Wie schnell doch die Zeit vergeht!

Die Austauschschülerin Tanja Enseroth aus Wölflinswil ist nun schon über drei Monate in der Dominikanischen Republik. Der Dezember ganz ohne Kälte, Kerzen und Guetzli ist ungewohnt - Der 6. Dezember wird beispielsweise mit einem grossen Treffen gefeiert, an dem die Kinder den Eltern Tänze vorführen und die Familienmitglieder geschminkt werden.

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Schminken in der Karibik

Schminken in der Karibik

a-z.ch News

Da bin ich mittlerweile schon über drei Monate hier in der dominikanischen Republik, geniesse die Sonne und die Wärme, als plötzlich der Dezember vor der Türe steht. Ohne Vorwarnung und ohne Schnee.

Ich glaube, für mich stellen diese Wochen die bisher grösste kulturelle Herausforderung dar. Während die Adventszeit in der Schweiz eine eher besinnliche Zeit mit Kerzen, Tee und „Guetzli" ist, wird diese hier in der Karibik mit Merengue, Schweinebraten und viel Rum zelebriert.

Da ich aber auf meine Guetzli nicht verzichten wollte, beschloss ich vergangene Woche Mailänderli zu backen. Also ging ich zum nächsten Colmado um die Ecke - vergleichbar mit einem Volg - und kaufte mir die benötigten Zutaten. So weit so gut. Auch die Zubereitung des Teiges verlief ohne grosse Komplikationen, bis auf das ich mir einen elektronischen Mixer gewünscht hätte.

Was danach kam, erwies sich dann aber schon um eigenes schwieriger: Guetzli formen - bei etwa 30 Grad und ohne Förmchen. Nach mehreren Versuchen, etwas Kunstvolles mit meinem Teig anzustellen - was jedes Mal in einem klebrigen Klumpen endete - stellte ich diesen kurzerhand in die Gefriertruhe und nahm immer gerade nur so viel wie ich verarbeiten konnte ohne dass es zu schmelzen begann. Als Nudelholz diente mir ein Pinsel und für die Form der Guetzli behalf ich mir mit einem runden, undefinierbaren Gerät.

Nach guten zwei Stunden Arbeit duftete es endlich nach frisch gebackenen Mailänderli - und lockte somit meine beiden Brüder in die Küche. Wie die Verhungernden machten sie sich über mein Werk her und als wenig später der Rest meiner Familie eintraf, verblieben von den Guetzli nur noch wenige Krümel. Na ja, da hat wohl jemand denn Sinn von Weihnachtsguetzli nicht so ganz verstanden.

Der 6. Dezember - Tag des Nikolaus - feierten wir mit einem „Treffen der Familien" in der Schule. Die ganze Aktion ähnelte mit Spielständen, Popcorn und Zuckerwatte eher einer Kirmes und machte grossen Spass. Im Namen der Promoción machten auch wir einen Stand und bemalten die Gesichter der jüngsten Familienmitglieder.

Und auch meine Spiegelreflexkamera kam wieder einmal zum Einsatz, als am Abend dann die grosse Show begann. Kinder und Jugendliche jeglicher Schulstufen hatten etwas vorbereitet um es an diesem Tag den Eltern stolz zu präsentieren. Tänze von Ballet über Hip Hop bis zu Salsa und Merengue, Gesang und Theater - es fehlte an nichts.

Als meine Gastmutter als Direktorin der Schule mit einigen Worten das Fest beendete und auch wir unsere Zelte abbrachen war es spät und zum ersten Mal ein wenig kalt - was mich gleich ein wenig weihnachtlicher stimmte.