Bärlauch-Ostereier

Wie die Migros einen Aprilscherz etwas zu ernst nahm

Zum 1. April 2015 zeigte sich Bauer Beat Küng für die AZ mit seinen Hühnern, einer Rande in der Hand und einem Karton voller grüner und roter Eier, die die Hennen vermeintlich gelegt hatten.

Zum 1. April 2015 zeigte sich Bauer Beat Küng für die AZ mit seinen Hühnern, einer Rande in der Hand und einem Karton voller grüner und roter Eier, die die Hennen vermeintlich gelegt hatten.

Redaktoren des Koch-Magazins «Migusto» der Migros haben nicht bemerkt, dass es sich bei einer Geschichte der Aargauer Zeitung um einen Aprilscherz handelt. Sie glaubten daran, dass das Verfüttern von Randen und Bärlauch Hühnereier farbig werden lässt.

Die Fakten vorneweg: Nein, der Murianer Beat Küng verfüttert seinen Hühnern keine Randen und auch keinen Bärlauch, um rotviolette und grasgrüne Eier zu erhalten. Diesen Aprilscherz hatte sich der Landwirt im März 2015 ausgedacht und war damit zur AZ Freiamt gekommen. Redaktor Dominic Kobelt schrieb einen längeren Artikel darüber, wie Küng eines Tages gemerkt habe, dass ein Huhn ein rötliches Ei gelegt habe, weil es nachts ausgebüxt sei und an einer Rande gepickt habe.

Nun ist die Geschichte, die vor drei Jahren für Schmunzeln bei den Lesern gesorgt hat, wieder in den Medien aufgetaucht. Denn scheinbar haben die Redaktoren des Koch-Magazins «Migusto» der Migros nicht bemerkt, dass es sich bei der Geschichte um einen Aprilscherz handelt.

Das Magazin widmet sich dem Kochgenuss und allem Wissenswerten darum herum. In der neuesten Ausgabe wurden dem (Oster-)Ei gleich mehrere Seiten eingeräumt. Da dürfen Tipps und Infos zum Färben oder eben zu bunt gelegten Eiern nicht fehlen.

Einige Rassen legen bunt

Scheinbar gebe es tatsächlich alte Hühnerrassen, deren Eier bunt direkt ab Henne kommen. Araucana-Hühner aus Chile sollen «bezaubernde hellgrüne bis türkisfarbene» Eier legen, während Marans, eine alte französische Rasse, Eier «in rötlichen bis schokoladefarbigen Tönen» liefern. Das stimmt laut Internetcheck tatsächlich.

Die nächsten beiden Sätze dagegen nicht: «Eine andere Möglichkeit, von Hühnern farbige Eier zu bekommen, hat der Aargauer Beat Küng entdeckt: Er verfüttert seinen Hühnern Randen und Bärlauch. Die Vögel danken es ihm mit rotvioletten und grasgrünen Eiern», heisst es im «Migusto» (siehe unten).

In der März-Ausgabe des Magazins «Migusto» von der Migros wurde die Idee nun aufgegriffen – nur haben die Redaktoren scheinbar den Hinweis «Aprilscherz» übersehen.

Ausschnitt aus dem Migros-Magazin "Migusto"

In der März-Ausgabe des Magazins «Migusto» von der Migros wurde die Idee nun aufgegriffen – nur haben die Redaktoren scheinbar den Hinweis «Aprilscherz» übersehen.

Schön ist, dass Küng die Migros damals ebenfalls in seinen Scherz eingebunden hat. Er sagte, er müsse noch ein wenig am Spezialfutter herumtüfteln, aber sobald er den Dreh raus habe, wolle er die bunten Eier an denselben Vermarkter liefern, der auch seine «normalen» Bio-Eier ankaufe. Von dort aus würden auch Grossanbieter wie Migros oder Coop beliefert. Sein Ziel sei es, dass an Ostern 2016 seine bunt gelegten Eier in den Regalen stehen würden, verkündete er damals.

Artikel bis zum Schluss lesen

Dass die Redaktion des «Migusto» diesen Scherz geglaubt hat und weiterverbreitet, ist ja eigentlich herzig. Ausserdem passieren solche Fehler sehr schnell – wenn man nicht den ganzen Artikel liest. Denn auf der AZ-Website www.aargauerzeitung.ch, wo die Info vermutlich herkommt, steht am Ende des Artikels in kursiver Schrift: «Liebe Leserinnen und Leser, bei diesem Text handelt es sich um einen Aprilscherz.»

Dies wurde angehängt, damit solche Missverständnisse eben nicht auftreten. Dass es doch passiert, ist im heute so schnelllebigen Internet-Zeitalter rasch geschehen. Schlimm ist es ja nicht, eher lustig. Das findet auch Beat Küng selber, der den Bericht ebenfalls entdeckt hat. Mal schauen, ob er nun Anfragen für seine bunten Eier bekommt, die laut Aprilscherz eben auch noch leicht nach Randen und Bärlauch schmecken.

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