Wieder tauchte ein Stück römisches Erbe auf

Bei Aushubarbeiten für ein Einfamilienhaus sind in Villigen Mauerreste aus der Römerzeit zum Vorschein gekommen. Nicht ganz unerwartet. Aufgrund früherer Funde geht man davon aus, dass in diesem Gebiet einst eine römische Villa gestanden hat.

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Aargauer Zeitung

Louis Probst

«Jetzt haben wir gerade unseren bisher schönsten Fund gemacht», sagt Ausgräber Daniel Huber und zeigt eine Münze. Das Fundstück ist zwar stark abgegriffen. Immerhin aber lässt sich noch recht deutlich der Kopf eines bärtigen Mannes erkennen. Zum Vorschein gekommen ist die Münze bei der Freilegung von Mauerresten im Gebiet Schürmatt in Villigen, auf die man bei Aushubarbeiten gestossen war.

Keine Überraschung

«Das hat uns nicht überrascht», sagt Luisa Galioto, Leiterin der Ausgrabungen der Kantonsarchäologie, zu den Funden von Mauerresten. «Wir haben so etwas erwartet. Die Gebäudestrukturen dürften im Zusammenhang mit dem römischen Gutshof stehen, der in diesem Gebiet gestanden hat. Die Kantonsarchäologie nimmt jetzt eine baubegleitende Grabung vor. Ende dieser Woche werden unsere Arbeiten abgeschlossen sein. Dann werden wir mehr wissen.»

Bereits 1958 waren im Gebiet Schürmatt - wie Max Baumann in seinem sozusagen noch druckfrischen Buch «Villigen. Die Geschichte» schreibt - bei Grabarbeiten Mauerreste aus der Römerzeit zutage getreten. Bei der Freilegung hatte sich gezeigt, dass es sich um die Überreste einer Badeanlage handelte, die zu einer römischen Villa gehört haben musste. 1986 stiess man ganz in der Nähe wiederum auf Mauerreste, die von den Fachleuten als Abschlussmauer der Villa gedeutet wurden. Die römische Vergangenheit dieses Gebietes hat denn auch in den Strassenbezeichnungen Römerstrasse und Römergut ihren Niederschlag gefunden.

Mauern und eine Feuerstelle

«Wir hatten eine Sondierung gemacht, um festzustellen, wie tief die Schicht reicht», erklärt vor Ort David Wälchli, der technische Leiter der Grabung. Unmittelbar neben dem tiefen Sondierungsgraben ist jetzt sehr schön der Verlauf einer recht dicken Mauer aus Kalksteinbrocken zu sehen.

Während David Wälchli die Mauer in einer akribischen Zeichnung festhält, legt Daniel Huber mit der Schaufel weitere Partien frei. David Wälchli deutet auf ein Geviert aus Ziegelsteinen. «Eine Feuerstelle», sagt er. Den Münzfund nimmt er eher gelassen. «Es kann immer Einzelfunde geben», sagt er. «Wir haben auch etwas Keramik gefunden. Das Übliche eben, was man in einem Gutshof so findet. Aber das kann sich natürlich noch ändern.» Ob er dabei an den Kopf der römischen Göttin denkt, den man dieser Tage in Windisch gefunden hat?