Elisabeth Bollier

Wo der Bläuling noch flattert

Ein kleines Paradies: In ihrem Naturgarten entdeckt Elisabeth Bollier immer wieder neue Pflanzen und Tiere. (dvk)

Elisabeth Bollier

Ein kleines Paradies: In ihrem Naturgarten entdeckt Elisabeth Bollier immer wieder neue Pflanzen und Tiere. (dvk)

«Es gibt noch sehr viel zu entdecken», sagt Elisabeth Bollier. In ihrem eigenen Naturgarten in Bergdietikon stösst sie nämlich immer wieder auf Pflanzen und Tiere, die sie vorher noch nicht gesehen hat. Im Rahmen von «Offene Gärten» lässt sie auch andere an dieser Faszination teilhaben.

Daniel von Känel

Der Waldgeissbart sticht sofort ins Auge, wenn man bei Elisabeth Bollier auf dem Vorplatz steht. Die kleinen, weissen Blüten an den langen Blütenständen leuchten hell. Doch es ist eher ein Zufall, dass diese markante Pflanze dort wächst. «Ich habe den Waldgeissbart nicht gesät, er ist einfach dort gewachsen», sagt Bollier. Es sei eine sehr schöne Pflanze, und wenn sie dort wachse, fühle sie sich offenbar auch wohl und sei gesund.

Bolliers Garten funktioniert allerdings nicht nur nach diesem Prinzip. Zahlreiche Pflanzen hat sie auch extra gesät, andere wiederum muss sie stutzen, um Platz zu schaffen. Doch Platz hat es vor allem für die Entfaltung der Natur, wie sie sich eben entwickeln will. So ist der Weissdorn zu einem schönen Baumstrauch herangewachsen, obwohl er nicht von der Gartenbesitzerin gepflanzt worden ist.

Lebensraum für Tiere

In Bolliers Naturgarten hat es viele Heilpflanzen. Die Rote Pestwurz beispielsweise sei gut bei Allergien, erklärt sie. Mit dem Rainfarn stünde wiederum ein natürliches Insektizid zur Verfügung. Allerdings nur, wenn man die Insekten von einem Ort fern halten will. Dies gilt für Bolliers Garten natürlich nicht. Der Weissdorn beispielsweise sei wichtig für über 100 Insektenarten.

Und so ist der Garten, der auf den perfekt bearbeiteten englischen Rasen verzichten kann, auch ein Lebensraum für unzählige Tiere. Wenn Bollier die Abdeckung über einem Stück Totholz entfernt, weiss sie, auf wen sie trifft. Eine Blindschleiche ist es, die Bollier einmal entdeckte und für die sie dann die notwendigen Kleinstrukturen geschaffen hat. «Sie lebt in den Spalten des Holzstücks», sagt sie.

Auch der Bläuling, ein Schmetterling, den man nicht mehr allzu oft sieht, flattert durch den Garten. «Er ist auf der Suche nach Klee», sagt sie. An den Brennnesseln sind viele Raupen zu sehen, die sich schliesslich zu den selten gewordenen Tagpfauenaugen wandeln werden.

Teiche für Amphibien

«Ich bin immer wieder von etwas Neuem fasziniert», sagt Bollier. Oft finde sie wieder ein Kraut, dass sie vorher noch nicht entdeckt habe, oder ein Tier, das ihr noch nicht begegnet sei. So wie der rote Käfer, der mit den beiden schwarzen Punkten einem Marienkäfer ähnelt, aber eine länglichere Form hat wie dieser. «Ich werde in Büchern nachschauen, um was für ein Tier es sich handelt», sagt sie.
Im Garten hat es auch für Frösche und Kröten Platz. Die Teiche sorgen dafür, dass auch Amphibien und Wasserpflanzen einen Lebensraum haben. Einer, der wegen der unmittelbaren Nähe des Gartens zum Wald nicht durch Strassen unterbrochen wird, wo jeweils viele Frösche und Kröten auf den so genannten Amphibienwanderungen im Frühling ums Leben kommen.

Grosser Aufwand

Auch wenn im Naturgarten vieles seinen Lauf nehmen darf, ist der Aufwand dennoch gross, den Garten zu pflegen. Dafür, sagt Bollier, sei der ganze Garten voller Leben. In den nächsten Monaten können an rund 30 Orten in der Schweiz Bio- und Naturgärten besucht werden. Im Rahmen von «Offene Gärten» nämlich öffnen viele ihre Gartentore für interessierte Besucherinnen und Besucher. Die Vielfalt soll die Menschen bis in den Herbst hinein inspirieren und erfreuen, schreibt die Organisation Bioterra.

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