«Wir tragen Sorge zu unserem neuen Schloss»

Fast genau 100 Jahre nachdem das Schloss Kasteln nach einem verheerenden Brand neu eingeweiht wurde, fand nun wieder ein solch festlicher Anlass statt.

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Aargauer Zeitung

Von Peter Belart

Für 32 Kinder ist es das Schloss der guten Geister

Das Schulheim Schloss Kasteln kann auf eine über 150 Jahre lange Tradition zurückblicken. 1855 als «Privat-Rettungsanstalt für arme, verwaiste, verlassene oder verwahrloste Kinder evangelisch-reformierter Konfession» eingerichtet, wandelte es sich im Laufe der Zeit zum «Schloss der guten Geister» für bis zu 32 Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen. Es handelt sich dabei um junge Menschen «mit erheblichen schulischen, sozialen und emotionalen Beeinträchtigungen», die hier begleitet und individuell gefördert werden können. Mit gezielten therapeutischen und pädagogischen Massnahmen will man ihnen den Anschluss an die Regelklasse oder an die Berufsbildung ermöglichen. Christian Lerch vom Gönnerverein schreibt: «Die Kinder und Jugendlichen sollen Kasteln als selbstbewusste junge Menschen verlassen und ihre Fähigkeiten der Mitwelt zur Verfügung stellen.» Das Schulheim umschreibt seine Ziele wie folgt: «Wir fördern eine nachhaltige Entwicklung der Kinder, bauen auf ihre Stärken und födern ihre soziale Vernetzung.» (pbe)

«Liebe gute Schlossgeister von nah und fern»: Mit diesen Worten hiess Urs Klemm, Präsident des Stiftungsrates, die Festgesellschaft willkommen. Darunter waren Ständerätin Christine Egerszegi, Regierungsrat Alex Hürzeler, eine ganze Anzahl Ortspolitiker sowie mehrere Persönlichkeiten aus dem Bildungswesen auszumachen. Sie waren zusammengekommen, um die Einweihung der umgebauten und sanierten Schlossanlage zu feiern. Der ganze Innenausbau nicht nur des Schlosses selber, sondern auch der dazugehörenden Gebäude war zeitgemäss gestaltet und so den Bedürfnissen des Schulheims angepasst worden. Und auch den Aussenanlagen hat man ein völlig neues Gesicht gegeben.

Involviert in das Projekt, waren unter anderem Fachleute von Architheke und von RHS Architekten (Vorprojekt, Turnhalle, Aussenstandort «Vogelnest»), von Gähler und Partner (Schloss) sowie von Naef & Partner (Umgebung). Gemäss Projektleiter Dieter Jährling handelte es sich um einen «komplexen und spannenden Auftrag, der uns volle vier Jahre beschäftigt hat».

Gesamtleiter Toni Bächli richtete den Blick auf das altehrwürdige Gebäude und sagte: «Ich verspreche Ihnen, wir tragen Sorge zu unserem neuen Schloss und den neuen Räumen.» Er zählte die wesentlichsten Eigenschaften auf, die für das Gelingen des grossen Werks notwendig waren: «Beharrlichkeit und Geduld, Leidenschaft und Herzblut sowie die Fähigkeit zum Zusammenspiel.» In seinen Dankesworten hob er zwei Personen besonders hervor, nämlich «unsern Thomas, den besten Polier von Westeuropa» und Urs Brogli, den Leiter Haustechnik, den er als einen «Glücksfall» bezeichnete.

Regierungsrat Alex Hürzeler gestand in seiner Grussadresse: «Ich war zuvor noch nie auf dem Schloss Kasteln», bezeichnete den Bau aber als kostbares Kulturgut und in den therapeutisch-pädagogischen Massnahmen, die hier getroffen werden, als modellhaft. Es handle sich um eine moderne Bildungsstätte, die sich dem Wohlergehen der benachteiligten Kinder widme.

Nachdem die Seelsorgerin Brigitte Minich gute Wünsche und Hoffnungen formuliert hatte, übergab sie symbolhaft eine brennende Kerze an Gesamtleiter Toni Bächli. (Ebenso symbolhaft musste dieser die Flamme im aufkommenden Wind vor dem Erlöschen schützen.) Dann standen die Türen offen für die Besichtigung. Zu hören waren ausschliesslich begeisterte Kommentare.

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