«Wir müssen zwischen einer saisonalen Grippe und einer Pandemie unterscheiden», sagt Gemeindeammann Markus Dieth. Eine saisonale Grippe trifft hauptsächlich in den Wintermonaten ein. Rund 2 bis 5% der Bevölkerung werden betroffen. Zirka 0,3% der Infizierten sterben. Von einer Pandemie werde gesprochen, wenn sich eine Infektionskrankheit rasch und länderübergreifend ausbreitet. Voraussetzung ist ein neuer hochansteckender Virus, für den noch keine Immunität besteht. In diese Kategorie gehören die Vogelgrippe und die Schweinegrippe. Für die Prävention sind Bund, Kanton und auf kommunaler Ebene der Gemeinderat beziehungsweise das Regionale Führungsorgan (RFO) zuständig.

Einfache Schutzmassnahmen
Hände waschen und Papiertaschentücher verwenden, enge Kontakte vermeiden und Gesichtsmasken tragen sind die Hauptempfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit, um sich vor der Schweinegrippe
zu schützen. Die Verantwortung liegt bei jeder einzelnen Person. Sie muss auch die notwendigen Masken kaufen. Bund und Kanton sehen zurzeit keine grössere Gefährdung. Sie nehmen an, dass die Schweinegrippe im Herbst ausbrechen wird.
Kommt es im Herbst zu einer Pandemie durch die Schweinegrippe, kann das Rathaus nicht einfach geschlossen werden. «Wir müssen für unsere Bevölkerung da sein.» Der Kehricht muss weiterhin regelmässig eingesammelt werden, Sozialamt, Einwohnerkontrolle und Polizei müssen ihre Aufgaben erfüllen. Dieth und Gemeinderat Roland Kuster gehen davon aus, dass dies auch mit einem reduzierten Mitarbeiterstab während einer gewissen Frist möglich sein wird.

Bereits seit Herbst 2007 ist das RFO Wettingen an der Arbeit, um den Verwaltungsbetrieb auf eine Pandemie vorzubereiten. Schon damals haben die Abteilungsleiter Lösungen für den Betrieb in ihrem Bereich erstellt. «Diese wurden nun aktualisiert», sagt Kuster. Zudem hat die Gemeinde 15 000 Hygienemasken gekauft. Auf Anordnung hin werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung diese bei der Arbeit tragen. Ansonsten gelten die vom Bund bekannt gegebenen Massnahmen.

Impfzentrum Tägi
Wesentlich gefährlicher als die Schweinegrippe ist die Vogelgrippe. Sie kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Bisher ist noch keine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch bekannt. Es wird vermutet, dass bei einer Übertragung von Mensch zu Mensch über 50% der Infizierten sterben werden. Mit einer grossen Impfkampagne will der Bund die Bevölkerung schützen. Um darauf vorbereitet zu sein, haben die Gemeinden vom Kanton den Auftrag erhalten, organisatorisch eine grosse Impfaktion vorzubereiten.

Impfen im Zweischichtbetrieb
«Wir planen ein Impfzentrum in der Spiel- und Sporthalle des Tägi», sagt Kuster. Innerhalb von vier Wochen müssten dort 20 000 Wettingerinnen und Wettinger geimpft werden. «Für uns ist es vor allem ein logistisches Problem», sagt Kuster. Er plant die Impfkampagne im Zweischichtbetrieb, von 8 bis 22 Uhr. Die bettlägerigen Personen, zum Beispiel in Heimen oder in ihrem Zuhause, sollen durch mobile Teams geimpft werden.

Falls der Bund eine schweizweite Impfaktion anordnet, hat die Gemeinde 14 Tage Zeit, das Behandlungszentrum einzurichten. «Wir sind darauf vorbereitet.» Gemeindeammann Markus Dieth will, dass alles bereit ist, um die Bevölkerung bestens zu schützen.