Roland Bürki

Eigentlich ist Georges Thüring ein Ettinger «Gugger», doch das Herz des früheren Waffenläufers schlägt heute zu 200 Prozent für den Bezirk Laufen. Ein historisch gewachsener Bezirk, wie Thüring betont. «Es ist deshalb unverständlich, dass kantonale Macher immer wieder versuchen, an dessen Grenzen zu rütteln», schüttelt Thüring den Kopf. Kein anderer Bezirk werde so «auseinander dividiert» wie das Laufental. Beim Zivilschutz, bei der Feuerwehr oder bei der Spitex schiebe der Kanton Grellingen und Duggingen immer mehr Richtung Birseck. «Dabei ist der Grellinger ein überzeugter Laufentaler», versichert Thüring, mittlerweile selbst ein echter Grellinger «Bräägleder». Der Abbau weiterer Einrichtungen wie des Steuerbüros, des Kreisforstamtes, des Strassenverwaltungskreises, das Sausenlassen der militärischen Entlassungsfeier, die «vergessene» Birsbrücke in Zwingen oder Schliessungsgelüste ums Kantonsspital Laufen seien symptomatisch für ein «respektloses Vorgehen» gegenüber dem fünften Bezirk, setzt der SVP-Landrat einen drauf.

Kanton ist unsensibel

Als Demokrat hat Thüring den Entscheid für die Reorganisation der Baselbieter Polizei zu akzeptieren. So auch die Aufhebung «seines» Polizeipostens in Grellingen. Aber damit anfreunden kann er sich nicht. Gar kein Verständnis bringt er aber für die «von oben» verordnete Loslösung von Grellingen und Duggingen aus der Zuständigkeit des Polizeihauptpostens Laufen auf. «Die Polizisten aus Laufen hatten die Sache im Griff», bedauert Thüring und sieht sich im angekreideten unsensiblen Vorgehen kantonaler Stellen bestätigt.

«Ich frage mich, was dem Bürger die ganze Reorganisation bringt», bereitet der Landrat entsprechende Fragen für die Fragestunde des Landrats vom nächsten Donnerstag vor. Zusammengestrichene Öffnungszeiten bei den Polizeiposten oder nachts geschlossene Hauptposten, wie etwa Laufen, könnten es ja wohl nicht sein: «Der Staat ist für den Bürger da und nicht umgekehrt!»

«Ihre Polizei war da!»

Vor 1994 war der Posten Laufen nachts schon einmal geschlossen. Die auf Pikett gestellten Berner Polizisten rückten jeweils nach Alarmierung aus. Die Baselbieter Polizei bemühte sich nach dem Kantonswechsel, das Sicherheitsgefühl der Laufentaler Bevölkerung deutlich zu stärken. «Da lag irgendwann am Morgen ein Handzettel im Briefkasten», erinnert sich Thüring. Dessen Botschaft: «Ihre Polizei vom Stützpunkt Laufen war diese Nacht da!» Das sei mit der Polizeireform Schnee von gestern: «Heute fahren sie ihre Einsätze von Reinach aus.» Mit längeren Anfahrtszeiten in ein Tal, das sich bis vor die Tore von Delémont ziehe. Selbst das urbane Allschwil habe kürzlich bei einem Raubüberfall die Schwerfälligkeit der neuen Organisation zu spüren bekommen.

Thüring ist deshalb überzeugt, dass periphere Gebiete noch mehr benachteiligt sind: «Da bleibt wenig Luft für präventive Polizeistreifen.» Damit schwinde auch das in den letzten Jahren aufgebaute Sicherheitsgefühl, und die Leute im Bezirk registrierten das angesichts der zunehmenden Einbrüche ganz genau.

Noch keine Erfahrung in Laufen

«Es ist noch keinen Monat her, seit die Polizei nachts von Reinach aus operiert», relativiert Stadträtin Juliana Nufer aus dem Bezirkshauptort Laufen. Da fehlten einfach konkrete Erfahrungen und Hinweise aus der Bevölkerung. Die seit Anfang September für die Sicherheit zuständige Stadträtin weist auf den «guten Draht» zwischen Stadt- und Kantonspolizei hin. So hätten schon einige «Fälle» unkompliziert und rasch gelöst werden können. Im Leiter des Polizeihauptpostens Laufen habe sie einen kompetenten Ansprechpartner gefunden. «Ich würde deshalb nicht zögern, ihn auch auf allfällige Mängel im Nachtdienst anzugehen», ist sich Nufer sicher.