Argovia
«Wir sind alle Argovianer»

Vor 20 Jahren ging das drittgrösste Privatradio der Schweiz auf Sendung. Geburtstagskinder werden normalerweise beschenkt. Radio Argovia macht es umgekehrt: Es schenkt seinen Hörerinnen und Hörern das Argovia-Fäscht im Birrfeld. Doch wie hat das eigentlich begonnen mit diesem Radio?

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«Wir sind alle Argovianer»
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Büne Huber von Patent Ochsner gab schon früh an Radio-Argovia-Partys ein Konzert. Büne Huber von Patent Ochsner gab schon früh an Radio-Argovia-Partys ein Konzert.
Beste Stimmung vor 20 Jahren: Das Radio Argovia-Fest war auch in den 90er-Jahren alles andere als schwach besucht. Das Radio Argovia-Fest war auch in den 90er-Jahren alles andere als schwach besucht.
Liebling der Massen: Ex-Music-Star-Kandidat Baschi hat mit Signieren alle Hände voll zu tun. Ex-Music-Star-Kandidat Baschi hat mit Signieren alle Hände voll zu tun.
Töggele mit dem Schiri: Schiedsrichter-Star Urs Meier liess sich ein Mätschli bei Radio Argovia nicht entgehen. Schiedsrichter-Star Urs Meier liess sich ein Mätschli bei Radio Argovia nicht entgehen.
Auch Florian Ast war in Aarau ein oft gesehener Gast. Auch Florian Ast war in Aarau ein oft gesehener Gast.
Gölä, wie man ihn kennt: Mit Vollgas aufs Publikum los, das war auch in Aarau nicht anders. Gölä, wie man ihn kennt: Mit Vollgas aufs Publikum los, das war auch in Aarau nicht anders.
Hardrock-Besuch: Auch einige der Krokus-Gang pilgerten ins Studio. Auch Krokus-Mitglieder pilgerten ins Studio.
Beste Beziehungen zu Englands Boulevard-Presse Nummer Eins: The Sun erhält Besuch aus dem Aargau. Beste Beziehungen zu Englands Boulevard-Presse Nummer Eins: The Sun erhält Besuch aus dem Aargau.
Die Basler Lovebugs kommen immer wieder gerne ans Argovia-Fest. Die Basler Lovebugs kommen immer wieder gerne ans Argovia-Fest.
Wer grinst denn da so unverschämt? Plüsch natürlich! Und vom Moderator haben sie sich gleich noch eine Autogrammkarte geschnappt. Plüsch natürlich! Und vom Moderator haben sie sich gleich noch eine Fankarte geschnappt.
So soll es sein: Auch dieses Wochenende werden viele Leute erwartet. Hier sorgt Patent Ochsner für Stimmung. So soll es sein: Auch dieses Wochenende werden viele Leute erwartet. Hier sorgt Patent Ochsner für Stimmung.
Patrick Nuo wie Baschi: Auch Nuo beglückt die vielen weiblichen Fans mit Autogrammen. Wie Baschi muss auch Patrick Nuo die vielen weiblichen Fans mit einem Autogramm befriedigen.
Die Pinnwand, die alles offenbahrt: In Aarau im Studio an der Bahnhofstrasse hängt sie, die Pinnwand von Radio Argovia. Viele ehemalige Mitarbeiter sind dort verewigt. In Aarau beim Gebäude an der Bahnhofstrasse hängt sie, die Pinnwand von Radio Argovia. Viele ehemalige Mitarbeiter sind dort verewigt.
Ein Komiker zum Anfassen: Rob Spence zu Gast bei Argovia. Der Profisprücheklopfer war für manches Spässchen zu haben. Rob Spence zu Gast bei Argovia. Der Profisprücheklopfer war für manches Spässchen zu haben.
Das Deutschland-Wunder: Sarah Connor betörte mit ihrer Stimme auch Argovia-Moderator Sirio Flückiger. Sarah Connor betörte mit ihrer Stimme auch Argovia Moderator Sirio Flückiger.
Der schnellste Mann der Schweiz: Peter Sauber nach dem Interview. Dem Vollblutzürcher scheint's im Aargau zu gefallen. Peter Sauber nach dem Interview. Der Zürcher reist gerne in den Aargau.

«Wir sind alle Argovianer»

Radio Argovia

Hans Fahrländer

Vor uns sitzen die beiden Hauptverantwortlichen von Radio Argovia: Geschäftsführer Roland Baumgartner und Chefredaktor Jürgen Sahli. Beide waren bereits bei der Geburt des Senders im Jahr 1990 dabei, beide sind immer noch gleich begeistert bei der Sache wie am ersten Tag. Steter Wandel im Angebot, Kontinuität beim (leitenden) Personal – dies ein erstes Markenzeichen von Radio Argovia.

Es war bekanntlich Pirat Roger Schawinski, der mit einem Sender aus dem nahen Ausland erste Versuche mit Privatradios in der Schweiz erzwang. Aufgrund einer Verordnung wurden 1983 erste Frequenzen an Private verteilt. Der Aargau blieb dabei ein weisser Fleck: Regierung, Verlage und andere Meinungsmacher fanden, ein Privatradio brauche es hier nicht, die Medienvielfalt sei bereits gross genug.

