Wie werde ich glücklich?

Die mit 22 Jahren jüngste Baselbieter Landrätin, Sabrina Mohn (CVP), hat sich für ihre 1.-August-Rede in Aesch ein grosses Thema ausgesucht: das Glück.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Birgit Günter

Nie, nie hat man selber Glück. Den Zug verpasst man um eine Sekunde, der Traumjob wird einem vor der Nase weggeschnappt und in den Ferien ist das Wetter zum Heulen - das Leben eine Ansammlung voller Pech-Näpfchen. Und hätte man mal einen Sechser im Lotto, hätte der Hund sicher den Lottozettel gefressen.

Stopp. Mit einer solchen Einstellung will Sabrina Mohn, mit 22 Jahren jüngste Baselbieter Landrätin, nicht durchs Leben gehen. «Wir Schweizer dürfen ein glückliches Leben führen», meint sie eindringlich. Laut einer Studie seien die Schweizer hinter den Dänen sogar das zweitglücklichste Volk Europas. «Wir jammern also auf sehr hohem Niveau», betont sie und erntet prompt vereinzeltes Gelächter.

Trotz all der wunderbaren Eigenschaften der Schweiz - «pünktliche Züge, gutes Gesundheitssystem» - sehe sie aber am Morgen viele Leute mit einem «sauren Stein», fährt sie fort.

Dieses Missverhältnis zwischen sonnigen Umständen und nebligen Seelenzuständen hat die Aescherin motiviert, ihre 1.-August-Ansprache ganz ins Zeichen des Glücks zu stellen und den Zuhörern die fünf Arten des Glücks vorzustellen, die sie selber kürzlich beim Lesen eines Buches* gelernt habe.

Erstens gebe es da das Glück des Moments. «Das kann ein Stück Schoggi sein oder ein kühles Bier», sagt die Präsidentin der Jungen CVP Baselland. Von solchen Glücksmomenten wimmle es im Alltag nur so. «Aber wir schenken ihnen zu wenig Aufmerksamkeit», bedauert Mohn. Der Weg zum Glück sei darum simpel: «Wir müssen einfach unsere Achtsamkeit für solche kleinen Glücksmomente erhöhen.»

Die zweite Glücksform, das Glück der Fülle, zielt in eine ähnliche Richtung. Dazu gehöre die Schönheit der Natur oder auch die Stille. Noch weniger fassbar ist das Glück des Zufalls, worunter Lottogewinne fallen, aber auch Treffen mit Menschen. «Diese Glücksart ist überhaupt nicht planbar», so Mohn. Umso wichtiger sei es, stets dafür offen zu sein - «und den richtigen Moment zu erkennen und die Chance dann auch zu packen.»

Das Glück der Selbstüberwindung sei ihr persönliches Lieblingsglück. «Da geht es darum, den inneren Schweinehund zu überwinden, etwa bei einem Marathon.» Dieses Glück finde man, wenn man seine Zeit nutze - auch für unangenehme Sachen. «Unkraut jäten macht keinen Spass - aber wenn man das Resultat nachher sieht, ist man glücklich.» Mohn plädiert in diesem Zusammenhang auch für mehr Engagement für die Gesellschaft und sie lobt den bereits einzigartig hohen Anteil von Freiwilligenarbeit in der Schweiz. Ob alle diesen Werbespot mitbekommen, ist jedoch fraglich. Just zu dieser Zeit bimmeln sich die Kirchenglocken die Seele aus dem Leib, und ein paar Frauenfürze geben ihren Senf dazu.

Bei der fünften Form, dem Glück der Gemeinschaft, sind die Aescher aber wieder ganz Ohr. «Dazu gehören Liebe, Freundeskreis und Familie.» Langfristig gesehen sei dieses Glück das wichtigste. «Glück kommt selten allein», bilanziert Mohn. Jetzt aber wolle sie dem Glück der Zuhörer nicht mehr weiter im Wege stehen. Mit der Aufforderung «Geniessen Sie», schliesst sie ihre knapp zehnminütige Ansprache.

Für Mohn war die Rede eine Art Feuertaufe. Die 22-Jährige ist seit Anfang Juli die jüngste Baselbieter Landrätin - da das Parlament aber derzeit Ferien hat, hat sie ihr Amt noch gar nicht angetreten. Eines hat sie ihren zukünftigen Ratskollegen bereits voraus: Sie hat nicht länger geredet als nötig. Auch ein Zuhörer kommentiert anerkennend: «Die hat das gut gemacht.» Dies wiederum dürfte Sabrina Mohn glücklich machen.

*Eckart von Hirschhausen: «Glück kommt selten allein»; Anmerkung der Redaktion