Uitikon
«Wir bieten alles aus einer Hand»

Seit 1983 wirtet der umtriebige Giusep Fry, der mit seinen Methoden nicht selten bei Umweltschützern anstösst, auf dem «Uto Kulm». Nun will er per 1. Januar 2010 den Giardino Verde in Uitikon übernehmen.

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Giusep Fry

Giusep Fry

Limmattaler Zeitung

Flavio Fuoli

Den Giardino Verde, den phantastischen Tropengarten im Uitiker Landwirtschaftsgebiet bei der Dorfausfahrt von Uitikon-Dorf kennt mancher. Apéros und grössere Festanlässe, auch Hochzeiten werden hier gefeiert. Bis zu 600 Personen fasst dieser besondere Ort. Giusep Fry, 50, seit 1983 Wirt und seit 1999 Besitzer des «Uto Kulm», wird vom Gipfel heruntersteigen und ab neuem Jahr den Giardino parallel zum Kulm bewirtschaften.

Herr Fry, Sie übernehmen per 1. Januar 2010 für zehn Jahre den Tropengarten Giardino Verde in Uitikon. Was haben Sie mit ihm vor?
Giusep Fry: Ich führe ihn so weiter wie bis jetzt. In Zukunft will ich einfach die Zugänglichkeit etwas erhöhen. Am ersten und letzten Sonntag soll der Restaurantteil öffentlich zugänglich sein. Verändern wird sich, dass der Kunde nur noch einen Ansprechpartner hat. Vermietung, Catering, technische Infrastruktur und Dekoration wird alles durch uns aus einer Hand organisiert. Das ist einfacher für Kunden und flexibler von den Kosten her.

Bleibt der Tropengarten so, wie er ist?
Fry: Ja, er bleibt so. Es gibt keine Veränderungen in den tropischen Gewächshäusern.

Muss man sich den Giardino Verde als Ergänzung zu Ihrem Betrieb auf dem Üetliberg vorstellen?
Fry: Das sind zwei paar Schuhe und nicht zu vergleichen. Den Giardino Verde kann man grundsätzlich nur für geschlossene Gesellschaften mieten. Wir werden aber Synergien nutzen, wenn Kapazitäten vorhanden sind. Man kann beides anbieten, wenn oben oder unten voll ist. Auch die Mitarbeitereinsätze sind zu kombinieren. Der Sales- und Marketingbereich kann gewisse Synergien nutzen.

Der Eventbetrieb der Gärtnerei ging 2003 in Konkurs. Haben Sie keine Angst, dass der Betrieb nicht rentabel sein könnte?
Fry: Wir sind in einer schwierigen Wirtschaftslage, wo bei den Events gespart wird. Ich bin aber Optimist, dass sich das erholt. Wir hatten in den letzten 20 Jahren etliche Korrekturen gehabt, zum Beispiel die 90er-Jahre oder 2001. Gewisse Korrekturen schaden manchmal nicht. Genau in solchen Zeiten ist es wichtig, dass man sich richtig positioniert.

Ein Gestaltungsplan steht in Aussicht

Uitikons Bauvorstand Rinaldo Benedetto begrüsst in Namen der Gemeinde, «dass es beim Giardino Verde vorwärts geht, er ist ja keine Visitenkarte», wie er auf Anfrage sagte. Für die Gemeinde dränge sich auch nach dem kürzlich erfolgten Besitzerwechsel keine Änderung der Praxis auf. Benedetto bezieht sich auf den Regierungsratsbeschluss von 2001. Es sei irrelevant ob die Event AG, also die Gewächshäuser, einen Pächterwechsel erfahren hätten. Wichtig sei die Bestimmung, dass mit dem Giardino Verde zwingend eine landwirtschaftliche Nutzung der Gärtnerei verbunden sei. Das sei mit dem Pachtvertrag durch die Gärtnerei Lüscher gewährleistet. Diese würde laut Benedetto zwei Drittel des Gebiets bewirtschaften. Benedetto glaubt auch, dass mit der Übernahme der Event AG durch Fry dort investiert wird, «statt es verlottern zu lassen». Die Gemeinde sehe im Moment keinen Handlungsbedarf. Dagegen hat der neue Eigentümer der Anlage einen privaten Gestaltungsplan initiiert, der für saubere, klare Verhältnisse sorgen soll, denkt Benedetto. Sollte er realisiert werden können, wären Verhältnisse wie auf dem Üetliberg nicht möglich, denkt der Bauvorstand. Benedetto spricht von Verbesserung durch gewisse Zugänglichkeiten für die Öffentlichkeit und der Sorge ums dortige Naherholungsgebiet. Der private Gestaltungsplan soll frühestens 2010 vor die Uitiker Gemeindeversammlung. Zuvor werde man die Bevölkerung im Rahmen einer Informationsveranstaltung über das Vorhaben aufklären. (fuo)

Was heisst das in Ihrem Fall?
Fry: Dass man für ein solches Produkt den Bekanntheitsgrad steigert und die Leute eher wieder hierher kommen. Momentan ist der Bekanntheitsgrad des Giardino Verde nicht so hoch.

