Immobilien
Wohnungs-Suche in Basel ist schwieriger geworden

Regierungspräsident Guy Morin freut sich, dass der Wohnungsmarkt funktioniert. Der Mieterverband bestreitet dies und klagt über Wohnungsnot.

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Wohnungsmarkt

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Toprak Yerguz

Im Kanton Basel-Stadt sind weniger Wohnungen auf dem Markt als noch vor einem Jahr. Per Stichtag 1. Juni verzeichnete man einen Rückgang des Wohnungsangebots von 1,2 Prozent im Vorjahr auf 0,9 Prozent. Im Kanton Baselland bleibt der Wert unverändert bei 0,5 Prozent. In beiden Kantonen zusammen liegt der Leerbestand bei 0,7 Prozent.

Die Zahlen, die der Stadtbasler Regierungspräsident Guy Morin zusammen mit Vertretern des Schweizerischen Verbands der Immobilienwirtschaft (SVIT) gestern den Medien präsentierte, liessen ihn zum Schluss kommen: «Es lohnt sich in Basel zu investieren.»

Frohe Kunde für Immobilienbranche

Für den Rückgang des Leerwohnungsbestands fand Morin mehrere Gründe. Die wichtigsten sind aus seiner Sicht die leicht steigende Bevölkerungszahl im Stadtkanton sowie die Zusammenlegung kleiner Einzimmerwohnungen zu grösseren Wohnungen. Hier habe sich das Angebot der Nachfrage angepasst. «Es herrscht das Bedürfnis nach mehr Wohnraum pro Person», sagte Pascale Hattemer, Präsidentin SVIT beider Basel.

Erfreulich fand Peter Laube, stellvertretender Leiter des Statistischen Amts, den Rückgang an Leerwohnungen in den ehemals stark belasteten Quartieren wie Matthäus und St. Johann: «Die Neugestaltung mit der Nordtangente war ein Erfolg.» Der Leerbestand wird in der Stadt allerdings vielleicht bald wieder höher sein. «Die Pipeline ist voll», erklärte Laube. Projekte wie die Überbauungen Volta und Erlenmatt werden die Gesamtzahl der Wohnungen ansteigen lassen.

Bessere Situation als in Zürich

Im Vergleich der grössten Schweizer Städte gibt es in Basel mehr leerstehende Wohnungen als in Zürich, Genf, Bern oder Lausanne. Der Basler Wert von 0,9 Prozent wird am deutlichsten von Zürich geschlagen, wo es einen Leerstand von gerade einmal 0,05 Prozent gibt. Einen solchen Tiefstand hält der Basler Regierungspräsident Guy Morin aber nicht für wünschenswert: «Für einen Standort ist ein solcher Wert nicht attraktiv.» Wenn das Angebot an Wohnungen derart ausgereizt sei, treibe dies die Mietpreise stark in die Höhe. «Das Ziel ist ein Bestand von 0,5 bis 0,7 Prozent, damit der Wohnungsmarkt funktioniert», sagte Morin. (ty)

Die Statistik weist neben dem Wohnangebot auch die Zahlen für Geschäftsräumlichkeiten aus: Das Angebot im Stadtkanton ging etwas in die Höhe (Anstieg von 94 753 Quadratmetern leerstehende Fläche auf 110 929 Quadratmeter), im Kanton Baselland nahm es dafür deutlich ab (von 193 247 auf 161 849).

Die Freude bei Morin und dem SVIT über die Statistik löst beim Mieterinnen- und Mieterverband Basel Kopfschütteln aus. Die Geschäftsleiterin Patrizia Bernasconi fragt: «Wie kann man sich über eine Wohnungsnot freuen?» Ein Wert zwischen einem und zwei Prozent sei eine Wohnungsknappheit, unter einem Prozent gar eine Not. Sich darüber zu freuen findet sie «zynisch».

Mangel an günstigen Wohnungen

Pascale Hattemer sah in ihrer Analyse der Leerstanderhebung einen «funktionierenden Wohnungsmarkt» im Stadtkanton. Wer eine Wohnung suche, habe «eine vergleichsweise gute Auswahl in allen Preisklassen». Auch Morin betonte: «Für uns ist wichtig, dass der Markt funktioniert» (siehe Infobox). Genau dies verneint Patrizia Bernasconi vom Mieterinnen- und Mieterverband: «Der Markt funktioniert nicht.» Im unteren Preissegment, wo die Nachfrage gross sei, gebe es kaum ein Angebot, klagt sie. Die freien Wohnungen seien im höheren Preissegment zu finden.

In Basel seien seit dem Jahr 2000 die Mietpreise in grösserem Masse gestiegen als die allgemeine Teuerung, was Ausdruck dieser Notlage sei. Dass sich die Situation dank der neuen Wohnüberbauungen Erlenmatt und Volta entspannen werde, glaubt Patrizia Bernasconi nicht. Namentlich die Überbauung Volta werde wieder Wohnungen im höheren Preissegment haben.

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