Aarau

«Wir sind Aaraus zweiter Bauernhof»

Aarau ist stolz auf einen einzigen Bauernhof auf Stadtgebiet – in Wahrheit gibt es aber noch den Alpenzeigerhof.

Deborah Balmer

Auf dem Alpenzeigerhof in Aarau leben 15 Engadinerschafe und zwei Esel. Im Sommer wächst viel Biogemüse - liebevoll gepflegt von Familie Niggli. Diese ärgert sich auch schon mal, weil ihr Betrieb neben dem Binzenhof einfach vergessen wird.

Klar, der Binzenhof ist ein stattlicher Hof, auf dem dreissig Kühe und hundert Freilandhühner leben. Der Betrieb erstreckt sich über eine Fläche von 40 Hektaren. Aarau bezeichnet ihn mit Stolz als «einzigen Bauernbetrieb auf Stadtgebiet».

Bescheidener geht es auf dem Alpenzeigerhof zu und her: «Wir bewirtschaften nur etwa drei Hektaren Land», sagt Jeremias Niggli. Das Land befindet sich auf dem Alpenzeiger, in Erlinsbach und in Suhr.

Aber trotzdem: Bei den Nigglis helfen alle fünf Familienmitglieder auf dem Hof mit. Die Mutter ist sogar ausgebildetet Landwirtin und eine Tochter ist in Ausbildung zur Bäuerin.

Sohn Jeremias ist zuständig für den Futteranbau. Gefüttert werden wollen 15 seltene Engadinerschafe - das sind die mit den auffälligen Ramsnasen und den Hängeohren. Nigglis halten sie für die Fleischproduktion.

Marktstand am Graben

Der Schafstall steht oben auf dem Alpenzeiger, wo man über die ganze Stadt Aarau sieht. Hier gibt es auch einen Hofladen, wo zur Zeit Kürbisse, Äpfel, Kohl und Karotten angeboten werden. Alles Bio. Der Alpenzeigerhof ist ein Bio-Knospenbetrieb. Eine Spezialität ist auch der Verkauf von sehr seltenen Gemüsesorten - alleine 70 Tomatensorten bauen die Nigglis an. 50 Prozent des Gemüses gehört zu pro specia rara. «Unsere Haupteinnahmequelle ist der Markt am Aarauer Graben», sagen die Nigglis.

Wer bei den Nigglis am Marktstand einkauft, der sieht vielleicht zum ersten Mal rote, gelbe und auch weisse «Rüebli».

Und auch Tomaten in allen Farben gehen über den Ladentisch. Im Frühling verkaufen Nigglis jeweils Setzlinge. Den Alpenzeigerhof gibt es bereits seit den 70er Jahren - doch erst seit etwa fünf Jahren wird Gemüse im grösseren Stil angebaut.

Lebendige Familie

«Auch wenn nicht die ganze Familie vom Betrieb leben kann, der Hof ist nicht nur ein Hobby», sagt Jeremias Niggli. Zwar sei das lange Zeit der Fall gewesen, doch seit ein paar Jahren treffe das nicht mehr zu.

Und seine Schwester Anna ergänzt: «Aarau dürfte uns durchaus als zweiten Landwirtschaftsbetrieb auf Stadtgebiet anerkennen.» Manchmal hat sie sich schon richtig geärgert, als sie mal wieder nur vom Binzenhof las: «Hei - wir sind doch auch ein Hof!»

Und was für einer: Die Familienmitglieder erzählen äusserst lebendig vom Betrieb - und ihrer Überzeugung für Bioprodukte. Während des Gesprächs mit der AZ beissen zwei der Nigglis in einen roten knackigen Apfel - Sorte Regine - und man nimmt ihnen ab, dass Bio einfach doch irgendwie gesünder ist.

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