Quitten
Wir sind quitt

Quitten machen viel Arbeit – aber die lohnt sich. Die Frucht, die schon schöne Römerinnen dufte fanden, erlebt unter Feinschmeckern und bei Gartenfreunden eine kleine Renaissance.

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Quitten Blüten

Quitten Blüten

natürlich leben

Text Annette Weinzierl

Wie kleine Sonnen leuchten sie in goldgelben Farbtönen unter dem Herbsthimmel und bilden das Schlusslicht im Gartenjahr: Die Zeit der Quitten hat begonnen. Obwohl dieses äusserst vitamin- und ballaststoffreiche Kernobst heute auf dem Markt keine bedeutende Rolle spielt, ist das Interesse in den letzten Jahren dennoch gestiegen. Quitten eignen sich nicht nur zum Einmachen von Marmelade und Gelee, sondern sind auch zu Fisch, Fleisch, für Kompott und Suppen oder als Gebäck und Kuchen eine willkommene Abwechslung auf dem täglichen Speiseplan. «Für den Frischverzehr sind sie, mit Ausnahme einiger roh essbaren Sorten vom Balkan, aus Mittelasien sowie aus südlichen Ländern, nicht zu empfehlen, da ihr Fruchtfleisch von knorpelig-holziger Konsistenz ist», sagt Ueli Gremminger vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, Abteilung Obstbau in Gränichen (AG). «Erst durch Kochen oder Dünsten werden die Früchte essbar und zu einem Genuss für unsere Sinne», schwärmt er.

Bis zum 19. Jahrhundert zählten Quitten in Mitteleuropa zu den wichtigsten Früchten, erst als sich die Auswahl auf dem Obstmarkt vergrösserte, wurden sie weitgehend von zahlreichen neuen Apfel- und Birnensorten verdrängt. Die meisten der rund zweihundert Quittensorten spielen heute nur noch in der Türkei, in Spanien, Griechenland, Portugal, Frankreich, Italien, auf dem Balkan und in Nordafrika eine wirtschaftliche Rolle. Bei uns hingegen sind nur noch wenige Sorten auf dem Markt erhältlich. Dennoch räumen in letzter Zeit immer mehr Liebhaber und Hobbygärtner den Quittenbäumen wieder ¬einen Platz in ihrem Hausgarten ein.

Quittenparfüm für Römer

Die ursprüngliche Heimat der Quitte (Cydonia oblonga) liegt vermutlich in Transkaukasien, dem Kaukasus, Turkestan, Iran, Südostarabien, Kreta, dem Balkan, Japan sowie in den milden Zonen Nordamerikas. Die Römer entdeckten die Quitte in der Stadt Kydonia (heute: Chania) im Nordwesten der griechischen Insel Kreta, wo sie bereits seit etwa 650 vor Christus kultiviert wurde. Schon im alten Rom war man nicht nur von den Früchten begeistert, sondern fing bereits ihren verführerischen Duft in Form von Parfüms ein. Von Rom aus trat die Quitte schliesslich ihre Reise über die Alpen in die nördlichen Provinzen des Reiches an, wo sich der Anbau schnell ausbreitete. Der wissenschaftliche Name Cydonia leitet sich bis heute von der altkretischen Stadt ab - er bedeutet so viel wie «Apfel, der aus Kydonia kommt». Unter weiteren Bezeichnungen für die Quitte sind etwa auch «wolliger Apfel», «Baumwollapfel» «Hesperiden-Apfel», «Adonis-Apfel» oder «Schmeckbirne» zu finden. $

Die Germanen lernten durch die Römer den Quittenbaum kennen und bezeichneten die Frucht als Quitina. Unter der Herrschaft Karls des Grossen im 9. Jahrhundert tauchte der Baum in dessen Landgüterverordnung - dem «Capitulare de villis et curtis imperialibus» - als «cotonarius» auf, im St. Galler Klosterplan hingegen heisst er «guduniarius».

Quitten auf einen Blick • Quitten reifen je nach Sorte zwischen Anfang und Ende Oktober.l Die Früchte sind erntereif, wenn ihre Farbe von Grün nach Gelb umschlägt.• Bei zu spät gepflückten Früchten neigt das Fruchtfleisch zum Verbräunen, dadurch geht das Aroma verloren.• Beim Kauf sollten Sie auf unversehrte Früchte achten. Quitten reagieren ¬empfindlich auf Druckstellen und verderben dadurch schneller.• Quitten sind bis auf einige Sorten nicht für den Rohverzehr geeignet.• An einem kühlen Platz lassen sich die Früchte bis Weihnachten lagern.• Unter den heimischen Obstarten enthalten nur Quitten mehr Pektin als Äpfel.• Quitten werden wegen ihres ausgezeichneten Aromas als Würzstoff eingesetzt, unter anderem in Likören oder als Duftspender in Räumen.• Quitten sind ideal zur Herstellung von Kompott, Gelee oder Konfitüre.• Vor der Verarbeitung der Früchte sollten Sie darauf achten, dass Sie die filzige Behaarung auf der Schale mit einem trockenen Küchentuch abreiben. Der Flaum enthält ein ätherisches Öl, das den Geschmack beeinträchtigt. • Quitten enthalten je 100 Gramm ess¬barem Anteil lediglich 38 Kalorien oder 158 Kilojoule.

