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Wie wenn sie «läbig» wären

Der Jäger: Ein besonders eindrückliches Ausstellungsobjekt ist dieser Hecht, neben dem Wels der grösste Raubfisch in unseren Gewässern.

Hecht

Der Jäger: Ein besonders eindrückliches Ausstellungsobjekt ist dieser Hecht, neben dem Wels der grösste Raubfisch in unseren Gewässern.

Mit seiner Sonderausstellung zum Thema Fische schreibt das Naturmuseum einmal mehr Geschichte. Die Eigenproduktion be-fasst sich mit der einheimischen Fischfauna und be-eindruckt durch einmalig schöne Fischpräparate. Wie immer wird die Ausstellung später auch in anderen Städten zu sehen sein.

Katharina Arni-Howald

In der Regel tun sich Museen schwer mit Fischen. Walter Künzler, Konservator des Naturmuseums Solothurn, weiss, warum: «Fische haben kein dickes Fell, das man ihnen über die Ohren ziehen kann, und sind deshalb auch nicht zum Ausstopfen geeignet.» Das sei auch der Grund, weshalb die Museumsfische früher in Gläser eingelegt worden seien. Später habe man sich in den Ausstellungen mit Gussabzügen behol-fen und in den Siebzigerjahren schliesslich handbemalte Abgüsse aus Silikon hergestellt. Befriedigt hat dies Künzler nie: «Wir haben die Fortschritte in der Präparationstechnik aufmerk-sam verfolgt.»

«In Spitzenqualität»

Im Sommer 1996 war es dann so weit. Dem inzwischen weltweit ausgezeichneten Präparator Matthias Fahrni gelang zuerst der Durchbruch. Noch im selben Jahr schloss Walter Künzler mit ihm einen Werkvertrag ab - und sicherte damit dem Naturmuseum Solothurn das Exklusivrecht auf plastifizierte Fische. Ab 2004 arbeitete mit Rudy

Auf der Maur ein weiterer Schweizer Präparator an den in Auftrag gegebenen Fischen. Eine aufwändige Arbeit, wie sich herausstellte, denn erst 13 Jahre später konnte das Museumsteam jubeln. Denn als erstes Museum in der Schweiz bekam das Naturmuseum Solothurn eine vollständige und einmalige Sammlung von einheimischen Fischen nach der neuen Präparationsmethode. «Und zwar in Spitzenqualität», wie Künzler betont.

Und wie schwimmen sie?

Doch nicht nur die Präparation von Fischen ist schwierig. Kopfzerbrechen bereitet den Museen auch, sie artgerecht auszustellen und den Eindruck des Schwimmens zu vermitteln. Auch dies ist dem Museumsteam in Solothurn gelungen. Es hat die lackierten Fischpräparate zu diesem Zweck auf transparente Plexistreifen montiert und auf zwei verschiedenen Ebenen vor ein hinterleuchtetes Rückwandbild gestellt. Der damit erzielte Effekt in den einzelnen Vitrinen ist einmalig schön und vermittelt das Gefühl, vor einem Aquarium zu stehen.

«Aus fernen Ländern»

Dargestellt werden die verschiedenen Fischarten in ihren spezifischen Lebensräumen, die vom Bergbach bis zum Meer reichen. Selbst der Goldfisch hat seinen Platz in der Ausstellung erhalten. Er teilt den Schaukasten «Aus fernen Ländern» mit anderen exotischen Freunden, während sich in einer anderen Vitrine der Hecht, die Rotfeder und die Blicke im Schilf verstecken. Und während die Besucher im Eingangsbereich auf einen mit der Silbermedaille ausgezeichneten «Schneider» von Matthias Fahrni stossen, können sie im Untergeschoss eine 2008 mit Gold prämierte Groppe schwimmen sehen.

Sind Fische stumm?

Die einzelnen Tafeln greifen brisante Themen auf und gehen Fragen über das menschliche Ess- und Freizeitverhalten, Flussverbauungen, Stauwehre und schmutzige Gewässer nach. Zum Thema gemacht werden auch das grosse Fischsterben, der Fischfang, die nicht immer geglückte Fischzucht und der Tierschutz. Auch auf unspektakuläre Fragen finden kleine und grosse Besucherinnen und Besucher eine Antwort. So lässt sich die Frage, ob ein Fisch wirklich stumm ist, anhand des Fisch-stimmenkastens beantworten, und bei der «Grossen Lachsreise» können sich die Besucher in einen Lachs versetzen, der zur Paarungszeit in sein Laichgewässer hochsteigen möchte und dabei vielen Gefahren und Hindernissen ausgesetzt ist.

Wer Lust hat, kann an der «Fisch-Box» sein Wissen testen, und den ganz Kleinen wird das grosse Fischpuzzle Freude machen, während sich die Grossen vom Binokulartisch angezogen fühlen werden. Und alle, die in die in die Ausstellung eintauchen, stossen noch auf einen ganz anderen Fisch. Es ist der riesige, aus den Tiefen des Aeschisees kommende Märchenfisch «Wuhubari», dessen aufgesperrtes Maul nicht Angst machen, sondern dazu einladen soll, einzutreten. In seinem grossen Bauch können mutige Mädchen und Buben Fischmärchen hören.

Das Naturmuseum Solothurn hat erstmals ein farbiges Familienheft mit Arbeitsblättern herausgegeben. Es ist für 16 Franken im Museum erhältlich. Mehr zur Sonderausstellung «Fische im Naturmuseum», die bis im Oktober dauert, unter www.naturmuseum-so.ch

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