Bahnunglück
Wurde bei Gleisarbeiten gepfuscht?

Thomas Werlen, Sprecher der betroffenen Matterhorn-Gotthard-Bahn, nimmt Stellung zum tragischen Bahnunglück in Obergoms. Es sei ungewöhnlich, dass die letzten Waggons entgleisen, so Werlen. Noch tappe man im Dunkeln.

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Unfall-Glacier-Express
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Zerdrückt
Koffern

Unfall-Glacier-Express

Silvan Hartmann

Herr Werlen, es wird vermutet, dass die Temperaturunterschiede der letzten Tage die Gleise verformt haben. Gibt es da schon konkrete Auswertungen?

Thomas Werlen: Das Bundesamt für Verkehr untersuchte gestern die Strecke. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Ursache des Unglücks ist noch unklar. Die möglichen Verformungen könnten auch durch den Unfall selbst entstanden sein.

Vor einiger Zeit gab es Gleisarbeiten. Passierten da etwa Fehler?

Werlen: Wie gesagt: Die Untersuchungen laufen. Bis diese abgeschlossen sind, dauert es noch eine Weile. Wir können allerdings bestätigen, dass an den Gleisen Arbeiten gemacht wurden, jedoch ist noch unklar, an welchen Stellen der Strecke.

Beim Zug sind die hinteren Waggons entgleist und nicht wie sonst bei Bahnunfällen die vordersten Waggonabteile. Wie erklären Sie sich das?

Werlen: Wir tappen noch völlig im Dunkeln. Dass die letzten Waggons entgleisen, ist tatsächlich ungewöhnlich.

Was können Sie zum Rollmaterial sagen?

Werlen: Erst im letzten Jahr wurde das alte Material aussortiert. Das Rollmaterial ist also auf dem modernsten Stand. Zudem werden die Wagen den Vorschriften gemäss revidiert.

Wie sehen die nächsten Tage der Matterhorn-Gotthard-Bahn aus?

Werlen: Die betroffene Strecke bleibt gesperrt, bis die Untersuchungen und Bergungsarbeiten abgeschlossen sind. Für die Passagiere, welche auf der betroffenen Strecke fahren müssen, organisieren wir Extrabusse. Das restliche Streckennetz kann fahrplanmässig befahren werden.

Wann rechnen Sie damit, die Strecke wieder zu öffnen?

Werlen: Es ist stark abhängig davon, wie wir mit den Bergungsarbeiten vorankommen. Aufgrund des Geländes ist es sehr schwierig, zu den Waggons zu kommen. Wir überlegen uns, ob und wie wir mit einem Kran an die Unglücksstelle gelangen können. Bis wann dieser Streckenabschnitt unterbrochen ist, wissen wir derzeit noch nicht.