank hoher Qualiät und Fortschritten in der Holzernte könne man im Mix verschiedener Holzarten zumindest kostendeckend arbeiten.

Buchen sind nicht gefragt

So absurd es klingt, der Wald ist auch der Mode unterworfen: Weil die Möbeldesigner derzeit auf dunkles Holz setzen, sind die Buchen kaum gefragt. Im Aargau sind sie aber an erster Stelle, dicht gefolgt von den Fichten. Zudem ist die Schliessung der Zellulosefabrik Attisholz für die Aargauer spürbar, weil unsere Waldbesitzer viel Holz geliefert haben. Vom Verbrauch und von der Umwelt her positiv sind die zunehmenden Wärmeverbunde auf der Basis von Holzschnitzeln. Allerdings sind die Preise so tief, dass damit kaum Geld zu verdienen ist.

Wichtig für die Erholung

Neben der hohen ökologischen und wirtschaftlichen Bedeutung sind die Wälder auch für die Erholung sehr wichtig. 75 Prozent der Siedlungen sind höchstens einen Kilometer von der grünen Lunge entfernt. Das 3700 Kilometer lange Wegnetz wird nicht nur von den Förstern genutzt, auch Wanderer, Joggerinnen, Biker und Reiterinnen wissen es zu schätzen.

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