«Wir töten die Hirsche per Kopfschuss»

Patrick Isler

Patrick Isler

Im Tierpark Waltenschwil werden die Tiere zur Bestandsregulierung erlegt – und nicht wegen Überpopulation. Im Durchschnitt befinden sich auf dem 7,5 Hektaren grossen Gelände 65 Sika- und Damhirsche.

Fabian Muster

Der Tierpark Waltenschwil ist für Familien im Freiamt ein beliebtes Ausflugsziel. Die Sika- und Damhirsche, die gefüttert werden dürfen, sind besonders für Kinder eine Attraktion. Die aus Asien eingeführten Tiere sind etwas grösser als Rehe, aber kleiner als die bei uns einheimischen Rothirsche. In der Nähe der Anlage ist zudem eine Waldhütte, wo man bräteln und die Rundsicht aufs Bünztal und den Lindenberg geniessen kann. Eine kleine Idylle.

Tierpark besteht seit 80 Jahren

Doch es gehen Gerüchte herum. Für die Hirsche gebe es zu wenig Platz, und sie würden daher abgeschossen, heisst es. Gerüchte, an denen etwas Wahres dran ist, aber Patrick Isler von der Erbengemeinschaft Isler, welcher der seit rund 80 Jahren bestehende private Tierpark gehört, trotzdem richtigstellen will. «Ja, wir schiessen Hirsche», räumt er ein, «aber nicht, weil es eine Überpopulation gibt. Sondern, weil wir so den Bestand regulieren.» Im Durchschnitt zählt das 7,5 Hektaren grosse Areal 65 Tiere. Wenn die Muttertiere Junge aufziehen, könnten es knapp 100 sein. «Das sind aber immer noch deutlich weniger, als wir haben dürften.»

Ein Tier braucht 60m² Platz

Laut der eidgenössischen Tierschutzverordnung muss ein Aussengehege mit acht Tieren für mittelgrosse Hirscharten wie Sika- und Damhirsche mindestens 500m² gross sein. «Für jedes weitere Tier sind 60m² nötig», sagt der stellvertretende Kantonstierarzt Patrick Preisig. Das sind im Durchschnitt rund 60m² pro Tier. Das 7500m² grosse Areal könnte somit insgesamt 125 Hirsche aufnehmen.

Ein Wert, welchen der Tierpark mit seinem Normalbestand von 65 Tieren um fast die Hälfte unterschreitet. Erst im Februar dieses Jahres kontrollierte das kantonale Veterinäramt den Tierpark und stellte keine Mängel fest. Isler: «Ein nicht zu hoher Bestand ist in unserem eigenen Interesse, weil damit das Krankheitsrisiko geringer ist.» Man betreibe keinen Mastbetrieb, sondern möchte die Tiere möglichst natürlich halten.

600 Stunden Aufwand pro Jahr

Patrick Isler ist selbst Jäger und Obmann der Waltenschwiler Jagdgesellschaft. Jeweils im September und Oktober nimmt Isler selbst die Reduktion von 20 bis 30 Tieren in mehreren Einsätzen vor. «Es gibt keine Treibjagd mit Hunden, da die Fluchtwege begrenzt sind. Dies wäre für die Tiere ein zu grosser Stress und würde die Qualität des Fleisches vermindern.

Wir töten die Hirsche per Kopfschuss.» Das Hirschfleisch, rund 600 Kilo pro Jahr, wird an Private vertrieben. Nebst der Jagd fallen auch Forst- und Putzarbeiten an. Die Eigenleistungen summieren sich auf rund 600 Stunden jährlich. Ein Kern von vier Freiwilligen hilft mit. «Allfällige Investitionen übernehmen wir selbst. Mit dem Tierpark lässt sich kein Geld verdienen», betont Isler, der zusammen mit dem Sohn einer Grosstante an der Erbengemeinschaft Isler beteiligt ist.

Die Hirsche ernähren sich von dem, was das Gelände hergibt. Graswürfel und Heu stehen aber ergänzend zur Verfügung. Dazu kommt das mitgebrachte Brot, das Besucher ins Gehege werfen. Neu ist dies allerdings verboten, um die Tiere vor verderblicher Ware zu schützen. Isler wird als Ersatz zwei Automaten aufstellen müssen, wo Besucher Tierfutter beziehen können. Tafeln weisen auf das neue Regime hin, das bis spätestens Ende Jahr eingeführt wird.

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