«Wir sind keine Polizisten»

Fast ein Jahr hat die Gemeinde Entfelden professionelle Jugendarbeiter gesucht: Fündig geworden ist der Jugendtreff jetzt mit der Sozialpädagogin Gianna Bezzola und René Bachmann, soziokulturellem Animator.

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«Wir sind keine Polizisten»

«Wir sind keine Polizisten»

Deborah Balmer

Als die Baslerin und ausgebildete Sozialpädagogin Gianna Bezzola zum ersten Mal in den Jugendtreff in Entfelden kam, war sie erstaunt: «Der Jugendtreff hier hat eine sehr gute Infrastruktur», sagt Gianna Bezzola. Hier gibt es einen Billardtisch, einen Kiosk, Sofas und eine Leseecke und an besonderen Anlässen schenkt ein Bar-Team alkoholfreie Getränke aus.

«Wir haben hier sogar einen Event-Room mit eigener Bühne, wo kleine Konzerte stattfinden – samt Musik- und Lichtanlage», sagt Bezzola.

Gemeinsam mit René Bachmann, soziokulturellem Animator, arbeitet Bezzola seit vergangenem Herbst im Jugendtreff Entfelden. Etwa 60 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 16 Jahren kommen regelmässig im Jugendtreff vorbei.

«Es sind Jugendliche, die sich sonst im öffentlichen Raum aufhalten», sagt René Bachmann. Auch wenn Bezzola sagt, sie habe das Gefühl, die Jugendlichen in Entfelden seien noch ein wenig unverdorbener als an anderen Orten, Konfliktpotenzial gibt es auch hier: Die Jugendlichen haben Streit untereinander und bilden Gruppen. Die Jugendarbeiter sehen es als Herausforderung, die Jugendlichen aktiv am Treff zu beteiligen.

Erste Gespräche geführt

Auch in den Quartieren gibt es schwelende Konflikte: Dabei geht es oft um Ruhestörung. Deshalb wünschten sich Bürger schon länger aufsuchende Jugendarbeiter. Einmal pro Woche suchen Bezzola und Bachmann nun die Jugendlichen auf der Strasse auf. «Am Anfang sind wir
als Forscher unterwegs», sagt Gianna Bezzola. Einen ersten Einsatz hatten die Jugendarbeiter am vergangenen Freitag: «Wir haben viel mehr Jugendliche angetroffen als erwartet – schliesslich war es sehr kalt», sagt Bezzola. Man habe erste, interessante Gespräche geführt, so die Jugendarbeiterin. Und die Atmosphäre sei sofort viel entspannter als im Jugendtreff.

Immer mehr Verbote

Wichtig ist den beiden vor allem eines: «Wir sind keine Polizisten. Wir verhalten uns eher passiv und suchen das Gespräch.» Ziel ist es, zwischen den Jugendlichen und den Anwohner zu vermitteln.

Wieso es immer öfter zu Konflikten kommt, ist für die Präsidentin des Vereins Jugendtreff Entfelden, Elke Ballmer, klar: «Entfelden hat in den letzten Jahren einen grossen Zuwachs erfahren – deshalb ist es auch anonymer geworden.» Zudem gäbe es immer weniger Freiräume: «Alles rückt näher zusammen und überall gibt es Verbote», so Vereinspräsidentin Ballmer.

Im Jugendtreff Entfelden findet zweimal monatlich ein Event statt: Die nächste Veranstaltung ist morgen Freitag, 22. Januar, eine Disco mit DJ. Organisiert hat den Anlass eine Gruppe Jugendlicher – Beginn ist um 19 Uhr . Die Disco dauert bis um 23 Uhr.