Bettler
«Wir können Bettler nicht festnehmen»

Die Polizei erläutert die Hintergründe und die rechtliche Sachlage zum Thema Bettelei in der Region Baden.

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Bettler in Baden

Bettler in Baden

Aargauer Zeitung

Sarah Carter

Ist man diesen Sommer in Baden oder Brugg unterwegs, sind Bettler den Passanten kein unbekanntes Bild. Manche sitzen im Rollstuhl, andere präsentieren ihre verstümmelten Beine oder versuchen mit Tricks etwas Geld zu erhaschen. «Wer untätig herumsitzt und Geld erbittet, gilt als Bettler», lautet die klare Definition von Max Romann, stellvertretender Chef der Badener Stadtpolizei. Strassenmusiker seien eine andere Sache, sagt er. «Sie können für ihre Tätigkeit eine offizielle Bewilligung einholen.»

Beliebte Aufenthaltsorte der illegalen Bittsteller in Baden sind diverse Unterführungen, das Langhaus und die Promenade an der Limmat. «In Brugg stehen sie oft beim Neumarkt und in der Bahnhofsunterführung», informiert Andreas Lüscher, stellvertretender Chef der Regionalpolizei Brugg. Das Thema hat aktuelle Brisanz, in Bern und Zürich wird von aufwändig organisierten Banden berichtet.

Banden in der Region

Bei der Badener Stadtpolizei stehen die Bettler nicht im Vordergrund, seien aber an der Tagesordnung, sagt Polizeichef Martin Zulauf. Er erhalte regelmässig Meldungen aus der Bevölkerung. «Es ist sogar sicher: Auch in Baden ist ein Grossteil der Bettler in Banden organisiert», stellt er auf Anfrage fest.

Stellvertreter Romann ergänzt: «Die Bettler kommen vorwiegend aus Rumänien und dem Ostblock. Am Morgen werden sie in den Städten verteilt und am Abend mit dem Geld wieder abgeholt.» Dies sei auch in Baden beobachtet worden. Punks und randständige Jugendliche sind jedoch nicht gemeint. Zulauf und Lüscher sind sich einig, diese habe es schon immer gegeben. «Sie sind kein neues Phänomen.»

Razzien zeigen selten Wirkung

Obwohl in beiden Städten das Betteln ausnahmslos verboten ist, lässt sich praktisch nichts gegen Bettler tun. «Wie einen Raser kann man auch Bettler nicht einfach festnehmen», sagt Zulauf. Man könne ihn nur wegschicken. Entdeckt die Polizei einen Bettler oder erreicht sie ein entsprechender Hinweis, sammeln die Beamten dessen Geld ein und verweisen ihn vom Platz. «Im Normalfall befinden sich nicht mehr als 20 oder 30 Franken in der Schale», sagt Romann.

Die Razzien zeigten auch selten Wirkung. Oft würden die gleichen Bettler mehrmals erwischt. In Brugg bestimmt ein neues Polizeireglement über das Bettelverbot, sagt Lüscher. Dort ist, wie in Baden, eine Busse von 50 Franken für das Betteln vorgesehen. Der Betrag wird allerdings aus verständlichem Grund selten erhoben: «Die Bettler lassen ihr Geld schnell verschwinden», sagt Romann.