Franz Schaible

«Bei der Ombudsstelle der Schweizerischen Zahnärztegesellschaft Sektion Solothurn (SSO) treffen immer häufiger Patientenklagen über ausländische Zahnärzte ein, die im Kanton Solothurn praktizieren und nicht Mitglieder der SSO sind.» Dies schreibt die Solothurner Sektion der Standesorganisation in einer Medienmitteilung. Die Vorwürfe seien happig und oft auch berechtigt, erläutert Jana Bracher, Präsidentin der Zahnärzte-Gesellschaft des Kantons Solothurn.

Sie nennt zwei Beispiele: Ein Zahnarzt wirbt mit einem Rabatt von zehn Prozent auf dem offiziellen Tarif für den Einsatz einer Spange und unterbreitet einen Kostenvoranschlag für 18 000 Franken. Ein bei einem SSO-Zahnarzt als Zweitmeinung eingeholter Kostenvoranschlag liegt bei 8000 Franken.

«Das Anwerben mit dem Rabatt entpuppt sich also als unwahres Versprechen», kommentiert Bracher. Ein anderer Zahnarzt wirbt für die Einsetzung eines Implantates mit dem tiefen Taxpunktwert von 2.50 Franken. Für die restlichen beim Eingriff nötigen Leistungen verrechnet er dagegen 3.90 Franken. Bracher: «Das ist Irreführung des Patienten.» Hinzu kämen wiederholt Klagen über standeswidriges Verhalten wie das Einfordern von massiven Vorauszahlungen.

Warnung vor «Discountern»

Die Verbandspräsidentin warnt deshalb vor Zahnarztpraxen und -kliniken, die Zahnbehandlungen zu angeblichen Discountpreisen anbieten. «Diese Versprechen erweisen sich oft als trügerisch, weil sich die Qualität einer zahnärztlichen Arbeit oft erst nach Jahren zeigt.» Ein tiefer Taxpunktwert bedeute keineswegs eine günstige Behandlung, wenn bei der Taxpunktzahl für die Leistungen jeweils der Maximalwert eingesetzt werde, gibt sie zu Bedenken.

Betreffen die Klagen ausschliesslich ausländische Zahnärzte? Nein, meint Bracher. Es gebe auch Klagen über Schweizer. «Wir stellen aber fest, dass es in der Mehrzahl der Fälle Zahnärzte aus dem EU-Raum sind, die oftmals nicht die nötigen Qualitätsstandards einhalten.»

Eine Verunglimpfung der ausländischen Zahnärzte sei aber nicht Absicht. Bracher betont, dass es im Kanton seit Jahren seriöse ausländische Zahnärzte gebe. «Unsere Reaktion auf die Klagen ist keine Polemik gegen ‹Ausländer›.»

Nur wenige ausländische Zahnärzte

Die Anzahl der Klagen über Zahnärzte, die nicht Mitglieder der Standesorganisation SSO sind oder aus dem Ausland stammen, kann allerdings nicht gross sein. So sind nach Angaben des kantonalen Gesundheitsamtes aktuell insgesamt 122 Berufsausübungsbewilligungen (BAB) für Zahnärzte erteilt. Darunter sind 15 Ausländer.

Die Zahl der BAB ist nicht identisch mit der Zahl der effektiv geführten Praxen, weil nicht jeder Zahnarzt alleine eine Praxis führt, wie Heinrich Schwarz, Chef des Gesundheitsamtes, erläutert. Nach Auskunft von Jana Bracher zählt die SSO-Solothurn 101 aktive Mitglieder. Die Zahl der Nicht-SSO-Zahnärzte schätzt sie auf acht. «Viele Klagen sind es nicht. Aber deren Anzahl ist doch deutlich steigend.»

«Motiv ist nicht Futterneid»

Angesichts der kleinen Anzahl Klagen drängt sich der Verdacht auf, dass der Standesorganisation einfach jene Zahnärzte ein Dorn im Auge sind, die die Behandlungen günstiger anbieten oder es sich um einen Sturm im Wasserglas handelt. Das weist Bracher vehement von sich. «Unser Motiv ist keinesfalls Futterneid.»

Es gehe um den Schutz der Patienten, denen günstige Behandlungen versprochen werden und «sich die Behandlung schliesslich als teuer bei schlechterer Qualität erweist». Die Konkurrenz unter den Zahnarztpraxen spiele auch so unter den SSO-Mitgliedern. «Letztlich ist die Qualität der Behandlungen ausschlaggebend für die Zufriedenheit der Patienten und damit für den wirtschaftlichen Erfolg der Praxis.»

Eine Beschwerde pro Jahr

Die Kritik der Zahnärztegesellschaft kann Heinrich Schwarz, Leiter des Gesundheitamtes, nicht einschätzen. Das Amt sei nur für Patientenbeschwerden bei einer Verletzung von Berufspflichten wie Missachtung der Beistandspflicht bei Notfällen oder schwerer Körperverletzung zuständig.

Die meisten Klagen wie Honorarstreitigkeiten oder Missachtung von Standesregeln fielen, da privatrechtlicher Natur, nicht darunter. «Die Patienbeschwerden beim Gesundheitsamt betrefen jährlich durchschnittlich weniger als einen Zahnarzt», sagt Schwarz. Und in den letzten Jahren sei keinem Zahnarzt die Berufsausübungsbewilligung entzogen worden.