Wie machen Sie das?
Fry: Indem wir alles aus einer Hand anbieten und so auf den Kunden zugehen. Bis jetzt hatte der Giardino Verde den Ruf, teuer zu sein. In Zukunft werden wir die Preise um einiges erschwinglicher machen.

Wie wollen sie den Bekanntheitsgrad steigern?
Fry: Es gibt viele Eventagenturen, die gute Lokalitäten und Partnerschaften suchen. Wenn wir hier einen guten Preis anbieten, ist es einfach. Bei uns ist es spezieller als bei anderen Mitbewerbern.

Derzeit gibt es vom Kanton Hindernisse wegen der Zonenkonformität des Betriebs, weil er in der Landwirtschaftszone liegt. Der Besitzer will ein neues Konzept ausarbeiten lassen. Werden Sie dort aktiv mitwirken, damit Sie wie gewünscht am 1. Januar loslegen können?
Fry: Da muss man etwas ausholen. Frau Vetterli, die jetzige Betreiberin des Giardino Verde, hat die Lokalität gemietet. Ich habe den Pachtvertrag von ihr übernommen. Sie kam vor einem Jahr auf mich zu, weil sie 2009 aufhören wollte. Die Besitzerin des Areals inklusive Gewächs- und Wohnhaus ist die Firma Winanatura. Für mich war wichtig, dass das Land herum bewirtschaftet wird. Ich habe die Firma Lüscher Gartenbau ins Spiel gebracht, ich kenne sie seit Jahren. Das ganze Grundstück soll auch für die Gemeinde und die Umgebung nachhaltig attraktiv und zukunftsgesichert sein. Das kann man nur mit einer Gärtnerei erreichen. Lüscher hat schon angefangen und gewisse Sachen aufbereitet.

Was bedeutet aufbereiten?
Fry: Er hat das Land dementsprechend angefangen zu bewirtschaften. Es gibt voraussichtlich eine Baumschule mit Schaugärtnerei und gewissen öffentlichen Bereichen. Wichtig ist: Die Umgebung soll in Schuss gehalten werden.

Werden Sie dabei aktiv mitwirken?
Fry: Ich habe auf die ganze Umgebung keinen Einfluss. Mein Einfluss ist, die Firma Lüscher mitgebracht zu haben. Das ist eine grosse Chance, damit das Grundstück in den nächsten fünf Jahren zum Bijou werden kann. Das bedeutet, dass das Konzept für die Zukunft des Geländes vorangetrieben wird. Im August gibts diesbezüglich eine erste Sitzung mit dem Kanton, hier ist ja Landwirtschaftszone.

Befürchten Sie ähnliche Probleme wie auf dem Üetliberg, wo Sie im Dauerclinch mit Umweltschützern stehen, die Ihnen illegales Bauen vorwerfen?
Fry: Das kann man nicht mit dem Üetliberg vergleichen. Ich bin ja nur Pächter der Gewächshäuser und habe mit dem Baulichen nichts zu tun. Deshalb sollten keinen Probleme entstehen. Sicher auch, weil die Umgebung durch die Firma Lüscher bewirtschaftet wird.

Stehen Sie im Kontakt mit der Gemeinde Uitikon?
Fry: Kontakt ist da vor allem über das Nutzungskonzept durch die Firma Lüscher und Winanatura. Ich bin daran nicht beteiligt, aber die Gemeinde weiss sicher, was hier unten läuft.

Ihr Vertrag läuft für zehn Jahre. Und was dann?
Fry: Das ist ein längerfristiges Engagement, denn wir haben noch eine Option drauf. Aber zehn Jahre ist ja schon mal eine lange Zeit . . . (lacht). Wenn sich die Geschichte mit dem Konzept rundherum gut entwickelt, kann man sich sicher längerfristige Ziele setzen.

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