Packt er etwas an, muss es zügig vorwärts gehen. So ist er es von seinem Transport- und Baggergeschäft her gewohnt: Rolf Horisberger, 35-jährig, aufgewachsen in Aedermannsdorf auf dem Hof Grossrieden. 2005 kaufte er einen Lastwagen und machte sich selbstständig.

Mittlerweile beschäftigt die Firma Hori-Trans zehn Personen, verfügt über sieben Anhängerzüge und sechs Bagger, bewegt vorwiegend Schrott, Abfälle und Aushubmaterial, führt Rückbauten aus. Für den Fuhrpark, die Mulden, Container und Aufbauten braucht es Abstellfläche sowie eine Werkstätte.

Am ersten Standort in Matzendorf war so etwas nicht zu realisieren, ein Grundstück südwestlich des Gasthofs Eisenhammer in Aedermannsdorf schien ihm geeignet, doch musste es erst noch umgezont werden. Die Gemeindeversammlung sagte Ja dazu. Nachträglich stellte er fest, dass das nutzbare Grundstück wohl zu schmal wäre, weil ein vier Meter breiter Streifen entlang der Dünnern nicht bebaut werden darf.

Rössler - die Lösung

Unweit davon befindet sich die Liegenschaft der Rössler Keramik AG (siehe nebenstehenden Text) mit viel Umschwung, rund 1,5 Hektaren gross. Der Betrieb steht seit 2004 still bis auf eine einzige Maschine, mit der ab und zu Keramikmasse aufbereitet wird, die dann in China zu Geschirr geformt und gebrannt wird.

«Das ist doch die Lösung, dachte ich und erkundigte mich nach dem Preis für Liegenschaft und Land», berichtet Rolf Horisberger. Für seinen Betrieb alleine wäre das Ganze zu gross, aber er hatte schon viele Ideen, wie er Räume vermieten und so Einnahmen generieren könnte. Man wurde handelseinig bei 2,5 Mio.

Franken für alles. Horisberger war sich sicher, eine Baubewilligung sei praktisch nur noch eine Formsache, da ja im Gebäude ein Produktionsbetrieb lief und jetzt wieder Gewerbebetriebe einziehen würden. Zudem rechnete er mit voller Unterstützung der Gemeinde, die in der Tat grosses Interesse daran hat, dass wieder etwas geht in der «Chächelifabrik», wie die Fabrik im Thal genannt wird.

Schon mal losgelegt

So legte Horisberger schon mal los mit den Bauarbeiten - allerdings ohne Bewilligung. Im Innern der Fabrik wurden Keramikbrennöfen rausgerissen und draussen auf dem Areal Abstellplätze für den Fuhrpark bereitgestellt. «Ich wollte keine Zeit verlieren, schliesslich hatte ich Mieter in Aussicht, die dringend Raum brauchten», sagt Horisberger. Einige Firmen und ein Verein sind bereits eingezogen.

Und er habe nicht zusehen wollen, wie das Gebäude weiteren Schaden nimmt. «Darin wurde mehrere Jahre lang nicht mehr geheizt. Das Dach und viele Fenster waren undicht.»

Dann kam der Baustopp

Doch dann wurde Horisberger jäh aus seinem eifrigen Tun herausgerissen, die Gemeinde verfügte einen Baustopp. Zwar hatte er unterdessen ein Baugesuch eingereicht, «doch es war nicht komplett», wie der Aedermannsdörfer Baukommissionspräsident Bruno Born erklärt.

«Horisbergers Tatendrang in Ehren und wir von der Gemeinde sind ja sehr froh darüber, dass etwas geht.» Aber ohne gültige Baubewilligung loslegen, das gehe nun wirklich nicht. Komme hinzu, dass die Umnutzung dieses Gebäudes alles andere als einfach sei. Horisberger lieferte die erforderlichen Dokumente fürs Baugesuch nach, die Ausschreibung konnte endlich erfolgen.

Dessen Einsprachefrist ist ohne Einsprachen abgelaufen. Trotzdem kann Horisberger nicht weiterbauen, denn das Gesuch wird zuerst noch von einem Ingenieur und von den kantonalen Behörden geprüft. Bis zu einem Resultat werden noch einige Wochen vergehen. «Das Projekt ist nämlich sehr viel komplexer als es von aussen gesehen erscheint», begründet Born.

Auch sonst viel komplizierter

Aber nicht nur das Bewilligungsverfahren ist komplizierter als angenommen, sondern auch der Umbau des Fabrikgebäudes. Viele Brandschutzmassnahmen entsprechen nicht den aktuellen Vorschriften, Elektroinstallationen ebenso. Hat Horisberger das Vorhaben unterschätzt? «Ich weiss schon, wie viel Arbeit es braucht und die scheue ich sicher nicht. Aber diese Vorschriften überall, so kommt man ja nirgends hin», klagt er. Und der Zins laufe auch. Für Umbau und Renovation hat er 1,5 Mio. Franken budgetiert.

Dabei hätte er noch eine weitere Idee: ein Blockheizkraftwerk, in dem neben frischem Holz ab Wald auch solches aus dem Abbruch verheizt werden kann. Doch das kostet weitere 1,5 Mio. Franken und braucht eine Sondergenehmigung. Dem sonst so zupackenden Rolf Horisberger bleibt auf der Baustelle vorläufig nichts anderes übrig als warten.