Tourenski
Wie fahrlässig sind Tourenskifahrer?

Das Lawinenunglück mit vier Todesfällen macht betroffen. In der Diskussion stehen auch Tourenskifahrer. Wie gefährlich ist dieser Sport überhaupt? Wie heikel war eine Skitour am Sonntag? Und was bedeutet «mässige» Lawinengefahr wirklich? Wir haben beim Schweizerischen Alpen-Club nachgefragt.

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Lawine

Lawine

Keystone

Claudia Landolt

Herr Frischknecht, Sie sind Bereichsleiter Bergsport und Jugend Schweizer Alpen-Club SAC. Im Zusammenhang mit dem tragischen Unglück im Diemtigtal stehen Tourenskifahrern im Kreuzfeuer der Kritik. Wie gefährlich ist Tourenskifahren?
Christian Frischknecht: Tourenskifahren ist nicht grundsätzlich gefährlich, wenn auch ein Restrisiko bleibt. Eine entsprechende Ausbildung ist aber die Grundvoraussetzung. Eine gute Tourenplanung und eine gute Vorbereitung sind zusätzlich unumgänglich.

Man kann also lernen, wie man ausserhalb der Pisten verhält?
Frischknecht: Ganz klar, ja. Schon in einem viertägigen Grundkurs lernt man die wichtigsten Tools. Trotzdem liegt es in der Eigenverantwortung jedes einzelnen, sein eigenes Können und die äusseren Bedingungen einzuschätzen und nicht irgendeiner Spur nachzulaufen.

Inwiefern schützen Lawinensuchgeräte oder eine ähnliche Ausrüstung vor einem Unglück?

Frischknecht: Selbst mit einer Top-Ausrüstung ist man nicht gefeit, in eine Lawine zu geraten. Ausserdem heisst das ja noch nicht automatisch, dass man die Geräte auch anzuwenden weiss. Es gibt nur einen Weg: Erst gar nicht in eine Lawinensituation zu geraten, denn Lawinen bedeuten immer Lebensgefahr.

Im betroffenen Gebiet herrschte am Unglückstag gemäss dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF eine «mässige Lawinengefahr». Was bedeutet das konkret?
Frischknecht: Eine mässige Lawinengefahr ist eine heimtückische Situation. Man bewegt sich zwischen gut und heikel, wenn auch die Verhältnisse mehrheitlich günstig sind. Die gefährlichen Stellen abzuschätzen ist sehr schwierig. So passieren auch ein Drittel aller Lawinenunfälle in dieser Gefahrenstufe.

Was ist Ihrer Ansicht nach im Diemtigfall falsch gelaufen?
Frischknecht: Ich habe den Fall nur aus den Medien verfolgt und kann dazu nichts sagen. Mein Eindruck ist aber, dass es sich womöglich um eine Verkettung unglücklicher Umstände handelt. Doch wie bei jedem Unfall mit Todesfolge wird es auch hier weitere juristische Untersuchung geben.

Eine letzte Frage zur Statistik. Wie viele Menschen kommen jährlich bei Lawinenunglück ums Leben?
Frischknecht: Grössenordnung gibt es jährlich 25 Tote.