Adlertunnel
Widerstand gegen Sanierungspläne

Die SBB sprechen von einem gelungenen Projekt zur Instandsetzung des Adlertunnels. Doch es gibt auch Kritiker. Und die führen gleich eine ganze Latte an Mängeln auf.

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Adlertunnel

Adlertunnel

Zur Verfügung gestellt

Daniel Ballmer

Der Gipskeuper ist bei Tunnelbauern gefürchtet: Der quellende Stein drückt auf den Belchen- und hebt den Chienbergtunnel. Betroffen ist auch der Adlertunnel zwischen Muttenz und Liestal. 2005 mussten die SBB bekannt geben, dass eine Sanierung des rund acht Jahre alten Tunnels unausweichlich ist.

Der Tunnel wird beständig nach oben gedrückt - am stärksten auf einem Abschnitt von rund 40 Metern einen Kilometer vom Nordportal entfernt. Das Innengewölbe wurde stark geschädigt und musste notfallmässig ausgebessert werden, um den weiteren Betrieb gewährleisten zu können.

Nun wollen die SBB rasch sanieren. Im Dezember haben sie das Auflageprojekt beim Bundesamt für Verkehr (BAV) eingereicht; bis vor kurzem lag es in Muttenz und Pratteln öffentlich auf. «Wir rechnen im Oktober die Plangenehmigungsverfügung zu erhalten», sagt SBB-Sprecher Roman Marti.

Im Januar 2010 sollen die Vorarbeiten starten, im Februar die eigentlichen Sanierungsarbeiten. Bis im Oktober 2010 soll dann die Instandsetzung abgeschlossen sein. «Gegen das Projekt ist nur eine Einsprache eingegangen», sagt BAV-Sprecher Davide Demicheli. Wegen des laufenden Plangenehmigungsverfahrens will er nicht verraten, von wem und mit welcher Begründung.

Die Einsprache stammt von der Interessengemeinschaft gegen Eisenbahnlärm Pratteln/Umgebung (IGLS). Sie kritisiert unter anderem, dass auch im Sanierungsprojekt Fluchtwege mit Notausstiegen fehlen - im Gegensatz zum ursprünglichen Baugesuch für den Adlertunnel. Denn: In der Baupublikation war ein Entlüftungsschacht geplant, der zum Fluchtstollen hätte ausgebaut werden können. Er ist nie gebaut worden.

Dieser Umstand wird nicht nur von der IGLS bemängelt. Auch der Baselbieter Sicherheitsinspektor Rolf Klaus hat gegenüber der bz schon bemängelt, «dass die Sicherheitsmassnahmen im Adlertunnel nicht befriedigend gelöst sind». Für Klaus ist klar: Um die Sicherheit tatsächlich zu erhöhen, wäre der Bau eines parallelen Fluchtstollens nötig. Dies sei einzig eine Frage der Kosten, was die SBB damals bestätigt hatten.

Konkret sieht das Sanierungsprojekt vor, das Innengewölbe auf einer Länge von 40 Metern durch einen massiven Betonriegel zu ersetzen. Dieser wiederum wird über 15 Meter lange Felsanker mit dem Berg verspannt. So soll der Druck von unten in den Berg abgeleitet werden. Die einsprechende IGLS aber glaubt, dass der Fels dabei zu wenig entwässert wird und der Gipskeuper so weiter aufquillt.

Als hoch erachten dagegen die Projektverantwortlichen die Chancen, den Schaden so definitiv beheben zu können. Als vorteilhaft bezeichnen die SBB zudem, dass bewährte Bautechniken angewendet würden. So blieben Aufwand und Risiken «überschaubar». Parallelen zur Sanierung des Sissacher Chienbergtunnels erstaunen nicht. Auch dieser hatte wegen des Gipskeupers mit Hebungen zu kämpfen. Und hier wie dort war Tunnelexperte Kalman Kovàri beigezogen worden.

Es handle sich um einen wirksamen, letztlich aber minimalen Eingriff. Die SBB rechnen mit Gesamtkosten von 15 bis 20 Millionen Franken. Die betrieblichen Auswirkungen sollten dabei verhältnismässig gering bleiben. Aber: «Gemäss aktueller Planung kann ein Teil des Tunnels während der Arbeiten nur eingleisig befahren werden», sagt SBB-Sprecher Marti.

Die Kapazität sollte aber ausreichen, dass es keinen Sonderfahrplan für den Zeitraum der Sanierung braucht. Auch hier beurteilt IGLS-Präsident Degen die Situation anders: «Gemäss Baugesuch wird der Tunnel für 14 Tage total gesperrt. Über die dadurch nötige Verkehrsverlagerung sind in der Publikation aber keinerlei Angaben zu finden.»
Das genaue Programm werde von den SBB kommuniziert, sobald es definitiv ausgearbeitet sei, versichert Marti. Sollte der Andrang auf der Schiene zeitweise zu gross sein, müsse wohl der Güterverkehr Verzögerungen in Kauf nehmen, hatten die SBB bis anhin kommuniziert.