«Wir hätten wohl ein halbes Jahr gespart»

Seit einem Jahr steht der Wettbewerbsgewinner für den Neubau der Doppelturnhalle im Hermesbühlschulhaus fest. Das Ostschweizer Siegerbüro wurde darauf offenbar links liegen gelassen – bis nun ein Submissionsexperte die Ausschreibung der Generalplanerleistungen mit Berücksichtigung des Gewinnerteams durchsetzte.

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Wolfgang Wagmann

Gleich 96 Teams hatten sich am Wettbewerb um die neue Doppelturnhalle mit Lehrschwimmbecken im Hermesbühl beteiligt - voraussichtliches Auftragsvolumen: rund 8,5 Mio. Franken. Gewonnen hatte ihn das Büro Ventira GmBH im sanktgallischen Diepoldsau mit dem Projekt «Bromo» im April 2008. Kurz zuvor hatte Werner Stebler, Leiter Stadtbauamt, von einem möglichen Baubeginn «Mitte 2009» gesprochen. Am 1. Juli wurde das Projekt im Gemeinderat vorgestellt. Hochbau-Chefin Astrid Peissard hatte schon die GRK informiert, dass man beim Wettbewerb die Honorarleistung ans Siegerbüro statt auf die üblichen 60 auf 46 Prozent begrenzt habe. Damit sei die Stadt in der Zusammenarbeit «flexibler», und der Idee eines allfälligen Generalplaner-Wettbewerbs «unter lokalen Bedingungen» stehe nichts im Wege.

Irgendwo versickert

Danach wurde es sehr still um das Projekt - einzig in der Finanzplandebatte im letzten August erklärte Werner Stebler auf Anfrage, mit einem Baubeginn 2009 sei wohl nicht zu rechnen, da in dieser Zeit keine seriöse Kostenberechnung erstellt werden könne.

Nun erst, vor zehn Tagen, erfolgte die Ausschreibung des Stadtbauamts für die Generalplanerleistungen. Mit einem interessanten Punkt: Das Siegerbüro in Diepoldsau sei mit 42,5 Prozent der Totalleistung zu beauftragen. Erhellendes dazu liefert Thomas Schaad, Präsident der städtischen Kommission. Offenbar wollte man angesichts der mangelnden Erfahrung des Siegerteams mit Grossprojekten ein Konsortium mit zwei erfahrenen Solothurner Büros bilden. Doch der Baujurist Peter Rechsteiner habe interveniert, «bei dieser Bausumme kann man nicht einfach ein Konsortium bilden.» Laut Rechsteiner mussten die Arbeiten speziell ausgeschrieben werden. «Das führte zu einer Verzögerung, die ich sehr bedaure. Bei einer Ausschreibung damals hätten wir wohl ein halbes Jahr Zeit gespart.»

Gar nie zu den Kompetenzen befragt

Für Schaad gibts «am Anfang irgendwo ein Missverständnis», für den Leiter Stadtbauamt, Werner Stebler, entsteht dadurch nur «eine gewisse Verzögerung», habe man doch dazu «paralell einiges erarbeitet.» Er bestätigt lediglich, dass man Rechsteiner angefragt habe, und dieser der Meinung gewesen sei, ein Auftrag von dieser Grösse könne man nicht direkt vergeben, der Generalplanerauftrag sei auszuschreiben. Stebler verteidigt das Vorgehen damit, dass es dem Siegerbüro in Diepoldsau am Knowhow, sprich den nötigen «Spezialisten» fehle.

Dort reagiert Felicitas Wolf vom Büro Ventira GmBH zurückhaltend, aber bestimmt: «Wir wurden nie angefragt, ob wir die nötige Kompetenz hätten.» Und: «Von der Ausschreibung erfuhren wir erst unmittelbar vor der Publikation.» Sicher sei ihr Büro klein, doch könne man entsprechende Planerkapazität engagieren. «Wir sind ja intelligent genug, um bei einer Wettbewerbteilnahme beurteilen zu können, was möglich ist.» Trotz der «Probleme im Hintergrund» freue man sich auf das Projekt, und wolle es mit dem künftigen Partner «mit Energie» angehen.

Das dürfte noch dauern: Am 3. Juli ist Eingabetermin, dann schlägt die beauftragte Firma Stokar + Partner ein Planerteam vor, über das im August die Baukommission befindet. Erst dann, mit dem Ausführungsprojekt, wird das Zeitprogramm erarbeitet. Doch Werner Stebler rechnet jetzt «eher mit einem Baubeginn 2011 als 2010.» Denn «mindestens ein halbes Jahr» daure auch noch der politische Prozess mit dem Passieren der Bauvorlage in der GRK, im Gemeinderat, in der Gemeindeversammlung und an der Urne...

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