Deborah Balmer

«Bei uns in Glarus haben wir massive Probleme mit Sicherheit und Littering - die Securitas, die für Ordnung sorgen will, wird von den Jugendlichen gar nicht erst ernst genommen», so eine Vertreterin aus Glarus am Städteworkshop in Aarau. Auch andere Gemeinden haben Gewalt und Littering nicht im Griff: «Bei uns in Wetzikon gibt es Räume, die von Jugendlichen in Beschlag genommen wurden», sagt Beat Meier von der Gruppierung Wetzikontakt der Zürcher Gemeinde.

Wer spuckt, der zahlt

Auch der Stadtpräsident von Gossau, Alex Brühwiler, musste in seiner Gemeinde radikal durchgreifen: «Bei uns gibt es ein Spuckverbot - wer sich nicht daran hält, kassiert von der Polizei eine Busse von bis zu 60 Franken», sagt er am Städteworkshop. Bei der Einführung dieses neuen Gesetzes hatte die Gemeinde sogar für internationale Schlagzeilen gesorgt. Der Aarauer Gemeindeammann Marcel Guignard begrüsste am Donnerstag Vormittag im Restaurant Einstein um die 50 Teilnehmer zum diesjährigen Städteworkshop. Nicht ohne einen kleinen Werbespot für die Kantonshauptstadt zu machen: «Wo auch immer sie in der Stadt wohnen, spätestens in zehn Minuten sind sie im Grünen oder am Wasser.»

Möglichst viel trinken

Doch Marcel Guignard musste zugeben: Auch in der 16 000-Einwohner-Gemeinde Aarau ist Litterung und Gewalt eine Herausforderung. Um dagegen anzukämpfen, läuft in Aarau seit 2006 das Projekt «Aarau bleibt cool» - dieses sagt, dass die Stadt keine Gewalt duldet. Und für die Anti-Littering-Kampagne hat Aarau ein System eingerichtet, bei dem an Abfallsünder gelbe und rote Karten verteilt werden. Nächstes Jahr werden sowohl die Anti-Gewalt- als auch die Anti-Littering-Kampagne weitergeführt und entwickelt.

Für den Leiter Sicherheit der Stadtpolizei St. Gallen, Ralph Hurni, ist klar, wieso Sicherheit und Sauberkeit immer wichtiger werden: in vielen Geschäften und Ausgehlokalen herrsche heute ein 24-Stunden-Betrieb. Jugendliche sind zudem viel mobiler als noch vor Jahren. Und sie würden einen Party-Abend auch schon mal an einem Ort starten, um dann in einer ganz anderen Gemeinde weiterzufeiern. Auch der Alkoholkonsum habe sich bei vielen Jugendlichen verändert: Längst sei er für viele nicht mehr Genussmittel, sondern es gehe darum, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu trinken.

Polizisten im Quartier

St. Gallen hat als Folge von Gewalt und Littering als erste Stadt in der Schweiz die Videoüberwachung konsequent eingesetzt. Auch Quartierpolizisten setzt St. Gallen ein - was bereits von anderen Schweizer Gemeinden kopiert wurde. Zudem gibt es in St. Gallen eine Jugendpolizei, die am Wochenende in der Innenstadt unterwegs ist. Etwas, das es auch in Aarau seit einiger Zeit gibt.