Quitten auf einen Blick • Quitten reifen je nach Sorte zwischen Anfang und Ende Oktober.l Die Früchte sind erntereif, wenn ihre Farbe von Grün nach Gelb umschlägt.• Bei zu spät gepflückten Früchten neigt das Fruchtfleisch zum Verbräunen, dadurch geht das Aroma verloren.• Beim Kauf sollten Sie auf unversehrte Früchte achten. Quitten reagieren ¬empfindlich auf Druckstellen und verderben dadurch schneller.• Quitten sind bis auf einige Sorten nicht für den Rohverzehr geeignet.• An einem kühlen Platz lassen sich die Früchte bis Weihnachten lagern.• Unter den heimischen Obstarten enthalten nur Quitten mehr Pektin als Äpfel.• Quitten werden wegen ihres ausgezeichneten Aromas als Würzstoff eingesetzt, unter anderem in Likören oder als Duftspender in Räumen.• Quitten sind ideal zur Herstellung von Kompott, Gelee oder Konfitüre.• Vor der Verarbeitung der Früchte sollten Sie darauf achten, dass Sie die filzige Behaarung auf der Schale mit einem trockenen Küchentuch abreiben. Der Flaum enthält ein ätherisches Öl, das den Geschmack beeinträchtigt. • Quitten enthalten je 100 Gramm ess¬barem Anteil lediglich 38 Kalorien oder 158 Kilojoule.

natürlich leben

Nicht nur als Duft- und Lebensmittel, auch in der Naturmedizin leistet die Quitte gute Dienste: Schon Hippokrates, Dioskurides und Plinius der Ältere wussten um die positiven Wirkungen der Quitte bei diversen Krankheiten. Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) empfiehlt sie innerlich den Gichtkranken sowie äusserlich als Auflage gegen Geschwüre und schreibt über die Quittenfrucht: «Und wenn sie reif ist, schadet sie roh genossen weder dem kranken noch dem gesunden Menschen, aber gekocht oder gebraten ist sie dem Kranken und dem Gesunden sehr bekömmlich.» Im 16. Jahrhundert kam das Wort Marmelade im deutschen Sprachraum für ein eingekochtes Quittenfruchtmus in Mode. Diese Bezeichnung lässt sich vom portugiesischen Wort Marmelo für Quitte ableiten. Das Quittenmus der Portugiesen ist sozusagen die Urform unserer heutigen Konfitüre.

Die Form bestimmt den Namen der Quitten, in der Schweiz auch Küttene genannt, sie gehören wie Äpfel und Birnen zum Kernobst und zählen wie diese zur ¬Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die hohen Sträucher oder kleinen Bäume erreichen eine Höhe zwischen drei und fünf Metern, sie eignen sich so auch für kleine Gärten und verleihen diesen einen besonderen Zauber: Mit ihren prächtigen weiss bis zartrosafarbenen Blüten im Mai und Juni, den glänzenden dunkelgrünen Blättern im Sommer und den grossen, goldgelben, aromatisch duftenden Früchten im Herbst stellt die Quitte andere Gehölze oft in den Schatten.

«Quittenbäume erheben an ihre Umgebung den Anspruch eines milden Standortes, der frei von Zugluft ist und benötigen einen mittelschweren, nicht zu nassen oder kalten Boden», so Ueli Gremminger. «Dazu darf der Boden nicht stark kalkhaltig sein, denn dies führt häufig zu einer sogenannten Eisenmangelchlorose», betont der Obstbauberater. Diese Chlorose oder Vergilbung ist unschwer an den gelb werdenden Blättern bei grün bleibenden Blattadern zu erkennen. Ansonsten ist die Quitte ein unkompliziertes Gehölz, selbst der Schnitt ist weniger aufwändig als etwa bei Apfel- oder Birnenbaumsorten. «Leider gibt es in den letzten Jahren massive Probleme mit dem Feuerbrand», führt Gremminger weiter aus. Diese Krankheit wird durch das Bakterium Erwinia amylovora hervorgerufen und führt vor allem während der Blütezeit zum Absterben der Triebe oder sogar des ganzen Baumes. Feuerbrand ist schwer zu bekämpfen, die jungen Früchte und Blätter verdorren und sehen dabei aus wie von Feuer verbrannt. «Da die Quitte besonders anfällig für den Feuerbrand ist, gilt sie faktisch als Zeigerpflanze für diese weit verbreitete Seuche», erklärt er.

Bei den Bäumen wird übrigens nach der Form ihrer Früchte zunächst in Birnenquitten (Cydonia oblonga var. oblonga) und Apfelquitten (Cydonia oblonga var. maliformis) unterschieden. Generell sind Birnenquitten beliebter als Apfelquitten, weil sie ein weicheres Fruchtfleisch mit weniger Steinzellen aufweisen.

