«Wir bieten Plattformen für Freiwillige»

«Wir bieten Plattformen für Freiwillige»

«Wir bieten Plattformen für Freiwillige»

Seit Jahrzehnten leistet der Gemeinnützige Frauenverein Rheinfelden im sozialen Sektor der Stadt vorbildliche Arbeit. Mit viel Herzblut engagieren sich die Freiwilligen für die Ärmeren und Benachteiligten unserer Gesellschaft, aber auch für Vereine und Institutionen. Seit Frühjahr 2008 trägt Isolde Buset als Präsidentin viel Verantwortung.

Peter Rombach

Frau Buset, das Ehrenamt einer Präsidentin vom Gemeinnützigen Frauenverein Rheinfelden fordert enormes Engagement. Bereuen Sie, die Aufgabe übernommen zu haben?

Isolde Buset: Seit Mai 1997 bin ich im Gemeinnützigen Frauenverein und seit 2008 dessen Präsidentin. Zur Übernahme der Aufgabe, die wirklich viel Freude bereitet, habe ich mich entschlossen, um die Kontinuität vom Wissen sicherzustellen. Bereut habe ich den Schritt nicht. Wir sind ein gutes Team, das viel bewirken kann. Die Ressorts sind optimal besetzt, aber manchmal gilt es auch, zu improvisieren.

Wie stark ist der Gemeinnützige Frauenverein (GFV) im gesellschaftlichen Leben von Rheinfelden verankert?

Buset: Man muss sich vergegenwärtigen, dass der Verein seit 1855 besteht, heute rund 400 Mitglieder zählt und neunzig Aktive im Einsatz hat. Ich denke, wir sind im gesellschaftlichen Leben der Stadt stark verankert. Unsere Standaktionen wie Primeliverkauf oder Useschtuehlete sehen wir vor allem als Öffentlichkeitsarbeit, aber das grosse Geld lässt sich damit nicht verdienen. Unsere Haupteinnahmequelle ist nach wie vor die Brockenstube.

Wo liegen die sozialen Arbeitsschwerpunkte?

Buset: Die Freiwilligenarbeit und damit der soziale Gedanke stehen im Mittelpunkt, bilden gewissermassen die Plattform fürs Engagement. Der Mahlzeitendienst erfordert täglich Grosseinsatz, der Teedienst im Alters- und Pflegeheim Lindenstrasse ist sehr beliebt. Darüber hinaus unterstützen wir diverse Projekte finanziell. Beispielsweise die Schwimmkurse für Kinder des Gesundheitsforums Fricktal, das Altersheim Kloos, den Ferienspass, aber auch Midnight Sports, die Ludothek, das Familienzentrum oder den Verein für Schüler-, Jugend- und Kinderkultur. Unser Aktionsfeld ist halt breit angelegt. Im Vorstand gilt die Maxime, gezielte Hilfen zu bieten. Wir geben auch Institutionen wie Stadtmusik oder Väter- und Mütterberatung einen finanziellen Zustupf. Oder es gibt Geld für den Sozialdienst und die Amtsvormundschaft, damit in Härtefällen eine Weihnachtsbescherung erfolgen kann.

Finden Sie genügend Freiwillige, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen?

Buset: Es ist schwierig. Wir suchten mit einer intensiven Werbekampagne Fahrer für den Mahlzeitendienst und erhielten keine Reaktionen. Um neue Helferinnen und Helfer zu gewinnen, läuft eben vieles nur über persönliche Kontakte. Noch haben wir genügend Leute, um die Dienstleistungen abzudecken, aber es sind keine personellen Reserven vorhanden. Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen. Die meisten Helfenden gehören dem Personenkreis ab 55 Jahren an, die Fahrer im Mahlzeitendienst sind meistens schon pensioniert und wollen dann einer guten Sache dienen.

Wie laufen die verschiedenen Einsätze ab?

Buset: Die Ressortleitungen koordinieren autonom. Nehmen wir den seit Jahren unverzichtbaren Mahlzeitendienst als Beispiel, der sich finanziell selbst trägt. Derzeit stehen 44 Fahrer zur Verfügung. Im November durften wir 615 Mittagsmenüs verteilen. Das erfordert exakte Planung, um unnötige Wege zu vermeiden. Die Logistik muss schon bei der Essensausgabe im Regionalspital stimmen.

Wie hoch ist das jährliche Spendenaufkommen und wer profitiert von dem Geld?

Buset: Der Gesamtspendenbetrag beläuft sich jährlich auf rund 70 000 Franken. Davon gehen allein etwa 20 000 Franken an die Sozialdienste oder die Amtsvormundschaft in Form von Geldgutscheinen. Die Gewinnverteilung erfordert Fingerspitzengefühl und klare Vorstandsentscheidungen. Unter anderem geben wir Geld für die Aus- und Weiterbildung des Personals vom Kinderhort Zottelbär, wir fördern die Freizeitgruppe Körperbehinderte oder helfen der Diakonischen Stelle Rheinfelden bei der Milderung von Härtefällen.

Welches sind die Highlights im nächsten Jahresprogramm?

Buset: (schmunzelt) Unser Jahresprogramm ist immer ein Highlight. Für unser Vereinsleben erscheint es mir aber wichtig, Helferinnentreffen zu organisieren, Begegnungs- und Informationsmöglichkeiten an den Impulstagen zu schaffen. Einen grösseren Einsatz gibt es im nächsten Jahr anlässlich
des Jubiläums 50 Jahre Alten- und Pflegeheim Lindenstrasse. Geplant ist ferner ein Modeapéro bei der Brockenstube. Im nächsten Jahr möchte der Verein eine Ausgabestelle «Tischlein-deck-dich» anbieten, allerdings fehlt noch ein Entscheid über die notwendigen Räumlichkeiten.

Der GFV betreibt die Brockenstube beim Zähringerplatz. Gilt sie als Erfolgsgeschichte?

Buset: Wie schon angedeutet, bildet die Brocki unsere Haupteinnahmequelle. Sie erfreut sich wachsender Beliebtheit in der Bevölkerung, nicht zuletzt dank der günstigen Lage am Zähringerplatz im Städtli. Mit dieser Einrichtung bietet der Verein einen interessanten Treffpunkt und damit auch soziale Kontaktmöglichkeiten. Was vielen nicht bewusst ist: Wir haben hier den grössten Gemischtwarenladen in Rheinfelden.

Seit genau einem Jahr wird eine Ebrocki angeboten; wie funktioniert sie und findet sie überhaupt Anklang?

Buset: Die Idee wurde eigentlich aus der Not heraus geboren. Weil wir in der Brockenstube keinen Platz für grössere Möbel und ähnliches haben, wollten wir dennoch nicht auf einen speziellen Service verzichten. Jetzt können diese Sachen übers Internet angeboten werden. Für eine Vermittlungsgebühr von 10 Franken, welche vollumfänglich der sozialen Tätigkeit zugute kommt, kann über
die Homepage des Vereins (http://www. frauenverein-rheinfelden.ch) ein Angebot mit Foto und Text veröffentlicht werden. Christina Voellmy betreut die Ebrocki und leistet dabei hervorragende Arbeit. Ich bin überzeugt, dass die Benutzerzahl auf der Ebrocki weiter ansteigt.

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