WSB: Gemeinden bangen um Einfluss

Gemeinderäte stellen die Mehrheit im Verwaltungsrat der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB). Das will der Kanton Aargau ändern. Diverse Gemeinden protestieren gegen die Reorganisation.

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WSB: Gemeinden bangen um Einfluss

WSB: Gemeinden bangen um Einfluss

Thomas Röthlin

Der Gemeinderat Schöftland schreibt von einem «Affront»: Anscheinend seien von Bund und Kanton künftig keine Gemeindevertreter mehr im Verwaltungsrat (VR) der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB) erwünscht, sondern beruflich entsprechend qualifizierte Personen mit Branchenkenntnissen. Die Behörde versteht das nicht: Die Aktionärsgemeinden leisteten «Jahr für Jahr nicht unwesentliche Beiträge an den öffentlichen Verkehr». Vor allem aber «spüren ihre Vertreter im Verwaltungsrat den Puls der Einwohnerschaft entlang der WSB-Strecke». Schöftland fordert deshalb «weiterhin eine starke Vertretung» dieser Gemeinden im WSB-VR.

Bei Verwaltungsratspräsident Martin Heiz in Reinach gingen ähnlich lautende Protestschreiben aus anderen Gemeinden ein. Selber Ammann einer WSB-Gemeinde, zeigt Heiz Verständnis für das Anliegen. Zwar sei der Bahnbetrieb so stark reguliert, dass der Verwaltungsrat kaum einen Einfluss darauf habe. «Aber bei Infrastrukturbauten ist eine starke Gemeindevertretung im VR sicher von Vorteil.»

Nur noch 2 statt 5 Gemeindevertreter

Die nächste WSB-Generalversammlung im Frühsommer stimmt über eine entsprechende Statutenänderung ab: Der VR soll per Amtsperiode 2012–15 von 10 auf 7 oder 5 Mitglieder verkleinert werden. «Der Verwaltungsrat wird beantragen, dass bei der 5er-Lösung 2 Sitze für Gemeindevertreter reserviert sind», sagt Heiz. Heute sind je 2 Sitze Wynentaler und Suhrentaler Behörden und 1 Sitz Aarau vorbehalten. Dass Heiz als Wynentaler einen 6. Gemeindesitz einnimmt, ist Zufall.

Dabei sind der Kanton mit knapp 41% und der Bund mit rund 34% Aktienanteil Haupteigner der WSB. Die SBB halten etwas mehr als 2%, die restlichen 23% gehören hauptsächlich den von der WSB erschlossenen Gemeinden. Aarau hält knapp 8Prozent. Der Stadtrat möchte «seinen» Sitz retten. Er schlägt laut Stadtammann Marcel Guignard insgesamt sieben Sitze vor, einen davon für die restlichen WSB-Gemeinden.

Kanton will mehr Unternehmergeist

Die Professionalisierung von Bahn-Verwaltungsräten ist ein Ziel der neuen Eigentümerstrategie des Kantons Aargau. Dieser hat 2008 seine sämtlichen Beteiligungen durchleuchtet und ist beim öffentlichen Verkehr zum Schluss gekommen, sowohl für die WSB als auch für die BDWM Transport AG im Freiamt «neue Organisationsstrukturen zu entwickeln», heisst es in der gemeinsamen Bahn-Eigentümerstrategie des Departemets Finanzen und Ressourcen.

Der Kanton will seine Funktion als Leistungsbesteller (Auftraggeber) klarer von seiner Rolle als Miteigentümer (Auftragnehmer) trennen. Im Busgeschäft, wo Wettbewerb herrscht, verkauft er deshalb seine Beteiligungen. Ein hiesiges Beispiel ist der Busbetrieb Aarau (BBA). Der kantonale Anteil von 11 Prozent soll abgestossen werden.

Staatliches Eigentum an Schieneninfrastrukturen sei hingegen «von strategischer Bedeutung, um das Verkehrsnetz sicherzustellen». Seine WSB-Aktien will der Kanton also behalten. Und dafür die oberste Führungsebene unternehmerischer ausgestalten. Eines seiner Ziele lautet nämlich: «Tiefe Abgeltungen dank hoher Produktivität».