Im Gegenzug besitzen die Apfelquitten zwar ein hartes, aber dafür sehr aromatisches Fruchtfleisch. Empfehlenswert sind vor allem die Kultursorten Ronda, Vranja, Champion, Bereczki oder Portugiesische Quitte. Aber auch Zierquitten - beispielsweise die Japanische und Chinesische Scheinquitte - eignen sich zum Anbau für den eigenen Hausgarten. «Was nur wenige wissen: Auch deren kleinkugeligen, gelben Früchte sind küchentauglich, sie lassen sich gut zu Säften oder Gelees verarbeiten», betont Gremminger. «Allerdings werden sie bekömmlicher und schmecken nicht so bitter oder sauer, wenn sie zusammen mit echten Quitten verarbeitet werden. Dabei sollte ihr Anteil bei maximal zwanzig Prozent liegen», sagt er. Die Sorte Cido besitzt darüber hinaus einen hohen Vitamin-C-Gehalt, sie stammt aus dem Baltikum und wird daher auch oft als «Zitrone des Nordens» bezeichnet. Die goldgelben Früchte der Scheinquitten können - ebenso wie die der echten Quitte - je nach Klimalage etwa von Anfang bis Ende Oktober gepflückt werden.

Gesünder als die Konkurrenz

Quitten verschönern nicht nur jeden Garten, in ihnen schlummert auch ein grosses Potenzial an gesundheitsfördernden Wirkstoffen: Sie enthalten etwa doppelt so viel Pektin wie Äpfel. Diese natürliche, wasserlösliche Pflanzenfaser quillt im Dickdarm mächtig auf und bildet ein zähflüssiges Gel, das potenzielle Schad- und Giftstoffe umhüllt und dadurch deren Aufnahme verhindert. Dazu ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen, dass Pektin den Cholesterinspiegel und damit das Herzinfarktrisiko dadurch senken kann, dass es im Darm Gallensäuren bindet, über den Stuhl werden Fett und Cholesterin dann ausgeschieden.

Aufgrund ihrer Quellfähigkeit besitzt die Pflanzenfaser weitere positive Eigenschaften: So bleibt das Fruchtfleisch nicht nur länger im Magen, es verlangsamt auch die Aufnahme von Zucker und Nährstoffen in den Blutkreislauf. Auf diese Weise stellt sich ein angenehmes Sättigungsgefühl ein. Übergewichtige und Diabetiker können so dauerhaft mit Hilfe einer ballaststoff- und pektinreichen Ernährung einige Pfunde verlieren und ihren Blutzuckerspiegel konstant niedrig halten.

Pektin findet sich auch in anderen Lebensmitteln, wie etwa im Weisskohl, Möhren, Birnen, Erdbeeren, Himbeeren oder Johannisbeeren und bevorzugt in Zitrusfrüchten wie Orangen, Zitronen oder Pampelmusen. Quitten enthalten zudem eine Menge an Vitaminen, Mineralstoffen und Kieselsäure, wodurch zusätzlich die Abwehrkräfte gestärkt werden. Ihre Gerbstoffe wirken reizmildernd und zusammenziehend, weshalb Quittenkompott gerne in der Volksmedizin bei Magen- und Darmkatarrh Verwendung findet. Wegen ihres hohen Pektingehaltes werden sie häufig bei der Arznei-Herstellung, insbesondere von Husten-, Magen- und Darmmitteln eingesetzt.

Tipps aus der Naturapotheke

Neben dem Fruchtfleisch lassen sich auch die schleimbildenden Quittenkerne nutzen. Dabei ist zu beachten, dass die Kerne immer im Ganzen und mit etwas Wasser gekocht werden. Quittenkerne sollten jedoch niemals zerkleinert werden, denn dabei wird Blausäure freigesetzt, die selbst in geringen Mengen giftig ist. Der bei schwacher Hitze gekochte dicke Schleim ist als Gurgelmittel gegen Zahnfleisch- und Rachenentzündungen hilfreich. Darüber hinaus ist er wirksam bei Entzündungen von Magen, Darm oder der Atemwege. Quittenschleim lindert äusserlich aufgetragen rissige, spröde Haut, kleine Brandwunden, Frostbeulen und aufgesprungene Lippen. Ein altes Hausmittel bei Entzündungen im Hals- und Rachenraum oder auch bei Bronchitis sind Quittenkerne mit Spitzwegerich-Sirup vermischt. Hierfür werden zehn Gramm Kerne mit zwei Deziliter Wasser angesetzt. Den entstandenen Schleim mit Spitzwegerich-Sirup mischen und mehrmals über den Tag verteilt jeweils einen Teelöffel davon einnehmen.

Literatur

Lucas Rosenblatt und Freddy Christandl: «Quitten - Das Comeback einer vergessenen Frucht»
Fona-Verlag, Fr. 28.-
Clemens Zerling: «Lexikon der Pflanzensymbolik», AT-Verlag, Fr. 59.90

Suftipps

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