WTO-Chef sieht in Finanzkrise Gefahr für den Frieden

Lamy sieht Gefahr für Frieden (Archiv)

Lamy sieht Gefahr für Frieden (Archiv)

Der Chef der Welthandelsorganisation (WTO), Pascal Lamy, sieht in der weltweiten Finanzkrise eine Gefahr für den Frieden. Die derzeitige Krise sei mit der in den 1930er Jahren vergleichbar.

Dies sagte Lamy im Interview mit der Zeitung "Die Welt". Der Unterscheid sei nur, dass sich die Krise heute noch schneller ausbreite und die Länder weltweit fast gleichzeitig erfasse. Politische Unruhen seien nicht auszuschliessen.

Einige Demokratien seien alt und somit stabil genug, um das zu überstehen. Andere würden aber mit inneren Unruhen und ethnisch-religiösen Konflikten zu kämpfen haben. "Diese Krise stellt die Politik auf eine schwere Belastungsprobe", sagte Lamy.

Wenn es um eine neue Finanzarchitektur gehe, um neue Regeln im Finanzbereich, dann fehle es an einem politischen Rahmen auf internationaler Ebene dafür, argumentierte Lamy. Die G20, die Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer, hätten dieses "schwarze Loch" nicht gefüllt. "Also brauchen wir eine neue Lösung, und das könnte ein Weltwirtschaftsrat sein", sagte er.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert schon länger dafür, international eine Charta für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung zu schaffen und zur Basis für die Arbeit eines Weltwirtschaftsrat, vermutlich im Rahmen der Vereinten Nationen (UN), zu machen.

Die Gefahr von mehr Protektionismus in der Welt sei durch die Krise eindeutig grösser geworden. "Die Länder haben heute viel ausgefeiltere Methoden, um ihre Wirtschaft zu schützen", sagte Lamy. Das laufe über Zölle, Subventionen, Anti-Dumping-Massnahmen oder auch Hygienevorschriften.

"Ein grosses schwarzes Loch sind die Massnahmen zur Rettung des Bankensystems und zur Stützung der Konjunktur", warnte er. Gerade hier müsse man sehr aufpassen, dass nichts verabschiedet werde, was den freien Handel unterbinde.

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