Baden

«Wir wollen in dieses Haus extrem viel Herzblut legen»

Seit fünf Jahren leiten Patrik und Silvio Erne das Hotel Blume im Bäderquartier. Sie feiern nicht nur dieses Jubiläum, sondern auch den Abschluss einer sanften Renovation: Morgen ist «Tag der offenen Blume».

Elisabeth Feller

Fast geräuschlos gleitet der Lift nach oben. Nicht irgendeiner. Sondern ein nostalgischer Schindler-Lift Nummer 2. Hält er pflichtbewusst auf der ersten Etage, wird der Besucher kaum sofort zur Réception eilen. Er wird wohl den Atem anhalten, sich ans kunstvolle Schmiede-Gewirk des Geländers lehnen und seinen Blick nach unten und nach oben, nach links und nach rechts schweifen lassen und wird - begeistert sein.

Was sich dem Gast darbietet, lässt jeden Bühnenbildner und jeden Requisiteur erblassen: ein mehrstöckiges Atrium mit Brunnen, ringsum laufenden Galerien, auf denen sich Tische und gemütliche Sitznischen und ein prächtiger Jugendstilsaal befinden. Bereichert wird das Ganze durch Pflanzen, die an einen botanischen Garten erinnern.

Ganz und gar heutig

Dass es in diesem Haus auch Zimmer gibt, weiss der Gast, weil er solche gebucht hat. Aber er vermutet sie mehr, als dass er sie sieht. Und dann diese ausladende Treppe mit ihren kleinen Stufen... Man will sie irgendwann unbedingt mit einer voluminösen Ballrobe betreten.

All dies liest sich märchenhaft, mutet nach Tempi passati, versunkenen Zeiten, an. Von wegen. Das Hotel Blume im Bäderquartier spielt zwar mit bestrickendem Charme auf der Klaviatur der Nostalgie, doch es ist ein durch und durch heutiger, fast ganzjährig geführter Betrieb mit 16 Mitwirkenden. «Die ‹Blume› ist ein Hotel, das schon unsere Eltern mit extrem viel Herzblut führten. Das wollen mein Bruder Silvio und ich ebenso halten», sagt Patrik Erne.

Er und sein Bruder führen das Hotel Blume seit fünf Jahren - aber nicht als «abgehobene Chefs», sondern als ein Leitungsteam, das im Betrieb gerne zupackt. Wie gerade eben, als sich Patrik Erne kurz verabschiedet, um alsobald mit Espresso und Gebäck zurückzukehren. Sein Blick streift zwei Gäste, die sich angeregt unterhalten und ihre Köpfe über Dokumente beugen. Business? Erne scheint nur auf dieses Stichwort gewartet zu haben: «Ja, von Montag bis Freitag begrüssen wir vor allem Business-Leute, das Wochenende gehört dann vor allem Einzelreisenden sowie Paaren.»

Zu ihnen zählt etwa jenes Paar, das Jahr um Jahr an Ostern und «bei jedem Wetter» eine Velotour unternimmt. Die Stippvisite der beiden Thurgauer in der «Blume» ist dabei zur Tradition geworden. Doch ob Touristen oder Business-Leute - beidseits schätzt man das stilvolle Ambiente dieses Kleinods im Bäderquartier. Als Johann und Heidi Erne das Hotel 1973 übernahmen, sah es allerdings gar nicht so aus. Doch das Ehepaar muss gewusst haben, welche Möglichkeiten das Haus in sich barg. Immer wieder wurde es im Laufe der Zeit in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege sanft renoviert - auch 2009.

«Heuer haben wir vor allem jene Zimmer mit Dusche ausgestattet, die noch keine hatten. Zudem . . . sehen Sie mal nach oben», sagt Patrik Erni und deutet auf «das neue Glasdach». Was ist daran neu? Sah es nicht schon immer so aus? Nein.

Es tat und tut sich etwas

Aber man muss wohl ein «Blume»-Connaisseur sein, um den feinen Unterschied zwischen einst und heute zu sehen. Früher waren rund sechs verschiedene Gläser verarbeitet, jetzt ist das neue Glasdach mattiert und trägt damit dem Charakter eines Hauses Rechnung, das die Gäste als Oase mit eigener Schwefeltherme schätzen. Setzt man Oase jedoch in erster Linie mit Kurhotel und damit fast ständig ruhenden Gästen gleich, liegt man falsch. In der «Blume» tat und tut sich viel. Zum Beispiel am morgigen «Tag der offenen Blume», mit dem die Brüder Erne sich und dem Publikum ein Geschenk machen wollen.

Aber das Potenzial eines in dieser Art schweizweit solitären Hauses ermisst sich auch anderweitig. So hat der Schweizer Autor Peter Weber der «Blume» im Roman «Silber und Salbader» ein Denkmal gesetzt. So erkannten der Theatermann Marc «Palino» Brunner und ein von weither angereistes Publikum der «Kriminächte» den Theatercharakter dieses Hotels. Und Patrik Erne träumt von «kleinen, feinen Konzerten im Atrium». Auf der ersten Etage wird getafelt, auf der zweiten treffen sich jene, die in der Oper am applaudierfreudigsten sind: die Stehplatzbesucher.

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