Jörg Baumann

Gegen 120 Frauen und Männer betreuen im Reusspark die Bewohnerinnen und Bewohner und helfen im Garten und in der Palliative Care, ohne dass sie auf der Lohnliste des Heimes auftauchen. «Sie zaubern mit ihrer Anwesenheit lauter kleine Glanzlichter in das Leben der Menschen im Reusspark», sagte die Sozialdienstleiterin Irène Koch am Freiwilligenfest.

Da, wenn man sie braucht

Die Freiwilligen sind immer zur Stelle und halten die Strickgruppe am Laufen, sie harren am Bett eines sterbenden Menschen aus und geben ihm das Gefühl, nicht allein zu sein. Die Freiwilligen begleiten die Bewohner aber auch durch den neu angelegten Garten der Sinne, verbringen ihre Zeit mit ihnen mit Gesprächen, bei Spaziergängen und Café-Besuchen.

Vier der freiwilligen Mitarbeiterinnen, von denen viele ihren Dienst im Heim schon seit über 20 Jahren leisten, konnten am Freiwilligenfest ihr Jubiläum feiern: Trudi Zehnder aus Künten, Anna Fischer aus Stetten und Verena Hausherr aus Jonen sind seit 20 Jahren dabei und Josy Scherer-Koch aus Büttikon seit 15 Jahren. Trudi Zehnder pflegte zu Hause schon vor Jahren einen demenzkranken Mann und begleitete ihn im Reusspark in den Tod. Nachdem der Mann gestorben war, habe ihr einfach etwas gefehlt, sagt Trudi Zehnder. «Deshalb habe ich mich für den Freiwilligendienst zur Verfügung gestellt. Die Arbeit befriedigt mich voll und ganz.»

Für Reusspark-Direktor Thomas Peterhans ist klar: «Ohne die Freiwilligenarbeit könnte das Heimpersonal nicht so viel Zeit mit den Bewohnern verbringen.» Denn dafür sei der Stellenplan im Heim zu knapp. Die Freiwilligen gäben den Angestellten den Raum, mehr als das Notwendigste für die Patienten zu tun. Die Freiwilligenarbeit sei unbezahlbar, sagte Peterhans. Aber wenn man sie aufrechnen wollte, spare sie dem Staat, den Heimen und anderen Institutionen im Jahr weit mehr als eine Milliarde Franken. Unbezahlbar sei aber besonders das Gut, von dem viele zu wenig hätten: die Zeit, die man dem Mitmenschen schenken könne. «Oftmals reicht ein stilles Mitgefühl oder ein Händedruck schon aus.»

Echte Lebensqualität

Besonders dankbar sei der Reusspark aber auch jenen Freiwilligen, die den Bewohnern in schweren Stunden Beistand leisteten, erklärte Peterhans. Die Freiwilligenarbeit tauche in keiner Bilanz und keiner Erfolgsrechnung auf. «Aber sie bedeutet für unsere Bewohner Lebensqualität.» In Zukunft sei die Gesellschaft noch viel mehr auf die Mitarbeit und die Solidarität der Freiwilligen angewiesen. Denn im Gesundheitswesen müssten bis im Jahr 2020 zusätzlich 45 000 Stellen besetzt werden. Man wisse heute nicht, wo man die Leute dafür finden könne.