«Wollten ihn nicht loswerden»

Der Jugendraum «Graffiti Chäuer» in Matzendorf wird schliessen, der Termin steht aber noch nicht fest. Auch die Jugendarbeiterin Nicole Wessling hat per Ende April gekündigt.(Bild: Hanspeter Bärtschi)

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Der Jugendraum «Graffiti Chäuer» in Matzendorf wird schliessen, der Termin steht aber noch nicht fest. Auch die Jugendarbeiterin Nicole Wessling hat per Ende April gekündigt.(Bild: Hanspeter Bärtschi)

Für Jugendarbeiter Jonathan Bucher ist nach dem Schliessungsentscheid des «Graffiti Chäuer» klar, dass eine Alternative her muss. Ob dies allerdings wieder in Matzendorf sein wird, ist offen.

Fabian Muster

Mit dem geplanten Abriss des alten Bezirksschulhauses inklusive Garagen und Pavillon in Matzendorf ist auch die Zukunft des «Graffiti Chäuer» klar (siehe gestrige Ausgabe). Der im August 2007 wiedereröffnete Jugendraum im Pavillonkeller muss seine Tore schliessen. Wann, ist noch offen. «Schade ist nur, dass man dies aus der Presse erfährt», sagt Jonathan Bucher von der Jugendarbeit Thal auf Anfrage. Klar, es seien Gerüchte herumgegangen, und man hätte schon gewusst, dass das Bezirksschulhaus wohl einmal abgerissen würde. Trotzdem hätte er sich ein anderes Vorgehen gewünscht. «Nun warte ich auf die Kündigung der Gemeinde.» Bisher sei nichts eingetroffen.

Doch was passiert danach? «Es muss auf jeden Fall wieder einen Jugendtreff geben», stellt der Jugendarbeiter klar. Das Bedürfnis nach einem zweiten Standbein neben dem Jugendraum Evolution in Balsthal sei vorhanden. «Viele Jugendliche aus dem hinteren und mittleren Thal wollen oder dürfen wegen der Eltern nicht nach Balsthal», weiss er. Idealer Standort wäre wegen des Oberstufenzentrums Matzendorf. Bucher kann sich aber auch eine andere Gemeinde vorstellen.

Ausschau halten nach Investoren

Gemeinsam mit der Gemeinde Matzendorf will er nun nach einer Nachfolgelösung suchen. Gemeindepräsident Peter Bühlmann sieht aber zurzeit keine Alternative im Dorf. Auch im neuen Oberstufenschulhaus ist kein Raum für die Jugendlichen vorgesehen. Bühlmann: «Wir sind aber bereit zu helfen, damit im Dünnernthal erneut ein Jugendtreff zustande kommt.» Dieser müsste aber nicht unbedingt in Matzendorf sein.

Bühlmann wehrt sich gegen Vorwürfe, dass man mit dem geplanten Abriss des Bezirksschulhauses elegant den «Graffiti Chäuer» loswerde. «Wir wollten den Jugendtreff nicht weghaben, er ist einfach ein Opfer der Umstände», rechtfertigt sich Bühlmann. «Der Pavillon wäre zwar noch in einigermassen gutem Zustand. Doch mit dem Abriss des Schulhauses wird dem ‹Graffiti Chäuer› die Lebensader durchgeschnitten.» Strom und Heizung fehlen.

Zudem wird mit dem Abbruch Platz geschaffen für eine mögliche Wohnüberbauung zwischen Rainweg, Rainacker und Rehgasse. Die Generalunternehmung Karl Steiner AG, die ebenfalls das Oberstufenschulhaus realisiert, hat die «Erlaubnis», sich nach Investoren umzuschauen, verrät Bühlmann. Einen offiziellen Auftrag gibts aber nicht. «Das würde dann schon was kosten.» Und er fügt hinzu: «Mit den zusätzlichen Steuereinnahmen der Zuzüger könnten wir vielleicht die Mehrzweckhalle bauen.»

Nicole Wessling hat gekündigt

Die absehbare Schliessung des «Graffiti Chäuer» kommt Bucher ziemlich ungelegen. Er ist mit den Vorarbeiten zu einem neuen Projekt, dem Sommertreff, beschäftigt (siehe Text links). Zudem hat seine Kollegin bei der Jugendarbeit Thal, Nicole Wessling, per Ende April gekündigt. Weil sich niemand auf die Ausschreibung gemeldet hat, muss Bucher nun sein Pensum um 30 Punkte auf 80 Prozent aufstocken. Seinen Nebenjob als Schreiner bei einer Möbelfirma gibt er auf.

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