Werbefahrten: Angelockt und abgezockt
Werbefahrten: Betagte werden angelockt und abgezockt

Vom Aargau bis in die Ostschweiz werden derzeit vor allem ältere Leute mit dubiosen Gewinnversprechen an Gratiscarfahrten gelockt: «Letzter Termin zur Auszahlung des Preises von 8000 Franken in bar», steht in den personalisierten Briefen. «Zur Aushändigung Ihres Gewinns haben wir einen tollen Ausflug organisiert. Eintritt und Carfahrt sind kostenlos.»

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Solothurner Zeitung

Angeboten werden diese Fahrten von einer Firma «Jasmin-Touristik» - anmelden kann man sich mittels Talon bei einer Postfachadresse. Wer an den Carfahrten teilnimmt, erhält aber weder Bargeld, noch sieht er eine Schokoladenfabrik von innen: Die Teilnehmer werden schnurstracks in ein Restaurant chauffiert und müssen dort stundenlange Verkaufspräsentationen für angeblich ionen- und strahlungsabweisende Matratzen für 1500 Franken und «günstige Reisen» über sich ergehen lassen.

Statt der angekündigten 8000 Franken Gewinn bekommen die Teilnehmer ein «minisafe»-Los von Swisslos. Der Preis dafür am Kiosk: 2 Franken. Der «Sonntag» wollte die an den Werbefahrten beteiligten Firmen «Jasmin-Touristik» und «Arriva Reisen AG» zu ihren seltsamen Geschäftspraktiken befragen. Doch wer auf die in den Unterlagen angegebenen Nummern anruft, wird offensichtlich in ein Callcenter nach Deutschland verbunden. Anfragen blieben unbeantwortet. Recherchen zeigen: Eine Firma «Jasmin-Touristik» ist nicht im Handelsregister eingetragen. Die auf den Formularen angegebene Telefonnummer ist laut Bundesamt für Kommunikation auf die Firma «Möven Touristik AG» in Neuenhof AG eingelöst.

Für die «Möven Touristik AG» ist seit dem 3. August 2009 gesetzeswidrig kein Verwaltungsratsmitglied mehr im Handelsregister eingetragen. Eine Nachfrage beim Aargauischen Handelsregisteramt ergibt: Gegen die Firma läuft deswegen ein Verfahren beim Aargauer Handelsgericht wegen «Organisationsmängeln». Der einzige eingetragene Verwaltungsrat des Reisevermittlers «Arriva Reisen AG» ist Philipp Löw aus Oetwil an der Limmat.

Auf die dubiosen Geschäftspraktiken der Firma angesprochen, behauptet er: «Ich bin nicht genau über die Aktivitäten der Firma informiert und kann deshalb keine Stellung nehmen.» Mit den Werbefahrten selber habe er nichts zu tun. Für Andreas Tschöpe vom Schweizerischen Konsumentenschutz sind diese Werbefahrten mit Gewinnversprechungen täuschende Lockvogelangebote: «Man sollte auf keinen Fall an solchen Gratis-Werbefahrten teilnehmen. Die Verkäufer an diesen Veranstaltungen sind mit allen Wassern gewaschen - da muss man schon sehr widerstandsfähig sein, um nichts zu kaufen.»