Weiningen

«Wir stehen mit kalten Füssen da»

Die reformierte Kirchenpflege Weiningen muss einen geplanten Landverkauf auf Eis legen. (Archiv)

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Die reformierte Kirchenpflege Weiningen muss einen geplanten Landverkauf auf Eis legen. (Archiv)

Nach einer langen und bewegten Diskussion über den Verkauf einer Wiese und einem Rückweisungsantrag, der knapp die Mehrheit verfehlte, schlug die Kirchenpflege der reformierten Kirchgemeinde Weiningen vor, das Geschäft freiwillig zurückzuziehen.

Bettina Hamilton-Irvine

Es war eine emotionsgeladene Diskussion im Saal der katholischen Kirche in Geroldswil, und eine, bei der die Anwesenden mehrmals symbolische Vergleiche heranziehen mussten, um ihre Haltung zu unterstreichen. «Früher hat man gesagt: Silberbesteck gibt man nicht her. Doch genau das wollen Sie heute Abend tun», rief einer der Votanten. Ein anderer Herr meinte, es komme ihm vor, als ob man verarmt sei und im Haus bloss noch einen wertvollen Perserteppich übrig hätte: «Nun wird uns dieser Teppich unter den Füssen weggezogen und wir stehen plötzlich mit kalten Füssen da.»

Das Ziel: Fremdverschuldung verringern

Das Thema, welches die Anwesenden an der Versammlung der reformierten Kirchgemeinde Weiningen - zu der Weiningen, Unterengstringen, Geroldswil und Oetwil gehören - so emotional werden liess, war ein geplanter Landverkauf. Die Kirchenpflege hatte vor, ihre Fremdverschuldung von 3,5 Millionen Franken durch den Verkauf einer 1304 Quadratmeter grossen Wiese hinter dem Pfarrhaus in Unterengstringen zu reduzieren. Durch den Erlöse des auf 1,45 Millionen Franken geschätzten Grundstücks hätte die Kirchenpflege ihre jährlichen Schuldzinsen von 72 000 Franken um 19 000 Franken verringern können.

Doch sie hatte die Rechnung ohne ihre Mitglieder gemacht: In einer einstündigen hitzigen Diskussion, die sich manchmal hart an der Grenze zum Gehässigen bewegte, intervenierte der Grossteil der Votanten gegen den Verkauf der Wiese. Der Verkauf sei an den Haaren herbeigezogen, meinte ein Anwesender, während sich andere beklagten, der Zeitpunkt sei schlecht, die Kirchenpflege solle sich Alternativen überlegen, oder mahnten, eine Abgabe im Baurecht würde jährlich mehr Geld einbringen. «Mit der Wiese geben wir zwar etwas Materielles weg, doch wir geben auch etwas Geistiges weg», fand ein alter Herr.

Nur wenige der Votanten plädierten für den Landverkauf. «Wir haben ein tolles Kirchenleben», sagte einer. Der Verkauf der Wiese sei nötig, damit die Finanzen wieder gesunden könnten: «So können wir sicherstellen, dass die Leistungen auch weiterhin erbracht werden können.» Und Kurt Pech von der Kirchenpflege forderte die Gegner des Landverkaufs auf, nicht einfach kategorisch an der Wiese festhalten zu wollen, ohne einen konkreten Gegenvorschlag zu machen.

«Ich bin ein bisschen platt»

Schliesslich stellten gleich zwei der Anwesenden einen Rückweisungsantrag. Das Geschäft solle noch einmal überdacht und Alternativen ausgearbeitet werden, fanden sie. 26 der anwesenden 55 Stimmberechtigten waren für den Rückzug des Geschäfts, während 27 dagegen waren. Dieses knappe, zwei Mal ausgezählte Resultat wiederum gab Kirchenpflegepräsidentin Barbara Haller ein ungutes Gefühl. «Ich bin ein bisschen platt über dieses ausgeglichene Ergebnis», gab sie zu und schlug vor, das Geschäft freiwillig zurückzuziehen. Diesen Vorschlag wiederum konnten nun 44 der Anwesenden gutheissen, während nur zwei dagegen stimmten.

Nun geht das Geschäft zurück an die Kirchenpflege und wird später nochmals zur Sprache kommen. Wann dies sein wird, konnte Präsidentin Haller nach der Versammlung noch nicht sagen. «Wir haben Hausaufgaben bekommen, die es nun zuerst zu lösen gilt», meinte sie.

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