Sidonia Küpfer

«Wir haben pro Jahr deutlich mehr Ein- und Austritte als früher», stellt Christoph Schwemmer, Gesamtleiter des Alters- und Gesundheitszentrums AGZ in Dietikon, fest. Grund dafür sei einerseits, dass die Senioren möglichst lange zu Hause bleiben wollten und erst ins Alterszentrum eintreten, wenn es einen handfesten Grund dafür gebe. Dies sei in der Regel ein erhöhter Pflegebedarf.

Mit der höheren Anzahl an Ein- und Austritten gehe auch ein gesteigerter administrativer Aufwand einher, so Schwemmer. Dies habe auch damit zu tun, dass man vermehrt Ferien- oder Probeauftenthalte anbiete: «Die Arbeit für einen Eintritt ist gleich gross, unabhängig ob jemand nur vorübergehend oder auf Dauer bei uns bleibt», erklärt er. «Solch flexible Angebote zu ermöglichen, muss auch künftig das Ziel sein», ist der Gesamtleiter überzeugt.

«Wir stellen fest, dass wir immer öfters mit Spontaneintritten konfrontiert werden», sagt Alfred Sigrist, Gesamtleiter des Alterszentrums Weihermatt in Urdorf. Zu solchen Eintritten komme es jeweils in Notfallsituationen, etwa wenn jemand aus einem Spital oder einer Rehabilitationseinrichtung nicht mehr nach Hause zurückkehren könne.

Man bewirtschafte zwar prioritär eine Interessentenliste, auf der über 100 Personen auf einen Platz im Alterszentrum warten, doch die Spontananfragen häufen sich laut Sigrist. «Der personelle Aufwand bei neu eintretenden Bewohnerinnen und Bewohnern ist in den ersten Wochen überproportional hoch», erklärt er die Konsequenzen dieser Entwicklung. Der oft unfreiwillige Übertritt in eine Alterseinrichtung sei für die Betroffenen schwierig. Die medizinische, aber auch die soziale Betreuung sei anfangs hoch.

«Die Menschen, die zu uns kommen sind gesundheitlich zunehmend in fragilerem Zustand», hält René Brüggemann, Heimleiter des Weininger Alters- und Pflegeheims Im Morgen, fest. In Weiningen führte dies zu einer deutlich vergrösserten Belegschaft: «In den letzten drei Jahren haben wir unseren Mitarbeiterbestand um 20 Prozent aufgestockt», blickt Brüggemann zurück.

Das «Im Morgen» sei momentan zu einem Drittel Pflegheim und zu zwei Dritteln Altersheim, wie Brüggemann erklärt. «Die Tendenz geht aber in Richtung einer erhöhten Pflegebedürftigkeit», wie er festhält. Deshalb sei es gut möglich, dass die Zahl der Mitarbeitenden weiter ausgebaut werden müsse und dass möglicherweise auch eine Vergrösserung der Pflegeabteilung anstehe.

Beatrice Appius, die Leiterin des Hauses für Betagte Sandbühl in Schlieren, stellt fest, dass die Pflege zunehmend anspruchsvoller werde. Dafür gebe es verschiedene Gründe. Viele Senioren blieben heute lange gesund und könnten bis ins hohe Alter daheim wohnen. Sie kämen daher später ins «Sandbühl», bisweilen auch erst, wenn das alleine Wohnen unmöglich geworden sei. Teilweise würden dafür auch finanzielle Gründe angegeben: Die Kosten für eine ältere Person, die viel Pflege benötigt, können für manche zu einer finanziellen Belastung werden, erklärt Beatrice Appius. Der Einzug erfolge dann erst, wenn das Umfeld erschöpft sei oder sich der Gesundheitszustand der Seniorin oder des Seniors stark verschlechtert habe.

Im «Sandbühl» zeichne sich ab, dass der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal künftig steigen werde: «Bewohnerinnen und Bewohner leiden öfter an mehreren Krankheiten gleichzeitig, was den Pflegebedarf erhöht», erklärt Appius eine weitere Beobachtung. «Es gibt Einzelne, die im Grunde eine Eins-zu-eins-Betreuung bräuchten,» schildert sie. Schliesslich bringe das generell höhere Alter auch eine Zunahme von dementen Personen mit sich, was ebenfalls die Beanspruchung des Pflegepersonals erhöhe.

Und schliesslich seien auch die gestiegenen Ansprüche ein Grund für höhere Kosten, wie Christoph Schwemmer anführt: Das Qualitätsbewusstsein sei ausgeprägt, sowohl in Bezug auf die Pflege als auch auf das Wohnen oder die Küche, sagt er.