«Wichtig ist, das verspielte Kind nicht zu verlieren»

Seit 17 Jahren ist seine Leidenschaft das Yoyo. Mit 21 hat er eine eigene Firma gegründet, mit der er dieses Spielgerät herstellt. Kürzlich organisierte er in Zürich das European Meeting. Daneben ist der 34-jährige Mann von Welt erfolgreicher Unternehmensberater.

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Aargauer Zeitung

Markus Dasen

«European Yoyo meeting» in Zürich Dieser soziale Anlass für Yoyo-Fans findet jährlich statt. Diesen Monat in Zürich war Christopher Kayatz für Organisation und Sponsoring zuständig. Zwölf Nationen waren beim Treffen anwesend, das mittlere Alter betrug 27 Jahre. Vorführungen an einer Studentenparty gehörten genauso zum Programm wie ein koordinierter Einsatz als Strassenkünstler am Utoquai (s. Foto). Über 70 Personen nahmen am traditionellen Fondueessen teil und auch ein Yoyo-Bazar war erfolgreich. Die Teilnehmer, die sich sonst nur von E-Mails und Diskussionsforen im Internet kennen, nutzten den Event, um live ihre Yoyo-Tricks zu präsentieren und auszutauschen. Nächstes Jahr findet das Meeting in London statt. (mda)

«European Yoyo meeting» in Zürich Dieser soziale Anlass für Yoyo-Fans findet jährlich statt. Diesen Monat in Zürich war Christopher Kayatz für Organisation und Sponsoring zuständig. Zwölf Nationen waren beim Treffen anwesend, das mittlere Alter betrug 27 Jahre. Vorführungen an einer Studentenparty gehörten genauso zum Programm wie ein koordinierter Einsatz als Strassenkünstler am Utoquai (s. Foto). Über 70 Personen nahmen am traditionellen Fondueessen teil und auch ein Yoyo-Bazar war erfolgreich. Die Teilnehmer, die sich sonst nur von E-Mails und Diskussionsforen im Internet kennen, nutzten den Event, um live ihre Yoyo-Tricks zu präsentieren und auszutauschen. Nächstes Jahr findet das Meeting in London statt. (mda)

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Er lässt das Yoyo surrend vor sich hin und her tanzen, als sei es tatsächlich ein Kinderspiel. Mit beiden Händen bildet er mit der Schnur Brücken, auf denen das Spielgerät wie von allein zu ihm hoch kommt. Dass es nicht so leicht ist, wie es aussieht, merkt man beim Selbstversuch mit dem modernen Yoyo. Denn von allein kommt das Ding nicht wieder hoch. «Es funktioniert nicht wie ein klassisches Yoyo. So, wie ich es eingestellt habe, sind dafür mehr Tricks möglich», erklärt er.

Christopher Kayatz hat aber noch mehr zu bieten, als beeindruckende Yoyo-Kunst. 1997, ein Jahr bevor das Yoyo auf der Welt wieder boomte, gründete Kayatz als 21-Jähriger die Firma «hspin» für die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb des federleichten Hightech-Objekts - zwei Aluminium-Scheiben an einer Schnur, die sich dank einem Kugellager um sich selber drehen. Er habe schlicht gedacht: «Ein Yoyo ist ein derart einfaches Spielgerät, das kann ich auch selber herstellen.»

Drei Kollegen von der Kantonsschule unterstützten ihn mit Startkapital. Die Suche nach einem Hersteller gestaltete sich aus Kostengründen schwierig - über 30 schriftliche Anfragen waren nötig. Kayatz wollte Yoyos herstellen, die er für 100 Franken verkaufen konnte. Schliesslich fand er eine mechanische Werkstatt in der Region.

Keine Yoyos «made in china»

Seine Ambitionen gehen über das Geschäft mit dem Spielzeug hinaus. «Unser Anspruch ist es, die neuste Technologie für Yoyos anzubieten. Zudem fördern wir die Yoyo-Gemeinschaft rund um den Globus», sagt der Geschäftsführer. Dies tut seine Firma auch mit Internet-Foren und durch Sponsoring von Yoyo-Events. Bis heute hat «hspin» über 100 solcher Veranstaltungen auf der ganzen Welt unterstützt.

Der Weltenbummler

Christopher Kayatz (34) ist in Gebenstorf aufgewachsen. Nach seinem Physikstudium an der ETH Zürich stieg er bei einer renommierten Firma für Unternehmensberatung ein. Zuvor hatte er als 21-Jähriger zusammen mit drei Freunden von der Kantonsschule die Yoyo-Firma «hspin» gegründet.
Als Unternehmensberater arbeitete er drei Jahre in Stockholm und später zwölf Monate als Freischaffender von Ennetbaden aus. Später übernahm er intern die Funktion des Einkaufsexperten und arbeitete viel in Miami und New York. Dort lernte er 2005 seine finnische Frau kennen, die er in Helsinki geheiratet und mit der er eine viermonatige Tochter hat. 2007 liess er sich in Ennetbaden einbürgern. Heute verbringt er viel Zeit in London, wo er
beruflich wirkt. (mda)

Das grosse Geld macht Kayatz mit seinem Unternehmen nicht. Die Herstellung in der Schweiz ist teuer: «Yoyos aus den USA können mit einer doppelt so hohen Marge verkauft werden wie unsere aus der Schweiz.» Rechnet man die Nebenkosten mit ein, bleibt nicht mehr viel übrig. Er würde nie Plastik-Yoyos in China herstellen - es würde seiner Überzeugung widersprechen.

Yoyo-Spieler sind extravagant

Yoyos sind derzeit nicht im Trend. Und moderne «Spielzeuge» wie Computer und iPod schränken den Markt ein. Kayatz weiss aber: «Weil wir die Gemeinschaft via Internet und an Events fördern, bleibt uns ein Grundstock an Fans zwischen Yoyo-Booms erhalten.» Dies seien durchaus extravagante Menschen, verspielte Aussenseiter.

Im Herzen immer Schweizer

Wenn Geschäftsleute oder Familienväter ihren Spieltrieb ausleben, dann findet Kayatz dies völlig okay: «Eine gewisse Verspieltheit ist sogar wichtig. Wer das Kind in sich nie ganz verliert, der hat bessere Chancen im Beruf.» Der erfolgreiche Unternehmensberater weiss, wovon er spricht. Denn während seine Firma in der Yoyo-Szene zu einer bekannten Grösse wurde, lief es ihm hauptberuflich ebenso gut. Heute arbeitet er für ein renommiertes Beraterunternehmen in London.

Weitere Informationen

Ein hochauflösendes Video zu Christopher Kayatz' Yoyo-Philosophie gibt es zu sehen im Internet unter dem nachfolgenden Link: www.vimeo.com/hspin unter dem
Stichwort «London Cut»

Während seinen beruflichen Aufenthalten in Stockholm, Miami, New York und London wurde Kayatz bewusst, dass er einen geografischen Bezugspunkt brauchte. Mit dem deutschen Pass zur Welt gekommen, jedoch Schweizer im Herzen, liess er sich 2007 zusammen mit seinen Eltern in Ennetbaden einbürgern. «Meine Freunde fürs Leben habe ich aus der Kanti-Zeit. Zum Glück haben wir die gemeinsame Firma. Sie ist ein guter Grund für regelmässigen Kontakt.»