Geburt im zweiten Anlauf

1989 führte der Bund eine zweite Konzessions-Verteilrunde zwecks Besetzung der weissen Flecken durch. Inzwischen hatte die Stimmung im Aargau gekehrt. Insbesondere Peter Wanner, damals Verleger des «Badener Tagblattes» («BT»), war überzeugt, dass Privatradio Zukunft hatte. Unter seiner Führung fand sich eine breite Trägerschaft von Zeitungsverlagen zusammen, die unter dem provisorischen Titel «Radio Argovia» ein Gesuch einreichte. Doch man war nicht allein, es bewarben sich auch: das Verlagshaus Ringier mit dem Projekt «Radio Aargau», ein Verein mit dem «Aargauer Regionalradio» und ein «Radio Hochbrücke», hinter welchem das damalige «Aargauer Volksblatt» («AV»), die Konkurrenz des «BT», stand.

Den Zuschlag erhielt schliesslich Radio Argovia – mit einer Auflage: Man musste dem nichtkommerziellen «Regionalradio» ein tägliches viertelstündiges und ein wöchentliches dreistündiges «Fenster» zur Verfügung stellen. Denn es gab für den Aargau nur eine einzige UKW-Frequenz. Heute existieren beide immer noch: Radio Argovia behielt seinen Namen, weil er auf Anhieb einschlug – das «Regionalradio» heisst heute Kanal K, ist immer noch nicht kommerziell, hat aber inzwischen eine eigene Frequenz.

Stürmisches Wachstum

Sendestart war am 1. Mai 1990, und zwar vom Neumarkt Brugg aus. Das erste Team umfasste 18 Frauen und Männer, man sendete 18 Stunden «bemannt», für 6 Nachtstunden übernahm ein Computer (im Gegensatz zu Radio DRS war Argovia nie «stumm»). Geschäftsführer war Christian Stärkle, administrativer Leiter der damals 24-jährige Roland Baumgartner, der zuvor eine Bankausbildung absolviert hatte. Chefredaktor war zunächst Fred Lauener, nach wenigen Monaten wurde er abgelöst durch den damals 37-jährigen Jürgen Sahli, der vom «AV» kam. «Wir wurden nicht überall freudig begrüsst», erinnert sich Baumgartner. «Das galt auch für die alteingesessenen Medien, sogar aus der ‹BT›-Redaktion schoss man auf uns», schmunzelt Sahli.

Doch die Erfolgsgeschichte liess sich nicht mehr aufhalten. Nach nur drei Jahren waren die Räume im Neumarkt zu klein, man wechselte ins Geschäftshaus im Steiger in Brugg West. 1994 fand das erste Argovia-Fäscht statt, zunächst noch im Steiger. 1997 erhielt Radio Argovia eine definitive Konzession des Bundes für 10 Jahre. Ab diesem Zeitpunkt konnten der gesamte Aargau und die Region Olten bedient werden (zuvor gab es senderbedingte Einschränkungen im Fricktal und im oberen Freiamt).

Warten auf neue Konzession

Seit 2002 ist Roland Baumgartner Geschäftsführer. Das Team ist auf gut 30 Leute angewachsen. Radio Argovia festigte seinen Platz als drittgrösstes Privatradio (hinter den beiden Zürchern 24 und Energy) mit einem konstanten Marktanteil von knapp 30% bei den unter 50-Jährigen. Damit liegt Argovia in dieser Zielgruppe im Verbreitungsgebiet klar an der Spitze, vor allen DRS-Sendern.

2008 – der Standort war inzwischen an die Bahnhofstrasse nach Aarau verlegt worden – vergab der Bund die Privatradio-Konzessionen neu. Im Aargau bewarb sich auch Roger Schawinski. Radio Argovia verteidigte indessen den Heimatkanton souverän. Doch Schawinski zog den Entscheid ans Bundesverwaltungsgericht weiter und erhielt in einem Punkt recht: Die Vorinstanzen hatten vergessen, den Aspekt allfälligen «Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung» zu prüfen. So lastet immer noch eine leise Ungewissheit auf dem Argovia-Team. «Ich bin überzeugt, dass wir die Konzession behalten dürfen», sagt Roland Baumgartner. «Nach übereinstimmender Ansicht aller Prüfinstanzen war unser Gesuch klar besser als jenes von Schawinski», ergänzt Jürgen Sahli.

Grosse Verdienste um den Kanton

Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist im heterogenen Aargau bekanntlich nicht sonderlich ausgeprägt. «Wir leisten grosse Integrationsarbeit, mit unserem Sender, aber auch mit unterschiedlichen Anlässen», betont Baumgartner. «Wir sind nahe bei den Leuten, wir haben den Aargau und seine Menschen gern, ich glaube, das spürt man – wir sind alle Argovianer!» Und Chefredaktor Sahli ist überzeugt:

«Wir werden nicht nur als Unterhaltungsmedium, sondern auch als Informationsmedium ernst genommen, was man nicht von allen Privatradios behaupten kann. Wir verzichten bewusst auf Sauglattismus und pflegen dafür den Service public. Wir bilden auch das politische Leben im Kanton ab.»

Argovia ist auch für Ausbildung eine gute Adresse: Immer wieder tauchen in den nationalen Sendern Redaktoren und Moderatorinnen auf, die hier das Handwerk erlernt haben.

Geburtstagsparty im Birrfeld

Heute und morgen steigt im Birrfeld zum Geburtstag erneut ein Argovia-Fäscht (Programm siehe Artikel rechts). Noch grösser und schöner als die bisherigen soll es werden. «Das Fest ist unser Dank an unsere Hörerinnen und Hörer. Deshalb ist der Eintritt immer noch gratis», sagt Roland Baumgartner. In den letzten Jahren profitieren jeweils fast 70000 Menschen von diesem Geschenk.

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