Lukas Bertschi

Fremdartige Düfte, Diskussionen in exotischen Sprachen, mit Händen und Füssen verhandelt Lienhard mit einem Händler. Trotz flimmernder Hitze herrscht ein reges Treiben in den Basargassen.

Dies sind Erinnerungen von Simon Lienhard an die «Silberstadt» Tiznit im Süden von Marokko. Seine grünblauen Augen schweifen beim Erzählen in die Ferne. Tiznit liegt am Rande der Sahara, der 24-jährige Schweizer verbrachte dort zwanzig Tage seiner zwei Monate dauernden Reise durch das nordafrikanische Land.

Im Alter von 18 Jahren ging er auf seine erste längere Reise. Er sah damals keine Perspektive in der Schweiz, so flog er auf gut Glück nach Mexiko. Nur einige Kleider und Bücher hatte er im Gepäck. Im Land angekommen, fand er eine Stelle als Réceptionist in einem Hotel.

In Mexiko das Kunsthandwerk erlernt

«Die spanische Sprache habe ich ziemlich schnell gelernt», sagt Lienhard. Zudem setzte er sich mit der mexikanischen Kultur auseinander. Besonders hatten es ihm die Artesanos angetan, das sind die mexikanischen Kunsthandwerker. Am Tag stellen sie aus einfachen Materialien wie Muscheln und Holz Schmuck her und am Abend verkaufen sie ihn auf den grossen Plätzen. Viele Abende verbrachte er mit dem Knüpfen von Armbändern und Halsketten. «Diese Arbeit hat mich sofort fasziniert», so Lienhard.

Nach der Rückkehr in die Schweiz widmete er sich vollständig der Herstellung vom Schmuck. An Flohmärkten in Baden, Aarau und Wettingen fing er an, den selbst hergestellten Schmuck zu verkaufen. «Ich hatte aber schnell Fernweh, es zog mich wieder weg», sagt Lienhard. Er reiste in wärmere Gefilde wie Marokko, Ägypten, Tunesien, aber auch ins Baltikum, nach Lettland, Estland und Litauen.

Gefahr erst danach wahrgenommen

Zweimal verbrachte er längere Aufenthalte in Thailand. Zu Fuss, mit dem Zug und dem Schiff sowie mit dem Motorrad hat er das ganze Land erkundet. Zusammen mit zwei Freunden hat er sich, mit Moskitonetz und Machete ausgerüstet, auf eigene Faust in den Dschungel aufgemacht. «Wir sind einfach querfeldein gewandert», meint der Badener. Mit einem verschmitzten Grinsen fügt Lienhard hinzu: «Wir haben die Gefahr erst im Nachhinein richtig wahrgenommen.»

Neben den vielen schönen Erfahrungen hat Lienhard auf den Reisen auch die andere Seite der Welt gesehen. «In Burma war es richtig krass», sagt er. Erstmals verschwindet das Lächeln aus Lienhards Gesicht. Von Thailand ist er über eine Brücke nach Burma eingereist. Auf der Brücke gab es sehr viele Bettler. Die Einreise ohne touristischen Führer war nicht gestattet. «Heute würde ich nicht mehr so viel riskieren», so der Badener. Der Unterschied zwischen dem armen Thailand und dem noch ärmeren Burma schockte ihn.

Er freut sich auf seine Tochter

Im vergangenen August hat Simon Lienhard Malatree Panchula geheiratet. Er hat seine Frau aber nicht auf Reisen, sondern in der Schweiz kennen gelernt. Im nächsten Januar erwartet das Paar ein Mädchen. «Natürlich kommt viel Verantwortung auf mich zu, aber ich freue mich darauf», sagt Lienhard. Auch aus diesem Grund hat er an der Landstrasse in Wettingen ein Schmuckgeschäft eröffnet. Zusammen mit seiner Frau stellt er aus Perlen, Bernstein, Silber, Korallen und Edelsteinen Halsketten und Armbänder her.

«An das Sesshaftwerden muss ich mich erst noch gewöhnen», sagt Lienhard mit einem Schmunzeln. Doch: «Auch wenn ich momentan vom Reisen nur träumen kann, lebe ich doch einen Traum», sagt Lienhard.