«Wir müssen das Beste daraus machen»

Ein fröhliches Jugendfest mit etwas Wehmut: Zum letzten Mal wurde in Kaiserstuhl mit den Bezschülern gefeiert

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Aargauer Zeitung

Peter Jacobi

«Nach über 100 Jahren ist in ein Kapitel Schulgeschichte abgeschlossen, ein neues Kapitel wird aufgeschlagen.» Mit diesen Worten eröffnete der Kaiserstuhler Stadtammann Fritz Tauer den Festakt am Jugendfest. Die Bezirksschule zieht nach Bad Zurzach, die Kreisprimarschule Belchen kommt nach Kaiserstuhl. Klein, aber fein, überschaubar, regional stark verankert, hoch geschätzt bis über die Landesgrenze hinaus sei sie gewesen, die Bezirksschule. Hunderte von Schülern haben qualitative Bildung vermittelt bekommen, sie erlebten einen Lebensabschnitt in einem sozial überschaubaren und angenehmen Umfeld. Es gelte nun vorwärtszuschauen. «Wir heissen die Primarschüler in Kaiserstuhl willkommen und wollen, dass sie gerne hierherkommen.»

«Wir wollen das Beste daraus machen»

Christian Aeberli, Leiter Abteilung Volksschule im Departement für Bildung, Kultur und Sport, zitierte den vom BKS ausgezeichneten Poetry Slam der Zurzibieter Bezirksschulen: «Hört auf, euer Leben zu verschwenden, das Leben ist das, was ihr daraus macht.»

Es gelte nun das Beste aus der neuen Situation zu machen. Aeberli erwähnte die wichtige Aufgabe der Lehrpersonen; für ihn der wichtigste Beruf auf der Welt: Sie haben es in der Hand, gut ausgebildete, motivierte, fröhliche Menschen machen, die dann wieder einen wichtigen Beitrag leisten für unsere Gesellschaft. Er wünschte der Schule einen tollen Start. «Das Gute wurde zusammengelegt», so fasste Brigitte Felder, Präsidentin der Kreisschulpflege Rheintal-Studenland, den Schritt rheinabwärts zusammen, nachdem seit längerer Zeit klar war, dass die Bezirksschule Kaiserstuhl zu klein ist für den Weiterbestand. Nach dem politischen Entscheid wurde konstruktiv und mit grossem Engagement die Zusammenlegung geplant. Die Bezirksschule Kaiserstuhl sollte im würdigen Rahmen geschlossen werden. «Wie werden die kleinen Pensen aufgeteilt? Welches Material muss wohin? Diese Fragen mussten gelöst werden», sagte sie.

«Dänk possitiv, ned negativ»

Zwischen den Ansprachen zeigten Produktionen von Schülern, wie sich Abschlussfeiern und Schüler im Laufe der Zeit veränderten. 1876, als noch stramme Kadetten und brave Mädchen die Bezirksschule besuchten, herrschte Zucht und Ordnung. Suter Gertrud, mit weisser Schürze, durfte damals nur ein Haushaltjahr machen, weil ihr Vater meinte, dass sie sowieso bald heirate. Lockerer war es 1974, zu der Zeit, als das neue Schulhaus eingeweiht wurde. Die Hippie-Girls tanzten zu «Let the Sunshine In».

Rap ist Trumpf bei der letzten Abschlussfeier 2009, wo die Schüler einen ziemlich lädierten Eindruck machen. Den musikalischen Schlusspunkt setzt der Chor von Lehrpersonen und Schülern, begleitet von Instrumentalisten der Musikschule, unter dem Motto: «Schuel im Fluss, dänk positiv, ned negativ!» Die zum Teil geschminkten Gesichter gaben ein farbiges und fröhliches Bild ab. Neben diesem Festakt waren es Angebote mit Musik, Sport, Kultur und für Geselligkeit, welche den Abschied der Bezirksschule zum fröhlichen Fest machen liessen.