Klar

Whirlpools und Fledermäuse

Bauen für die Zukunft: Christian Bühler (links) und Hans Gräppi vor dem neu entstehenden Biofiltrationsgebäude. Kathrin Schaffner

Bühler

Bauen für die Zukunft: Christian Bühler (links) und Hans Gräppi vor dem neu entstehenden Biofiltrationsgebäude. Kathrin Schaffner

Die Bauarbeiten an der Kläranlage in Dietikon sind in vollem Gange. Bis 2012 soll der Umbau abgeschlossen sein. Die neue Anlage entspricht den verschärften Richtlinien des Kantons.

Kathrin Schaffner

Einiges hat sich getan auf der Baustelle an der Kanalstrasse im Dietiker Industriegebiet. Hier fand vor fünf Jahren der Spatenstich zum Kläranlageausbau Limmattal statt. «Das Herzstück der neuen Kläranlage ist das Biofiltrationsgebäude», erklärt Hans Gräppi vom Kläranlageverband Limmattal, der das Projekt seit Beginn leitet. Er präsentiert die bereits fertig gestellte «Abwasserstrasse», in der die Wasseroberfläche blubbert wie in einem Whirlpool.

Die Biofiltration bildet eine der vier Reinigungsstufen, welche das Wasser durchläuft. Hier, in einem der letzten noch zu errichtenden Bauwerk, bauen Mikroorganismen mithilfe von zugeführter Luft die umweltbelastenden organischen Stoffe im Wasser ab. Die Hälfte dieses Bauwerks ist bereits in Betrieb und wird bis zur Fertigstellung durch die noch bestehenden alten Anlagen unterstützt.

Stolz ist man laut Christian Bühler, Betriebsleiter der Abwasseranlage, auch auf den Ausbau der Infrastruktur. Vor dem Umbau sei lediglich ein Mal täglich eine von Hand entnommene Probe ausgewertet worden. Heute sei die elektronische Überprüfung aller Anlagen und ihrer Abläufe von mehreren Standorten aus möglich. «So erkennen wir genau, wann die Leute aufstehen und wann sie zu Bett gehen», witzelt Bühler.

Rasches Handeln möglich

Natürlich stelle dies bloss den unwichtigen Nebeneffekt einer überaus wichtigen Neuerung dar. «Dank moderner Mess- und Auswertetechnologie wird heute jede noch so kleine Veränderung registriert und ermöglicht, wo nötig, unverzügliches Handeln», erläutert Bühler. Auffällig stark verschmutztes Rohabwasser könne in Zukunft bei Bedarf in den neuen Havarie-Becken gesammelt und vom restlichen Rohabwasser separiert werden. Auch Abwässer, die von den Industrien eingeleitet werden, könnten so einer strikten Überwachung unterzogen werden.

Mit Industrien, die viele Schmutzstoffe produzierten, suche man nach Lösungen. Die betreffende Firma übernehme dann in Zukunft beispielsweise auf eigene Kosten eine Vorreinigung ihres Abwassers. «Damit kann eine Überlastung der Kläranlage verhindert werden», erläutert Bühler. Einzugs- und Verteilgebiet des Wassers sind die Verbandsgemeinden Dietikon, Schlieren, Urdorf, Ober- und Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil sowie Oetwil.

Mit dem Umbau der Kläranlage habe man auf die verschärften Auflagen der kantonalen Behörden reagiert. Die alte Kläranlage habe den neuen Richtlinien bezüglich Wasserqualität nicht genügt. Zusätzlich sei die neue Anlage leistungsfähiger und gewappnet für weiteres Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum im Limmattal. «Zurzeit werden bei uns täglich rund 30 000 Kubikmeter Wasser gereinigt. Dies entspricht in etwa dem Inhalt von 50 Hallenbädern», meint Gräppi.

Finanziell im grünen Bereich

Auf die umweltschonende Verwertung der dabei anfallenden Reststoffe werde viel Wert gelegt. Diese kämen teilweise zur Produktion von Öko-Energie zur Verwendung. Gemäss Gräppi liegt die finanzielle Zwischenbilanz des rund 70 Millionen Franken teuren Projekts im grünen Bereich, der Zeitplan habe sich jedoch leicht verzögert. Trotzdem wagt Bühler eine Prognose: «Bis 2012 soll die Anlage vollständig fertig gestellt sein.» Zu zwei Dritteln sei der Umbau abgeschlossen.

Natürliche Biotope

Die Kläranlage steht mitten im Naturschutzgebiet. Diesem Umstand trägt die Projektleitung laut Gräppi Rechnung, indem sie darauf verzichtet hat, die Baufläche zu vergrössern und stattdessen mehr in die Höhe baut. Darüber hinaus sollen Teile der neuen Anlage als Biotop für die einheimische Flora und Fauna wirken. Die Fassade des Biofiltrationsgebäudes etwa besteht aus Steinkörben, die vor allem von Pflanzen und Eidechsen besiedelt werden dürften. Dazwischen liegen Nistkästen für Vögel und Fledermäuse. «Auch das Dach des Bauwerks wird begrünt und so zum natürlichen Lebensraum vieler verschiedener Arten werden», hält Gräppi fest.

Einen detaillierten Überblick über Fakten, Zahlen und Hintergründe des Umbaus bietet das Informationsblatt, das der Kläranlageverband Limmattal in den kommenden Tagen in alle Haushalte der Verbandsgemeinden verschicken wird.

Meistgesehen

Artboard 1