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«Wir holen die Leute sowieso»

GastroBern schlägt Alarm: Das Rauchverbot gefährde die Existenz der Wirte. In Langenthal nehmen diese die Situation mehrheitlich gelassen.

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Solothurner Zeitung

Julian Perrenoud

Seit Juli leidet die Gastronomiebranche. Das zumindest will GastroBern erkannt haben. Die Dachorganisation der Berner Wirte liess kürzlich verlauten, das Gesetz über den Passivraucherschutz führe bei den Wirten teilweise zu massiven Umsatzeinbussen (wir berichteten). Mehr noch: Es bringe einer ganzen Branche den Ruin. Dieses Fazit stützt sich auf eine Umfrage unter den Mitgliedern: Fast 60 Prozent der teilnehmenden Betriebe beklagten demnach zwischen Juli und Oktober Einbussen.

In Langenthal als Durchschnittsstadt schlechthin müsste das Ergebnis ebenso ernüchternd ausfallen. Doch ein Augenschein bei mehreren Restaurant- und Barbesitzern zeigt: Derart schlecht leben die Wirte mit dem neuen Rauchergesetz gar nicht.

«Jammern können wir nicht»

Bei der Brasserie Quelle neben der Brauerei Hasli-Bier sehen die Verantwortlichen das Verbot gelassen: Alle fünf Jahre werde im Gastrobereich etwas begrenzt, sagt Geschäftsführer Gregory Zimmermann. Aber Gesetz sei Gesetz, damit müsse er sich abfinden. «Wir jedenfalls können nicht jammern.» Die Einnahmen seien in etwa gleich hoch wie letztes Jahr - sie verzeichneten sogar mehr Leute beim Essen. «Und schliesslich sind wir eine Brauerei, keine gewöhnliche Beiz. Wir holen die Leute sowieso.» Nichtsdestotrotz ist Zimmermann gegen ein Gesetz auf Kantonsebene. Einige Beizer müssten deswegen längerfristig ihr Lokal schliessen. Nämlich dort, wo Männer mit dicken Bäuchen und Stumpen im Mund am Stammtisch sässen.

Einen Stammtisch besitzt Werner Althaus, langjähriger Wirt vom Restaurant Neuhüsli. Dieser besteht zwar weiterhin, habe sich seit Sommer aber verändert, findet er. Es herrsche ein grösseres Geläuf in der Beiz, die Gäste gehen immer wieder nach draussen, um zu rauchen. Auch jetzt sitzen sie an den massiven Tischen, jassen und schwatzen. «Doch die angeregten Diskussionen haben abgenommen», sagt Althaus. Gravierend auf seine Geldbörse habe sich diese Entwicklung noch nicht ausgewirkt. Immerhin: Die Luft in der Beiz ist seit dem Rauchverbot deutlich besser geworden. Aber der Wirt ist gegen ein Verbot. Im Speisesaal würde ja eh nicht geraucht.

Reaktion bei Konzerten ist unklar

Im Gasthof Löwen bleiben Vereinsmitglieder seit Sommer weniger lange sitzen. «Manchmal verlassen sie das Lokal und rauchen eine halbe Stunde draussen», sagt Roland Moeri und lacht. Ob das Gesetz bisher Einbussen gebracht hat, kann der Wirt noch nicht sagen. Grobe Raucher habe er hier sowieso nicht - einzig drei bis vier blieben dem Löwen seit Juli fern. «Die meisten haben sich ans Nichtrauchen gewöhnt.» Und wenn sie an ihrem Bier nippend ein Fussball- oder Hockeyspiel auf der Leinwand verfolgen, vergessen sie oft nach draussen zu gehen. Moeri, der selber raucht, findet es gut, dass auch einmal an die Nichtraucher gedacht wird. Die Wirte hätten schliesslich zwei Jahre Zeit gehabt, sich auf das Verbot vorzubereiten. Selber ein Fumoir einzurichten, komme ihm aber zu teuer. «Für eine Zigarette gehe ich sowieso lieber an die frische Luft.»

Seit anderthalb Jahren ist die Bar Provisorium rauchfrei. Das Projekt entstand zusammen mit dem Buchser Schlachthaus. Der Entscheid führt auf eine damalige Umfrage bei den Gästen zurück. «In den ersten Monaten spürten wir die Reaktionen stark», sagt Geschäftsleiterin Irene Ruckstuhl. Mehrere Gruppen, die abends eine Beizentour unternahmen, kamen nicht mehr ins «Prov». Mittlerweile hat sich die Situation entspannt. Ruckstuhl spürt den Unterschied beim Arbeiten: «Die Luftqualität hat sich extrem verbessert.» Jedoch würde sie es begrüssen, könnte jeder Wirt selber entscheiden - und nicht der Kanton. «Denn genau das macht doch die Vielfallt einer Stadt aus.»

Baulich wäre ein Fumoir im Saal des Chrämerhuus schwierig zu realisieren; und oben blockierte es die Galerie. «Diesbezüglich haben wir ein Raumproblem», sagt Gerantin Sandra Antonietti. An der Bar sollten die Gäste rauchen können, das wäre nicht schlecht. «Aber vor dem Verbot hat das die Gäste im Saal gestört.» Probleme mit Rauchern hat Antonietti bisher keine erlebt. Wie sich die Situation künftig an Konzerten präsentiert, wird sich zeigen. Zumindest hat das Chrämerhuus einen gedeckten Vorplatz. Und in den warmen Monaten war Rauchen im Freien sowieso kein Problem.

Mit einem Rauchverbot können in Langenthal alle Wirte leben - ohne aber trotzdem besser.