Werkhöfe: Jetzt muss jemand am Karren reissen

Vier Gemeinden, ein Werkhof, das wäre die Lösung. Zu diesem Schluss kommt der Utzenstorfer Gemeindeschreiber Christoph Hubacher, der in seiner Masterarbeit die Werkhöfe der unteren Emme analysiert hat. Auch wenn die Reaktionen verhalten-positiv waren, hofft er in absehbarer Zeit auf einen Entscheid.

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Solothurner Zeitung

Marisa Cordeiro

Eines wusste Christoph Hubacher von Beginn weg: «Ein theoretischer Erguss» sollte seine Masterarbeit auf keinen Fall werden. Deshalb suchte er nach einem praxisbezogenen Thema - und er fand es an der unteren Emme.

Der Gemeindeschreiber aus Utzenstorf absolvierte in den Jahren 2007 bis 2009 an der Berner Fachhochschule den Studiengang «Executive Master of Business Administration in Public Management». Als Abschluss dessen galt es, innert 14 Wochen eine Masterarbeit zu verfassen. Hubacher widmete sie den Werkhöfen der Gemeinden Utzenstorf, Bätterkinden, Zielebach und Wiler. Die 130 Seiten lange Arbeit titelt er mit «Regionaler Werkhof untere Emme - Analysen und Empfehlungen zu einer neuen interkommunalen Zusammenarbeit».

Hubacher sagt: «Jedes mal wenn in irgendeiner der vier Gemeinden für den Werkhof etwas angeschafft werden musste oder personelle Engpässe auftraten, flackerte die Idee wieder auf.» Das habe ihn dazu mitbewogen, seine Arbeit darüber zu schreiben. Diese soll nun als Basis für politische Diskussionen dienen, denn Hubacher kommt zum Schluss, dass im Bereich der Werkhöfe Handlungsbedarf besteht. Er empfiehlt den Gemeinden, die Werkhöfe an einem Standort zusammen zu führen.

Gedankenkarussell in Gang gesetzt

Für seine Arbeit hat Hubacher zahlreiche Interviews geführt, mit Werkhofmitarbeitenden, mit deren Vorgesetzten, den Ressortschefs in den Gemeinderäten und externen Spezialisten. Zum Inhalt zählten Dienstleistungen, Organisation und Führung, Personal, Infrastruktur, Finanzen und die persönliche Meinungen zu einer Zusammenführung.

Um Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen, strukturierte er die Interviews. Hubacher sagt, «klar hat das Skepsis ausgelöst und bei den Mitarbeitenden das Gedankenkarussell in Gang gesetzt». Doch er habe von Beginn weg mit offenen Karten gespielt, gesagt, dass es sich hierbei um eine Standortbestimmung handle und es nicht darum gehe, ihre Stellen zu eliminieren. Manche hätten positiv reagiert, andere weniger.

Die Qualität beurteilen geht nicht

Die Interviews lieferten eine Grundlage. Ein anderer beruhte auf Dokumentanalysen (Jahresrechnungen, Inventar, Stellenbeschriebe, Arbeitsrapporte). Schliesslich fasste Hubacher alles zusammen und stellte fest, dass teilweise grosse Unterschiede bestehen. Zum Beispiel würden die Dienstleistungen in unterschiedlicher Häufigkeit erbracht. Deren Qualität zu beurteilen sei aber kaum möglich, denn: Mancherorts würden die Werkhofmitarbeiter die Dienste nur «nach bestem Wissen und Gewissen» ausüben, weil es keine Vorgaben gebe.

Wie schwierig es war, die vier Werkhöfe miteinander zu vergleichen zeigt er am Beispiel der Erreichbarkeit. Während Utzenstorf ein Pikettdienst für 24 Stunden an sieben Tage die Woche bereitstellt, ist der Werkhof in Bätterkinden (ohne Pikettdienst) telefonisch nur schwer zu erreichen. Die Nummer wird nicht publiziert. Das habe jedoch nichts mit der Qualität des Werkhofs zu tun, betont Hubacher. «Dahinter kann auch eine Strategie stecken.»

Die Betriebsmittel besser auslasten

Hubacher kommt zum Schluss, dass eine interkommunale Zusammenarbeit für alle von Vorteil wäre. Er stellt die These auf, dass die Ursachen der festgestellten Schwächen bei den kleinen Gemeinden Wiler und Zielebach bei den finanziellen Ressourcen liegen. Dies wirke sich direkt auf Fahrzeuge, Maschinen, Personal und letztlich auf die Dienstleistungen aus. Im Gegensatz dazu seien die beiden grösseren Gemeinden, Utzenstorf und Bätterkinden, zwar in der Lage, effiziente und leistungsfähige Betriebsmittel bereit zu stellen. Aufgrund des kleinen kommunalen Wirkungsgebiets aber könnten diese nicht wirtschaftlich genutzt werden.

«Die Werkhöfe zu zentralisieren würde das Potential aller besser ausschöpfen», folgert Hubacher. Und die Nachteile? Weil keiner der bestehenden Werkhöfe in der Lage wäre, die nötige Infrastruktur bereitzustellen, wären bauliche Massnahmen nötig. Als weiteren Nachteil sieht er längere Anfahrtswege zu den Einsatzorten und allenfalls leer stehende Werkhöfe.

Offensichtlich ist, dass sich Hubacher intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Trotzdem ist er nicht in der Lage, den Gemeinden eine fix fertige Lösung zu unterbreiten. Die Investitionen für eine Zentralisierung und ihren Nutzen gegeneinander abzuwägen, hätten den Rahmen seiner Arbeit gesprengt, sagt er.

Die Chancen sind intakt

Inzwischen aber hat Hubacher seine Arbeit den vier Gemeinderäten vorgestellt. Die Reaktionen darauf seien verhalten-positiv gewesen, bilanziert er und drückt es so aus: «Die meisten fanden es eine gute Sache, bisher will aber niemand am Karren reissen.» Er hoffe jedoch, dass in absehbarer Zeit ein Entscheid gefasst werde. «Es wäre schade, wenn die Zeit ohne Diskussion verflösse, respektive, wenn die Frage erst dann besprochen würde, wenn sich die Situation wieder verändert hat.»

Die Chance aber, dass die Idee in absehbarer Zeit wieder aufflackert, ist durchaus intakt. Immerhin zeichnen sich, laut Hubacher, in den kommenden fünf Jahren Ersatzinvestitionen für Maschinen und Fahrzeuge in der Höhe von 300 000 Franken ab.

Für den 35-Jährigen jedenfalls hat die Arbeit ihren Zweck bereits erfüllt. Kürzlich hat er den Titel «Executive Master of Business Administration BFH in Public Management» erhalten.