Jürg Gohl

Doppeldeutigkeiten im Doppelpack an der Fasnacht 2010 in Basel. Der Jahrgang, in welchem das Fasnachts-Comité sein 100-jähriges Bestehen feiern kann, läuft unter dem Sujet «e rundi Sach».
Das spielt einerseits auf das runde Wiegenfest an, andererseits auf die Vielfalt und zugleich, ja, Bescheidenheit, mit der der Comité-Geburtstag im Schatten der eigentlichen Fasnacht gefeiert werden soll.

«E rundi Sach» trifft aber auch auf die Blaggedde zu, die gestern traditionell in der Altjahrswoche vorgestellt worden ist. Ihre Doppeldeutigkeiten: Als Hauptdarstellerin ist passend zum hohen Alter des Comités eine klassische Fasnachtsfigur, die Alti Tante, gewählt worden. Sie trägt einen weit gespannten Rock, einen geschwungenen Hut und den Stab des Tambourmajors. Ihre Erscheinung ist, abgesehen von der langen, spitzen Nase, ebenfalls «e rundi Sach».

Doch auf ihren Schultern thronen, klein und detailverliebt, auch andere klassische Figuren: der Harlekin, der Stänzler, der Waggis, der Dummpeter und der Ueli, die als Tambouren, Wägeler, Vorträbler und so weiter das ganze Fasnachts-Spektrum abdecken. Wie Plakettenkünstler Pascal Kottmann gestern ausführte, wollte er so das offizielle Sujet, das er für sich in «scho 100 Johr uf em Buggel» ummodelte, bildlich umsetzen.

Dabei glückte ihm ein weiterer Effekt: Prima vista wirken die Figürchen auf den Schultern von Frau Fasnacht wie ein wuchtiger Geburtstagsblumenstrauss. Der 40-jährige Kottmann, der nach 2007 und 2008 bereits zum dritten Mal den Basler Plaketten-Wettbewerb gewonnen hat, bezeichnet seine Alte Tante als «stolz und würdevoll». Weil die Blaggedde aber zugleich verspielt wirkt, widerspiegelt sie die Fasnacht in ihrer Ernsthaftigkeit und zugleich Detailverliebtheit treffend. «Ich wollte keine Geburtstagstorte oder grosse Schriftzüge wählen», führte Pascal Kottmann weiter aus.

Weitere 103 Künstlerinnen und Künstler haben sich mit 150 Entwürfen - mehr als je zuvor - darum bemüht, Kottmann den Sieg streitig zu machen. Wie Ruth Ludwig-Hagemann vom Fasnachts-Comité ausführte, sei bei den meisten Vorschlägen das Jubiläum ins Bild umgesetzt worden.

In zehn Tagen, am 9. Januar, wird Kottmanns dritte Symphonie zum Verkauf an die Cliquen abgegeben, die sogleich ihre Mitglieder loslassen: «Blaggedde! Blagedde!». 44 Tage später, am 22. Februar, hallt dann der andere berühmte Ruf durch die Basler Innenstadt: «Morgestraich! Vorwärts! Marsch!» Unverändert bleiben die Preise: Die Kupfer kostet 8, die Silber 15, die Gold 45 und schliesslich das Bijou 100 Franken.

Darüber hinaus wird eigens zum Jubiläum eine kupferne Ueli-Nadel (20 Franken) verkauft. Sie soll einmalig bleiben, ist aber nicht erstmalig. Denn diese Nadel ist stark der ersten Fasnachtsplakette, der Ueli-Nadel von 1911, nachempfunden. Weil in den Kriegsjahren gewisse Jahrgänge ausfielen, handelt es sich bei der aktuellen aber nicht um die 100. Blaggedde. Kottmann, der die Nadel angeregt hat, gefällt vor allem deren Schlichtheit. «Es muss nicht immer Gold zum Jubiläum sein.»

Damit dürfte er bei Obmaa Felix Rudolf von Rohr auf offene Ohren gestossen sein, der gestern den Vorsatz des Fasnachts-Comités für das bevorstehende Jubiläumsjahr noch einmal wiederholte: «Es soll nicht zur Selbstdarstellung gebraucht werden, sondern zu einem Marschhalt.»