Wo neue Berge sich erheben

Trotz Bedenken bezüglich Standortwahl, Umweltschutz und Verkehrssicherheit sagten die Stimmbürger Ja zur Zonenplanänderung für eine Deponie. Und der Gemeindepräsident kündigte seinen Rücktritt an.

Karin Oetterli Portmann

Der Vizepräsident von Rothenfluh, Martin Erny, hatte zwar mit regem Interesse gerechnet. Als aber zusätzliche Stühle organisiert wurden und einige Anwesende Zuflucht in den Fensternischen suchten, war er doch überrascht. Grund für den Grossaufmarsch der Rothenflüher Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom Dienstag war die umstrittene Inertstoffdeponie im Gebiet Asphof-Humbelsrain. Nach einer neunjährigen Planungsphase musste die Dorfbevölkerung durch Annahme einer Zonenplanänderung grünes Licht für die Umsetzung geben, oder aber das Projekt definitiv bodigen. Die Zustimmung erfolgte mit 68 zu 45 Stimmen.

Unklarheiten zur Standortwahl

Angeführt wurde die Debatte von Familie Schneider-Waldmeier, die als Betreiberin des Biohofs Humbelsrain schwer betroffen ist von der Deponie. Ein heisses Eisen war denn auch die Standortwahl, über die, offenbar auch auf Seiten des Gemeinderates, einige Unklarheit herrschte. Bei der ausgeschiedenen Talmulde handelt es sich laut einer Votantin um eine schützenswerte Landschaft gemäss Bundesinventar.

Der Vizepräsident schloss das Thema ab, indem er auf die Bewertungsmatrix des Kantons verwies. Sie bezeichnet den geeignetsten von 20 Standorten. «Und dabei war die Frage des Landschaftsschutzes nur ein Aspekt von mehreren», sagte Erny. Ebenfalls zu reden gaben Bedenken rund um den Umweltschutz. Zum einen war trotz anderslautender Beteuerungen des Leiters Fachstelle Siedlungsabfall, Arthur Rohrbach, eine grosse Verunsicherung bezüglich der Gefahrlosigkeit des angelieferten Materials zu spüren. Und zum anderen vertraute man der behördlichen Zusicherung nicht, dass die regionale Ausrichtung einen Abfalltourismus im grösseren Stil verhindern würde.

Gemeinde profitiert mit Radweg

Ein weiteres Thema war der Wunsch nach einem Mehrwert für die Gemeinde. Entlang der Kantonsstrasse, die Zufahrt zur Deponie sein wird, hat der Kanton einen Radstreifen versprochen. Ohne Deponie aber, stellte Martin Erny drohend klar, gäbe es vom Kanton keinen Radweg.

Nach dem Ja zur Zonenplanänderung, das wohl vor allem einem pragmatischen Ansatz im Sinne von «Jemand muss halt in den sauren Apfel beissen» zu verdanken ist, wird der Gemeinderat jetzt das Projekt vorantreiben und die notwendigen Bewilligungen für Bau und Betrieb einholen. Bis in etwa zwei Jahren sollen die ersten Lastwagen ihren Abfall auf die Deponie kippen können.

Rücktritt wegen der Gesundheit

Ebenfalls Ja sagte die Bevölkerung von Rothenfluh zur Jahresrechnung 2008 mit einem Ertragsüberschuss von 80 000 Franken und zu einer Postautohaltestelle im Gebiet «Säge».

Die Versammlung schloss so, wie sie begonnen hatte, nämlich emotional. Der amtierende Gemeindepräsident Kurt Schaub gab nach neun Jahren im Gemeinderat seinen Rücktritt per Ende September aus gesundheitlichen Gründen bekannt.

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