Jugendhaus
«Wir sind kein Pub»

Seit Februar hat Laufen ein Jugendzentrum. Die Stiftung Jugendsozialwerk des Blauen Kreuzes betreibt es im Auftrag von acht Laufentaler Gemeinden. Der Streetworker Martial Sollberger sieht noch Verbesserungspotenzial.

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Martial Sollberger

Martial Sollberger

bz Basellandschaftliche Zeitung

Andreas Maurer

Am vorletzten Samstagabend herrschte im Laufner Jugendhaus gähnende Leere. Wie oft kommt das vor?

Martial Sollberger: Erst etwa zwei bis drei Mal. An besagtem Samstag lag das einerseits am Beginn der Basler Herbstmesse. Zudem war ich an diesem Abend mit einer Gruppe aus dem Jugendraum unterwegs, die Schwierigkeiten mit einer anderen Gruppe hatte. Ich wollte versuchen zu helfen, dass diese Auseinandersetzung mit Worten und nicht mit einer Schlägerei beendet wurde.

Ist Ihnen der Vermittlungsversuch geglückt?

Sollberger: Die beiden Gruppen haben sich doch nicht getroffen. Das hatte aber nicht nur mit mir zu tun.

Das Jugendhaus ist mittwochs und samstags geöffnet. Wie viele Jugendliche kommen im Schnitt?

Sollberger: Bis zu den Sommerferien waren es etwa 30 Jugendliche. Zwischen den Sommer- und den Herbstferien hatten wir einen ziemlichen Einbruch der Besucherzahlen. Wenn es warm und schön ist, halten sich viele Jugendliche draussen auf. Wir Streetworker gehen dann hinaus zu den Jugendlichen am Bahnhof oder in kleinen Parks. Mit der kälteren Jahreszeit steigen die Besucherzahlen aber wieder.

Das Konzept sieht vor, dass die Jugendlichen eigene Vorschläge für Aktivitäten bringen. Ist das der Fall?

Sollberger: Ja. Vor wenigen Tagen organisierten ein paar Mädchen eine Girls-Party. Im Sommer machten wir einen Ausflug in den Europapark oder brätelten draussen. In Zukunft wollen wir im Jugendzentrum zudem Internetzugang anbieten - auf Wunsch von Jugendlichen. Ein anderer Wunsch ist eine Playstation. Aus finanziellen Gründen ist das aber noch nicht möglich.

Wäre es nicht besser, die Abende ohne Internet und Playstation zu verbringen?

Sollberger: Wir möchten die Jugendlichen nicht mit solchen Medien zustopfen. Wenn wir auffälliges Verhalten bei der Internetnutzung im Jugendzentrum feststellen sollten, können wir das ansprechen. So bietet das Internetangebot auch Möglichkeiten zur Prävention und Aufklärung. Zudem steigert es die Attraktivität des Jugendzentrums.

Alkohol und Tabak werden hingegen nicht toleriert. Schreckt das Ihr Zielpublikum ab?

Sollberger: Nein, denn wir sind kein Pub. Die Jugendlichen, die Alkohol trinken und rauchen wollen, gehen in eine Beiz. Viele Jugendliche schätzen es, dass sie zu uns in den Ausgang kommen können, ohne Alkohol trinken zu müssen. Handkehrum können wir das Alkohol- und Rauchverbot nur im Raum durchsetzen. Draussen wird es schwieriger.

Wenn vor der Türe geraucht wird, kann das die Anwohner stören. Kommt es zu Konflikten?

Sollberger: Nein, ich bin begeistert, wie die Nachbarschaft damit umgeht. Viele Anwohner sehen den Nutzen des Jugendzentrums und nehmen es nicht nur als Belastung wahr.

Was muss am Laufner Jugendhaus noch verbessert werden?

Sollberger: Die Partizipation der Jugendlichen muss noch gestärkt werden. Sie sollen noch mehr mitgestalten und sich engagieren. Die Öffnungszeiten werden wir im Winter etwas ausbauen. Damit sind wir bei den Finanzen: Mehr Geld wäre natürlich immer gut. Wenn wir unser Jugendzentrum mit anderen Jugendräumen vergleichen, ist der Platz recht klein. Wir wollen uns aber nicht beklagen. Die Bedingungen unseres Jugendzentrums sind sehr gut. Das Angebot passt zu den Jugendlichen, die zu uns kommen.