Wie viele Ambulanzen sind genug?

Grossaufgebot - Bei einem Unfall mit zwei Verletzten in Oberlunkhofen standen fünf Sanitätsfahrzeuge im Einsatz. (Bild: mzm)

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Grossaufgebot - Bei einem Unfall mit zwei Verletzten in Oberlunkhofen standen fünf Sanitätsfahrzeuge im Einsatz. (Bild: mzm)

Ein Motorradfahrer fährt innerorts auf ein Auto auf und stürzt. Er und seine Sozia werden verletzt. Zum Unfall rücken drei Ambulanzen, ein Notarztwagen und ein Noteinsatzfahrzeug mit Blaulicht aus. Ist ein solcher Aufwand noch vertretbar, oder macht da jemand auf Kosten von Unfallopfern Kasse?

Toni Widmer

Welcher Ambulanzdienst bei einem Verkehrsunfall im Aargau ausrücken muss, ist klar definiert: «Privaten und öffentlichen Rettungsdiensten sind die jeweiligen Einsatzgebiete fest zugewiesen. Sie werden im Bedarfsfall über die ELS 144 (Einsatzleitstelle) aufgeboten», erklärt Heini Erne, Leiter Fachstelle Rettungs- und Katastrophenwesen im Kanton.

Für Oberlunkhofen ist der Beriker Rettungsdienst Intermedic zuständig. Er wurde von der ELS 144 aufgeboten, als dort am 25. April der eingangs geschilderte Unfall passierte. «Alle Ambulanzen sind mit GPS ausgerüstet. Auf der Einsatzzentrale ist jederzeit ersichtlich, welche Fahrzeuge frei sind. Intermedic stellt dem Aargau zwei Fahrzeuge zur Verfügung. Zum Unfallzeitpunkt um 12.30 Uhr war eines davon in Spreitenbach im Einsatz. Weil zwei Verletzte gemeldet worden waren, hat die ELS gemäss Rückfallebene die erforderliche zweite Ambulanz umgehend vom Rettungsdienst des Spitals Muri angefordert», erläutert Erne das Alarmierungs-Szenario.

Drei Teams, ein Arzt, ein Einsatzleiter

Vor Ort waren am 25. April um 12.45 Uhr schliesslich zwei Ambulanzen von Intermedic und eine des Spitals Muri, dazu der Notarzt von Intermedic sowie ein Einsatzleiter, beide mit eigenem Notfallfahrzeug und Blaulicht. Der Intermedic-Einsatzleiter war gar von Spreitenbach her mit Blaulicht angerückt.

«Dem gemeldeten Ereignis angepasst sind von der ELS zwei Ambulanzteams aufgeboten worden, die vor Ort je eine verletzte Person betreut und anschliessend ins Spital geführt haben. Diese zwei Ambulanzteams können für ihren Notfalleinsatz auch Rechnung stellen», sagt Heini Erne. Ob ein Notarzt vor Ort nötig war, will er nicht beurteilen: «Je nach Schwere der Verletzungen macht es durchaus Sinn, dass bei einem Unfall auch ein Notarzt auf den Platz kommt. Entschieden wird über die Notwendigkeit aber jeweils nicht von der ELS 144, sondern vom Rettungsdienst.» Der ELS 144, erklärt Heini Erne, müsse ein solches Aufgebot jedoch gemeldet werden: «In der Regel darf im Bereich der Sanität ein Fahrzeug nur mit Blaulicht fahren, wenn wir davon wissen.»

Zum Thema Einsatzleiter sagt der Chef der Fachstelle Rettungs- und Katastrophenwesen: «Der Einsatzleiter im Sanitätsbereich kommt bei grösseren Ereignissen zum Einsatz. Seine Aufgabe ist es, auf einem Unfall- oder Schadenplatz den Kontakt zu Feuerwehr und Polizei herzustellen und den Einsatz der Sanitätsleute zu koordinieren. Bei einem Verkehrsunfall mit zwei Verletzten braucht es ihn meiner Ansicht nach aber nicht.»

Allerdings: Die Funktion eines Einsatzleiters im Sanitätswesen ist noch relativ neu und demzufolge sein Einsatz auch noch nicht bis ins letzte Detail definiert. «Es ist vorgesehen, diese Funktion in einem zukünftigen Sanitätskonzept festzusetzen und auch exakt zu umschreiben», erklärt Heini Erne dazu.

Kontrolle nur bei Reklamationen

Zur Frage der Kosten. Wird die Verhältnismässigkeit von Sanitätseinsätzen bei Unfällen regelmässig überprüft oder bleibt es allein den Rettungsdiensten überlassen, welche Mittel sie einsetzen und was sie letztlich berechnen? «Wir kontrollieren in der Regel nicht, sondern gehen davon aus, dass die Rettungsdienste ihre Mittel verhältnismässig einsetzen und gegenüber den Patienten korrekt abrechnen. Kommen Zweifel an der Transparenz einer Abrechnung auf, gehen wir der Sache jeweils sofort auf den Grund», sagt Heini Erne.

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