Wie zwei Landwirte mit Hanf nur legale Geschäftemachen wollten

Zwei Landwirte aus Teufenthal verpachteten Felder für viel Geld. Sie hätten merken müssen, dass der vom Pächter gezogene Hanf für Drogengeschäfte missbraucht wurde – findet der Staatsanwalt.

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Hanf, Bauern und ein Richter

Hanf, Bauern und ein Richter

Deborah Balmer

Einen Moment lang hielten die beiden Teufenthaler Bauern den Atem an, als der Gerichtspräsident in Unterkulm, Christian Märki, zum Urteil ansetzte. Wie würde er wohl urteilen?

Schon in der Verhandlung hatte Märki den Angeklagten kritische Fragen gestellt: «Dachten Sie tatsächlich, das Hanf-Bier rentiere dermassen, dass ein solch stolzer Pachtzins bezahlt wurde?» Und ob sie denn nie an Drogenhanf gedacht hätten.

Über mehrere Jahre hatten die beiden Landwirte einen Teil ihrer Felder an eine Firma aus Aarau verpachtet, die vordergründig industriell Hanf verarbeitete. «Ein Pachtzins von 4000 Franken pro Hektare Land hätte sie doch stutzig machen müssen», sagte der Richter zu den Bauern.

Beide sahen die Teebeutel und das Hanfbier. Vor Gericht beteuerten sie, stets davon ausgegangen zu sein, dass der Hanf ausschliesslich für Bier, Tee und ätherische Öle verwendet wurde.

Alltagsgeschäft der Bauern

Dies stimmte allerdings nicht: Der in Teufenthal getrocknete Hanf gelangte zumindest teilweise in den Drogenmarkt. Für die Staatsanwaltschaft Grund genug, auch die Bauern anzuklagen: Sie hätten zum unbefugten Anbau von Hanfkraut zur Gewinnung von Betäubungsmitteln und damit zum gewerbs- und bandenmässigen Handel mit Betäubungsmitteln vorsätzliche Hilfe geleistet. Der Staatsanwalt stellte einen Strafantrag von neun Monaten bedingt und je eine Busse von 500 Franken für die beiden.

Das Gericht in Unterkulm urteilte allerdings anders: «Die beiden Angeklagten sind in allen Punkten der Anklage vollumfänglich freizusprechen», so Christian Märki in seinem Urteil.

Die zwei Bauern konnten ausatmen. Auch wenn der Pachtzins von 4000 Franken höher war als üblich, haben sie laut Richter ihr Alltagsgeschäft erledigt. Und nicht zuletzt sei der Preis auch abhängig von Angebot und Nachfrage. «Es fehlt ein vorsätzlicher Tatbestand.»

Vergleich mit einem VW-Bus

Er verglich es mit einem Autohändler, der einen VW-Bus vermietet. «Wenn damit Hanf transportiert wird, ist zwar eine Anzeige zur Gehilfenschaft möglich – allerdings muss das Alltagsgeschäft separat betrachtet werden.»

Hinzu kommt, dass der Anbau von Hanf laut Bundesgericht nicht illegal ist. Denn Hanf kann auch zu Industriezwecken verwendet werden. Noch heute stapeln sich beim einen Bauern in der Scheune flaschenweise Hanfbier, eine Menge Tee und ätherische Öle, mit der die Firma auch gehandelt hatte.

Weniger gut weg kam vor Gericht ein weiterer Angeklagter, der ebenfalls mit dem ominösen Firmeninhaber bekannt war: Er half diesem, die Hanfblüten von der Pflanze abzutrennen, und hatte mit Hanf gehandelt.

Obwohl auch er vor Gericht beteuerte, nichts von Drogenhanf gewusst zu haben, wurde er für schuldig erklärt. Er bekam eine Geldstrafe von 1600 Franken bedingt verhängt und eine Busse von 500 Franken.

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