Reusspark

Wo die letzten Wünsche erfüllt werden

Mit Engagement dabei: Monica Heinzer, Leiterin Pflege und Betreuung, sowie Heidi Eichenberger, Leiterin Wohnbereich Palliative Care, können sich auf ein starkes Team verlassen. (Eddy Schambron)

Reusspark

Mit Engagement dabei: Monica Heinzer, Leiterin Pflege und Betreuung, sowie Heidi Eichenberger, Leiterin Wohnbereich Palliative Care, können sich auf ein starkes Team verlassen. (Eddy Schambron)

Der Reusspark, Zentrum für Pflege und Betreuung in Niederwil, ermöglicht eine bestmögliche Lebensqualität auch kurz vor dem Tod. Dafür erhielt das Zentrum gestern in Bern einen Anerkennungspreis der Age-Stiftung.

Eddy Schambron

Menschen, deren Krankheit so weit fortgeschritten ist, dass keine Heilungschancen mehr bestehen, Menschen, deren Lebensdauer deshalb stark begrenzt ist, finden in der Palliativ-Station des Reussparks eine umfassende Betreuung. «Ziel ist es, eine möglichst hohe Lebensqualität zu erhalten oder wiederherzustellen», sagen Monica Heinzer, Leiterin Pflege und Betreuung, und Heidi Eichenberger, Leiterin des Wohnbereichs Palliative Care. Die palliative Station mit vier Betten gibt es seit September 2005. Jetzt wird das Engagement des Reusspark mit einem Anerkennungspreis der Age-Stiftung belohnt. «Das ist für uns eine schöne Anerkennung für etwas, das wir wirklich mit viel Herzblut entwickelt haben», sagt Thomas Peterhans, Direktor des Reussparks. «Es brauchte Mut, diesen Schritt zu gehen, Sterben ist in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabu.»

Spezielle Ausbildung

Der Reusspark verfügt über einen eigens für palliative Pflege gestalteten Bereich mit vier Betten, welcher an eine normale Station angegliedert ist. Das bedeutet, dass die 16 Pflegenden der Station alle eine spezielle Schulung aufweisen können, sodass sie für die besonderen Ansprüche gerüstet sind. Zur Erhaltung der grösstmöglichen Lebensqualität gehören nicht nur eine individuell angepasste Schmerztherapie und aufmerksame Pflege, sondern auch psychologische, spirituelle und soziale Betreuung. «Wir erfüllen den Menschen ihre Wünsche», fasst Monica Heinzer zusammen. Sie und Heidi Eichenberger sind bisher nur dann an Grenzen gestossen, wenn es um Familienzusammenführungen ging, die einseitig abgelehnt wurden. «Aber sonst», stellen sie fest, «sind die Wünsche nicht mehr so verrückt, als dass sie nicht zu erfüllen wären.»

Wichtige Angehörige

Zum Alltag auf der Palliativ-Station gehört auch die Begleitung der Angehörigen. «Das ist ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit. Sterbende, die die Gewissheit haben, dass ihre Angehörigen Unterstützung finden, können besser loslassen.» Angehörige sind deshalb im Reusspark willkommen, sie können rund um die Uhr da sein und auch übernachten, wenn sie es wollen. Wert legt das Team auf eine ehrliche Kommunikation. «Das ist sehr anspruchsvoll», betont Heinzer, «aber auch die Grundlage für die Auseinandersetzung mit den letzten Tagen und Wochen.»

Seit der Eröffnung hat das Team der Palliative Care im Reusspark gegen 90 Menschen betreut. Die Aufenthaltsdauer beträgt zwischen wenige Tage bis mehrere Monate. «Am häufigsten beträgt der Aufenthalt zwischen zwei und drei Monaten», wissen Eichenberger und Heinzer. Und sprechen ein Phänomen an: «Es wird auch viel gelacht auf dieser Station, von den Bewohnern, dem Personal und den Angehörigen.» Neben der Trauer habe hier auch immer wieder Freude Platz. «Wahrscheinlich ist das so, weil man hier so bewusst lebt.»

230 Bewohner

Der Reusspark beherbergt insgesamt 230 Bewohnerinnen und Bewohner. Neben der klassischen Langzeitpflege gibt es auch eine spezialisierte Abteilung für Demenzpatienten. Nach «Krankenheim Gnadenthal» heisst die Institution seit 1998 «Reusspark».

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