Burgdorf

«Wir wollen das Fremde vermitteln»

Zum Jubiläum des Museums für Völkerkunde in Burgdorf wird den Besuchern mit einer neuen Sonderausstellung das Fremde und Ferne näher gebracht.

Katharina Schwab

Das Museum für Völkerkunde im Schloss ist in Burgdorf fest verankert. Der Burgdorfer und Weltreisende Heinrich Schiffmann vermachte 1899 seine ganze Sammlung dem Gymnasium Burgdorf, und seit hundert Jahren werden Objekte aus der ganzen Welt im Museum für Völkerkunde ausgestellt. Das Museum hat während seines 100-jährigen Bestehens einiges erlebt. Der grösste Schnitt war wohl im Jahr 2001 der Umzug vom Burgdorfer Kirchbühl ins Schloss, wo nur noch ein Drittel des Platzes vorhanden ist.

«90 Prozent der Objekte müssen wir im Depot lagern», sagt Erika Bürki, die mit Alexandra Küffer die Leitung des Museums innehat. Damit die Objekte nicht nur im Depot liegen, werden sie auch an andere Museen ausgeliehen - wie die letztjährige Ausstellung «Vom Nil ins Emmental - ägyptische Grabschätze und Mumien im Wandel der Zeit», die nun in einem Zürcher Museum präsentiert wird.

Vergleich zur eigenen Kultur

«Heute hat das Museum nicht mehr den gleichen Stellenwert wie vor hundert Jahren», sagt Bürki. Ohne Fernsehen und den modernen Medien sei das Museum für Völkerkunde früher die einzige Möglichkeit gewesen, fremde Kulturen zu betrachten und kennen zu lernen. Heute habe es mehr eine pädagogische Funktion: «Wir wollen den Besuchern das Fremde anhand einzelner Gegenstände vermitteln und einen Vergleich zu unserer eigenen Kultur ziehen», so die Leiterin.

Ausstellung dank Schenkung

Die neue Ausstellung «An den Ufern des Amazonas. Eine Reise zu den indianischen Kulturen Südamerikas» kam innerhalb dreier Monate zustande. Es werden auch Gegenstände gezeigt, die noch nie zu sehen waren, sagt Bürki. Ein grosser Teil stamme aus einer Schenkung. Allerdings ist der Platz derart eng bemessen, dass die beiden Co-Leiterinnen Bürki und Küffer mittlerweile Schenkungen nicht mehr annehmen können. Finanziert wird das Museum zur Hälfte von der Stadt Burgdorf. Die andere Hälfte übernimmt der Kanton. «Es ist das einzige Museum für Völkerkunde im ganzen Kanton Bern», erklärt Bürki.

Die Sonderausstellung «An den Ufern des Amazonas» ist geprägt von feinen
Mustern. Ob grosse und kleine Töpfe, Sitzgelegenheiten oder gewobene Tücher - alle Gegenstände sind mit feinen und symmetrischen Ornamenten bemalt. Die Shipibo-Conibu-Indianer aus Peru glauben an einen Energiefluss im Körper, den sie mit den Mustern zum Ausdruck bringen wollen, so Bürki. Jeder Mensch habe seinen eigenen Energiefluss und somit auch sein eigenes Muster. «Wenn dieses gestört wird, kommt es zu Krankheiten», glauben die Indianer, verrät Bürki.

Das Kleid wird nach dem Fest verbrannt

In einer Diashow mit gesprochenem Text erfahren die Besucher mehr über dieses Leben, den Glauben und die Praktiken des Schamanen. In einer Vitrine steht ein wunderschönes Tanzkleid, das von den Tukano-Indianern während des Totenfests getragen wird. «Nach dem Fest wird das Kleid jeweils verbrannt», sagt Bürki. Das sei für unsere Kultur unverständlich, für die Indianer aber normal. Die Ausstellung wartet mit vielen Hintergrundinformationen auf. Zum Beispiel wird aufgezeigt, welchen Weg die Objekte vom Amazonasgebiet über Bogota hinter sich liessen, bis sie endlich in Burgdorf ankamen. Oder ein Foto zeigt, wie der Schmuck, der hinter einer Glasvitrine hängt, am lebenden Menschen aussieht.

Die Indianer leben noch heute im Amazonasgebiet und stellen weiterhin die Töpfe und Tücher mit den Mustern her, welche in der Sonderausstellung gezeigt werden. «Allerdings werden auch sie vom Tourismus geprägt und verkaufen ihre Töpfe», sagt Bürki. «Aber für sie ist es keine Kunst, sondern ein Gegenstand für den Alltag.» Kaum zu glauben, wenn man bedenkt, dass alles von Hand und mit grosser Sorgfalt hergestellt wird. Auch das alte Peru findet seinen Platz in der Sonderausstellung. Aus der Zeit zwischen 200 vor und 1500 nach Christus werden dekorierte Keramikgefässe gezeigt. Was sie genau darstellen und welche Bedeutung sie hatten, kann heutzutage nur noch erahnt werden. Alles in allem bietet die Ausstellung einen interessanten Einblick in fremde Welten.

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